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Samstag, 29. Mai 2021

[Rez] "Mr. Parnassus' Heim für magisch Begabte" von T. J. Klune

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(c) Bildrechte: Heyne
"Mr. Parnassus' Heim für magisch Begabte"
von T. J. Klune
Originaltitel: The House in the Cerulean Sea
Verlag: Heyne, 2021
Einzelband | 480 Seiten
[TB] ISBN: 978-3453321366 

~Klappentext~
Linus Baker ist ein vorbildlicher Beamter. Seit Jahrzehnten arbeitet er in der Sonderabteilung des Jugendamtes, die für das Wohlergehen magisch begabter Kinder und Jugendlicher zuständig ist. Nie war er auch nur einen Tag krank, und das Regelwerk der Behörde ist seine Gute-Nacht-Lektüre. Linus' eintöniges Dasein ändert sich schlagartig, als er auf eine geheime Mission geschickt wird. Er soll das Waisenhaus eines gewissen Mr. Parnassus', das sich auf einer abgelegenen Insel befindet, genauer unter die Lupe nehmen. Kaum dort angekommen, stellt Linus fest, dass Mr. Parnassus' Schützlinge eher etwas speziell sind – einer von ihnen ist möglicherweise sogar der Sohn des Teufels! In diesem Heim kommt Linus mit seinem Regelwerk und seiner Vorliebe für Vorschriften nicht weit, das merkt er schnell. Eher widerwillig lässt er sich auf dieses magische Abenteuer ein, das ihn auf der Insel erwartet, und erfährt dabei die größte Überraschung seines Lebens...
~Meine Meinung~
Das Buch wird ziemlich gehyped und endlich kann ich einmal sagen, dass ich mich einem Hype anschließen kann. Dieses Buch ist besonders, was schon bei dem untypischen Protagonisten anfängt. Linus Baker ist über 40, leicht übergewichtig und liebt seinen Job als Sachbearbeiter so sehr, dass er sogar das 900 Seiten starke Regelwerk fast auswendig kann. Er lebt alleine zusammen mit seiner griesgrämigen Katze Calliope und ist mit seinem schlichten Leben und den klaren Grenzen dessen zufrieden.
Doch als ein Spezialauftrag ihn weit weg von daheim ans Meer und auf eine kleine Insel bringt, auf der ein abgelegenes, sehr ungewöhnliches Waisenhaus steht, muss er lernen, dass nicht alles im Leben klaren Regeln folgt und dass man nicht immer nur distanziert bleiben kann.

Die Entwicklung von Linus ist ein wichtiger Aspekt des Romans und ich fand es so herzerwärmend, wie er sich langsam von seinem starren Selbstbild verabschiedet und offener wird. Denn in ihm steckt so viel mehr, als ein einfacher Sachbearbeiter.
Auch die anderen Charaktere wachsen einem schnell ans Herz. Die sechs Kinder des Waisenhauses sind so liebevoll ausgearbeitet, dass man sie einfach mögen muss. Mr. Parnassus bleibt hingegen länger etwas undurchsichtig, was aber zur Handlung gehört, dennoch findet man auch ihn und seine Arbeit mit den Kindern schnell sympathisch und bewunderswert.

Ein weiteres wichtiges Handlungselement ist die Angst vor dem Unbekannten, was in dieser Romanwelt durch die magisch Begabten eingebaut wird. Die Menschen fürchten sich vor deren Kräften, sodass sich eine Zweiklassengesellschaft entwickelt hat, in der die magisch Begabten streng kontrolliert werden. Linus bekommt das aber erst dann so richtig mit, als er merkt, wie viel Feindseligkeit den Kindern durch die Bewohner im Dorf nahe der Insel entgegen gebracht wird. Dabei sind es doch nur Kinder... Diese Problematik führt zu vielen Szenen und Dialogen, die so viel Wahrheit enthalten. Es geht um unbegründete Ängste vor dem "Fremden", mehr Akzeptanz und Toleranz. Und das alles verpackt in diese wunderschöne Geschichte. Auch wenn manche Dialoge schon sehr gewollt metaphorisch und/oder pathetisch geraten sind, berührt es das Herz. Ich hatte zum Ende hin mehrmals Tränen in den Augen, weil es wirklich einfach nur schön zu lesen war.

Kleines Manko ist, dass die Handlung zu Beginn etwas zögerlich verläuft und man Linus' tristen Alltag erstmal näher kennenlernen muss. Auch darf man hier keine spannende Action erwarten, das Buch ist ruhig und lebt von den Gefühlen, die es transportiert. Aber wer sich darauf einlassen kann, wird hoffentlich nicht enttäuscht werden. Über die Fantasy-Welt hätte ich auch gerne noch mehr erfahren, da sie doch eher Mittel zum Zweck bleibt, aber darüber kann ich hinwegsehen. Für mich ein absolutes Wohlfühlbuch, das einen besonderen Platz in meinem Herzen erobert hat und zeigt, dass es keine jungen, normschönen Charaktere für ein großartiges Buch braucht. ;-)
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Dienstag, 23. Februar 2021

[Rez] "An Enchantment of Ravens" von Margaret Rogerson

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(c) Bildrechte: Margaret K. McElderry Books
"An Enchantment of Ravens"
von Margaret Rogerson
Verlag: Margaret K. McElderry Books, 2017
Einzelband | 304 Seiten
[HC] ISBN: 978-1481497589
Deutsche Ausgabe ist unter dem Titel "Rabenprinz" im cbj Verlag erschienen.

~Klappentext~
Isobel is an artistic prodigy with a dangerous set of clients: the sinister fair folk, immortal creatures who cannot bake bread or put a pen to paper without crumbling to dust. They crave human Craft with a terrible thirst, and Isobel’s paintings are highly prized. But when she receives her first royal patron—Rook, the autumn prince—she makes a terrible mistake. She paints mortal sorrow in his eyes—a weakness that could cost him his life.
~Meine Meinung~
Den Roman habe ich gemeinsam mit Dana (Buchtraumwelten) gelesen, wobei ich ihn vor allem gekauft habe, weil Thea (@theawyler auf Instagram) so begeistert davon berichtet hat. Vorher war mir v.a. das Cover aufgefallen, aber inhaltlich hatte ich nichts besonders erwartet. Wie gut, dass ich es dennoch gekauft und gelesen habe, denn es war eine absolut positive Überraschung!
 
Dabei wirkt es inhaltlich auf den ersten Blick gar nicht so besonders, sondern scheint erstmal eine typische "Feen vs. Menschen"-Story zu sein. Allerdings zeigt sich schon recht zu Beginn, dass hier viel mehr dahinter steckt.
Die Feen sind keine typischen schönen, unfehlbaren Wesen, in die sich Mensch auf den ersten Blick verliebt. Vielmehr sind sie düster, emotionslos und fasziniert von menschlichen Erschaffungen, da sie selbst nichts erschaffen können ohne zu sterben. Die Feen sind hier nur unsterbliche Wesen, die das Menschsein zu imitieren versuchen. Hinter ihrer hübschen Fassade stecken hingegen halb-verweste, uralte Wesen... Wie das in die Handlung eingewoben ist, fand ich absolut genial und fasznierend wie abstoßend zugleich. Die Last, die Unsterblichkeit bringen kann, wird hier sehr gut rüber gebracht.
 
Isobel ist die menschliche Protagonistin und ich fand sie durch ihr intelligentes und mutiges Wesen schnell sympathisch. Sie ist kein klassisches "Dummchen", das auf die Feen hereinfällt, sondern kennt die Gefahr und handelt daher bedacht. Auch wenn sie ab und an etwas zu furchtlos agiert und sich z.B. die gezwungene Höflichkeit der Feen (sie müssen z.B. auf Verbeugungen immer reagieren) zu Nutze macht. 

Rook ist die Fee, mit der Isobel es zu tun bekommt, als sie ihn porträtieren soll. Dabei zeichnet sie ihm menschliche Emotionen in die Augen, woraufhin Rook seine hohe Stellung innerhalb der Feenwelt in Gefahr sieht... Auf ihrer gemeinsamen Reise merkt man schnell, dass Rook sich ein wenig von den anderen Feen unterscheidet und insgesamt etwas menschlicher wirkt. Was dahinter steckt erfährt Isobel und der/die Leser:in aber lange Zeit nicht... Ich mochte auch Rook schnell, da er wirklich unterhaltsam ist mit seiner Faszination für Isobels Kunst und generell alles menschliche.

Die Liebesgeschichte im Buch gefiel mir auch richtig gut, denn die beiden begegnen sich auf Augenhöhe und bringen jeder eigene Gedanken und Entscheidungen ein, statt das sich wie zu oft in Romanen ein Machtgefälle ausbildet... Es ist schon irgendwie traurig, dass man eine gesunde Beziehung überhaupt hervorheben muss...

Insgesamt war ich von dem Roman sehr begeistert und habe höchstens zu meckern, dann die Handlung an der ein oder anderen Stelle ruhig noch ausführlicher hätte sein können. Besonders die Auftritte der "Winter-Feen" fand ich an der ein oder anderen Stelle etwas knapp und hatte da noch etwas mehr erwartet.

Montag, 7. Dezember 2020

[Rez] "The Eldest Curses" von Cassandra Clare & Wesley Chu

von Cassandra Clare und Wesley Chu
 
~Klappentext (Band 1, deutsche Ausgabe)~
Es sollte ein romantischer Urlaub zu zweit werden: Endlich wollte Magnus Bane, der charismatische Hexenmeister von Brooklyn, etwas traute Zweisamkeit mit seiner großen Liebe, dem Schattenjäger Alec Lightwood, genießen. Aber kaum in Paris angekommen, erfahren die beiden, dass ein dunkler Dämonenkult die Welt ins Chaos zu stürzen droht. Um dessen mysteriösem Anführer das Handwerk zu legen, begeben sie sich auf eine gefährliche Jagd quer durch Europa, bei der Freund und Feind kaum noch auseinanderzuhalten sind. Magnus und Alec müssten einander blind vertrauen – doch dunkle Geheimnisse stellen die Beziehung der beiden auf eine harte Probe…
 
Band 1 - "The Red Scrolls of Magic"
[HC] Verlag: Margaret K. McElderry Books | 2019 | 368 Seiten | ISBN: 978-1481495080
[TB] Verlag: Simon + Schuster UK | 2020 | 350 Seiten | ISBN: 978-1471195112
  
"The Red Scrolls of Magic" ist der erste Band einer Trilogie rund um Alec und Magnus, wobei dieser Band zeitlich zwischen "City of Glass" und "City of Fallen Angels" angesiedelt ist. Ich muss gestehen, dass ich die Hauptreihe ("The Mortal Instruments") nicht mehr vollständig im Kopf habe und daher nichts dazu kann, wie logisch sich "The Red Scrolls of Magic" einfügt. Daher sehe ich es jetzt einfach mal getrennt davon - sollte ich irgendwann alles in der zeitlichen Reihenfolge re-readen, ergänze ich das evtl. noch.

Die Beziehung von Alec und Magnus ist hier noch frisch und sie unternehmen ihre erste gemeinsame Reise, die auch tatsächlich als Urlaub geplant war. Allerdings kommt ihnen natürlich etwas dazwischen...

Die Handlung ist ein Mix aus Magnus' extravaganter Art und der gewohnten Shadowhunter-Action, inkl. einigen heißen Szenen zwischen den beiden, die allerdings immer frühzeitig durch angreifende Dämonen oder hereinplatzende Personen unterbrochen werden. Entsprechend kommen sich die beiden körperlich hier noch nicht so nahe wie sie vllt gerne würden. Fand ich stellenweise etwas gezwungen, war aber dennoch unterhaltsam. Und natürlich sollte man die beiden als Paar mögen, sonst braucht man das Buch gar nicht erst anfangen. Überhaupt würde ich die Reihe eher eingefleischten Shadowhunter-Fans empfehlen, da sonst viele der Anspielungen nicht ankommen dürften...
Magnus' Art und seine regelmäßigen Gedanken rund ums Essen und die passende Kleidung waren ebenfalls gewohnt unterhaltsam und lockerten die ansonsten stellenweise ernste und blutige Handlung auf.
Denn schnell entwickeln sich die anfänglichen Urlaubsstörungen hin zu einer Geschichte rund um einen Teil von Magnus Vergangenheit, sodass man vor allem über Magnus' bisheriges Leben einiges erfährt.
Aber es  taucht auch ein neuer Gegner auf, der Magnus' und Alecs Aufmerksamkeit bedarf. Und es gibt ein Wiedersehen mit weiteren bekannten Charakteren, während andere Charaktere neu hinzukommen.

Alles in Allem eine Mischung, die mich als Shadowhunters-Fan perfekt unterhalten und fesseln konnte. Eigentlich habe ich gar nichts zu meckern, weshalb ich auch nicht wirklich weiß, was ich hier schreiben soll. :'D
 
- 5/5 Flämmchen -

Band 2 - "The Lost Book of the White"
[HC] Verlag: Margaret K. McElderry Books | 2020 | 400 Seiten | ISBN: 978-1481495127
[TB] Verlag: Simon + Schuster UK | 2020 | 368 Seiten | ISBN: 978-1471162107
 
Im 2. Band der geplanten Trilogie verschlägt es Alec und Magnus zusammen mit Jace, Clary, Izzy und Simon nach Shanghai. Zeitlich spielt das Ganze nach "City of Heavenly Fire" und vor "Lady Midnight".
 
Erneut taucht die Gegnerin aus Band 1 auf, die Magnus auf die Seite eines mächtigen Dämonen ziehen möchte. Und wir erfahren hier, was aus Ragnor Fell wirklich geworden ist...

Ich mochte in Shanghai besonders das Aufeinandertreffen mit den dortigen Mythen und Dämonen sowie mit den dort ansässigen Shadowhuntern. Es gab daher auch neue Charaktere, die eine Rolle spielten und etwas Schwung in die Handlung brachten. Auch schön war, dass Alec und Magnus nicht alleine mit ihren Problemen waren.

Es verschlägt die Gruppe dann u.a. in eine der dämonischen Welten, die quasi die chinesische Hölle darstellt. Den Aufenthalt dort fand ich sowohl unterhaltsam als auch actionlastig, also genau meins. Allerdings verlief der Showdown dann doch recht abrupt und gerade als ich dachte, jetzt kommt noch ein großer Endkampf - war das Abenteuer vorbei. Da fehlte mir definitiv ein richtiges Ende!
Auch waren Jace und Co. zwar für einige gelungene Dialoge und Szenen verantwortlich, hatten ansonsten aber wenig zu tun. Also wären sie nicht dabei gewesen, wäre das auch kein Problem gewesen. Das fand ich etwas schade.

Daher alles in allem ein etwas schlechterer Band wie ich fand.

- 4/5 Flämmchen -

Mittwoch, 5. August 2020

[Rez] "Dein eines, wildes, kostbares Leben" von Jessie Kirby

(c) Bildrechte: Carlsen
"Dein eines, wildes, kostbares Leben"
von Jessi Kirby
Originaltitel: Golden
Verlag: Carlsen, 2014
Einzelband | 304 Seiten
[HC] ISBN: 978-3440144480 | [TB] ISBN: 978-3551315618

~Klappentext~
Parker (17) hatte immer nur ein Ziel: Medizin studieren und damit ihre Mutter glücklich machen. Aber als sie auf das Tagebuch der beliebten Julianna stößt, die Jahre zuvor verunglückte, ändert sich das. Denn Juliannas Leben war nicht so perfekt, wie alle glaubten, und plötzlich sieht Parker auch ihr eigenes Leben mit anderen Augen. Angespornt von den Einträgen geht sie mit ihrer Freundin Kat und dem süßen, coolen Trevor auf Entdeckungsreise durch die Vergangenheit – und stellt dabei vielleicht ihre Zukunft auf den Kopf.
~Meine Meinung~
Wie der Klappentext schon verrät geht es in "Dein eines, wildes, kostbares Leben" um Parker, die es bisher ihrer strengen Mutter immer recht machen sollte. Während eines Schulprojektes findet sie das Tagebuch von Julianna, die vor 10 Jahren bei einem Unfall ums Leben kam und seitdem so etwas wie eine tragische Berühmtheit in der Stadt ist. Von Neugier gepackt, liest Parker die Aufzeichnungen - und ihr Weltbild wird nach und nach immer stärker auf den Kopf gestellt.

Der Roman behandelt verschiedene Themen, die insbesondere Jugendliche kurz vor ihrem Schulabschluss umtreiben. Trifft man die richtigen Entscheidungen für sein weiteres Leben? Wird man in 10 Jahren vielleicht bereuen, auf den Kopf und nicht auf das Herz gehört zu haben? Wer möchte man selbst sein? Parker lernt all dies und macht dadurch eine starke Entwicklung während des Romans durch, die am Ende zu einer - wie ich finde - richtigen Entscheidung führt. Die Art, wie diese Entwicklung vorangebracht wurde, mochte ich ebenfalls gerne. Parker - und der Rest der Stadt - hat ein klares, idealisiertes Bild von Julianna im Kopf, doch das Tagebuch zeigt eine andere Seite. Und so lernt Parker auch, dass nicht jeder das ist, was er nach Außen trägt. Im Innern steckt so viel mehr. Die damit verbundenen Erkenntnisse und Entscheidungen, die Parker trifft, waren sehr gelungen umgesetzt und konnten auch mich zum Nachdenken anregen.

Allerdings gibt es eine Sache am Ende, die mir nicht gefiel. Ohne zu spoilern, lässt sich das schwer beschreiben. Aber grundsätzlich wurde hier jemand dafür belohnt, sich vor einer schlimmen Tat zu drücken. Wirkte leider so, als sei es in Ordnung, sich falschen Entscheidungen nicht zu stellen.

Die Charaktere mochte ich alle sehr gerne. Parker ist anfangs das brave, angepasste Mädchen, das nichts wagt, weil das ihren Lebenslauf kaputt machen könnte. Sie tut alles, was ihre Mutter von ihr erwartet und weicht nie davon ab. Im Gegensatz dazu ist ihre beste Freundin Kat eine Draufgängerin und Rebellin, die immer wieder versucht, Parker aus ihrem Schneckenhaus zu locken. Etwas merkwürdig fand ich allerdings Trevor, der als totaler Mädchenschwarm beschrieben wird, der gerne mit Mädchen in der Pause im Kunst-Abstellraum verschwindet und "schon jede hatte". Nur wirkt er so gar nicht so. Er zieht Parker gerne damit auf, dass er mit ihr noch nichts hatte und er und Kat versuchen auch, Parker dazu zu bringen, sich mal auf ihn einzulassen. Aber das alles wirkt stets wie leeres Gerede. Ich wusste bis zum Ende nicht wirklich, wie ich Trevor einzuordnen habe, obwohl er später eine der Hauptpersonen wird. Alle anderen Charaktere fand ich aber gelungen beschrieben und sehr lebendig. Ich konnte mich gut in Parker hineinversetzen und habe verstanden, wieso sie ist wie sie ist. Auch die Geschichte ihrer Eltern fand ich sehr authentisch beschrieben., spielt sie doch eine tragende Rolle für Parkers Verhalten.

Insgesamt wurde ich von "Dein eines, wildes, kostbares Leben" sehr positiv überrascht und musste beim Lesen viel über mein eigenes Leben nachdenken. Bereue ich mein heutiges Ich? Welche Ziele hatte ich vor 10 Jahren für mein Leben? Solchen Gedanken kann man sich beim Lesen nicht entziehen. Dazu ein bildhafter Schreibstil und lebendige Charaktere. Ein Buch, das noch lange nachhallen wird.

Samstag, 16. Mai 2020

[Rez] "Queen of Air and Darkness" von Cassandra Clare

(c) Bildrechte: Margaret K. McElderry Books
"Queen of Air and Darkness"
von Cassandra Clare
Verlag: Margaret K. McElderry Books, 2018
Band 3 von 3 | 912 Seiten
[HC] ISBN: 978-1442468436 | [TB] ISBN: 978-1471116711
Im Deutschen im Goldmann Verlag erschienen.

~Klappentext~
What if damnation is the price of true love? Innocent blood has been spilled on the steps of the Council Hall, the sacred stronghold of the Shadowhunters. In the wake of the tragic death of Livia Blackthorn, the Clave teeters on the brink of civil war. One fragment of the Blackthorn family flees to Los Angeles, seeking to discover the source of the disease that is destroying the race of warlocks. Meanwhile, Julian and Emma take desperate measures to put their forbidden love aside and undertake a perilous mission to Faerie to retrieve the Black Volume of the Dead. What they find in the Courts is a secret that may tear the Shadow World asunder and open a dark path into a future they could never have imagined. Caught in a race against time, Emma and Julian must save the world of Shadowhunters before the deadly power of the parabatai curse destroys them and everyone they love.
~Meine Meinung~
Der Abschlussband der Trilogie war nicht nur sehr umfang-, sondern auch ereignisreich. Und dadurch trotz der knapp 900 Seiten niemals langatmig - und das muss man echt erstmal schaffen! Ein definitiv gelungener Abschluss und für mich sogar der beste Band der Trilogie.

Die Handlung setzt am Ende von Band 2 an und dreht sich in der ersten Hälfte v.a. um den Konflikt mit dem König des Unseelie Court und in der zweiten Hälfte um den Konflikt mit der Cohort-Gruppierung, die versucht, die Macht in der Welt der Schattenjäger an sich zu reißen. Durch die zwei Schwerpunkte gab es genug Haupthandlung, die sich ohnehin aus den ersten beiden Bänden ergeben hat, um für viel Abwechslung zu sorgen.
Nebenbei werden die einzelnen Handlungsstränge der Vielzahl an Charakteren weitergewoben und passen sich nahtlos in die eigentliche Handlung ein.

Beim Handlungsstrang rund um die Cohort-Gruppierung fand ich es richtig gelungen, wie sich dieser Konflikt über die Reihe hinweg aufgebaut hat und anfangs noch belächelt wurde. Ihr populistischer und rassistischer Anführer erinnert dabei vermutlich nicht zufällig an Trump, wenn man sich das Erscheinungsjahr ansieht. ;-) Zeigte wieder einmal, wie Minderheiten an die Macht gelangen können, indem sie Ängste schüren.

Obwohl titelgebend fand ich den Part von Annabell hier sehr mau. Sie sorgt zwar dafür, dass Emma und Julian einen Ausflug in eine unfassbar interessante Parallelwert antreten, über den ich nichts verraten kann, aber ansonsten hat Annabell kaum Auftritte. Da hatte ich mir etwas mehr erhofft, da ich sie als Charakter ziemlich interessant fand.

Der Konflikt der Feen-Höfe ist - nach den Entwicklungen innerhalb des Bandes zu schließen - auch v.a. eine Vorbereitung auf die Trilogie, die zeitlich noch an- und damit die Schattenjäger-Romane abschließen soll. Darauf bin ich schon richtig gespannt, da sich ein paar Entwicklungen ergeben, die massenhaft Potenzial für einen epischen Abschluss bieten.

Nach wie vor missfiel mir allerdings die Beziehung zwischen Emma und Julian, da Julian weiterhin einfach nur krankhaft verliebt ist und ich ehrlich gesagt an Emmas Stelle Angst vor ihm hätte. Doch Emma, wenn auch weniger gestört, liebt Julian ebenso bedingungslos... Ihre Beziehung ist natürlich auch großes Thema im Abschlussband, ebenso wie die Parabatai-Verbindung. Eben diese führt dann auch zum großen Showdown der Trilogie und ohne zu viel verraten zu wollen: Leider war der Ausgang der Parabatai-Thematik zwar unglaublich interessant, aber zeitgleich zu einfach gelöst. Daher empfand ich das Ende weniger episch als in anderen Bänden der Schattenjäger-Welt.

Sehr gut gefallen hat mir hingegen, dass Cassandra Clare es sich getraut hat, bei drei Charakteren Polyamorie einzubauen. Es hat sich seit Band 1 abgezeichnet, aber ich dachte bis zum Schluss, dass Clare den letzten Schritt nicht wagen wird. Sie baut zwar schon seit ihrem Debüt "City of Bones" zunehmend Diversität in ihre Romane ein (immerhin gibt es in dieser Trilogie sogar eine Tansgender-Person und einen Autisten), aber ja, damit hatte ich dann doch nicht gerechnet. Wie sich die Dreierbeziehung entwickelt fand ich auch angenehm unaufgeregt, ohne zu viel künstliches Drama, auch wenn es gefühlstechnisch natürlich ein bisschen Hin und Her gab. Aber ich glaube, das ist in einer Welt, in der Monogamie als Standard gilt, auch einfach eine natürliche Reaktion. Auch im Hinblick darauf, wie krass konservativ die Schattenjäger-Welt ist, was Clare in dieser Trilogie immer wieder zum Thema von Kritik gemacht hat. Auch etwas, das mich absolut positiv überrascht hat!

Auch die Geschwister von Julian bekommen im Abschlussband mehr Raum, v.a. Ty und Kit, aber auch Dru lernt man endlich besser kennen. Mir haben auch ihre Handlungsstränge gut gefallen. Besonders die Trauerbewältigung und wie unterschiedlich Personen damit umgehen, war nachvollziehbar beschrieben. Besonders eine Szene war sehr berührend - sowas kann Clare einfach mit der passenden Dosierung "Drama" schreiben. ;-)

Ich könnte jetzt noch seitenweise weiter erläutern, was mir alles richtig gut gefallen hat, aber das ändert nichts. Ich weiß Dank "Queen of Air and Darkness" wieder, warum Cassandra Clare zu meinen absoluten Lieblingsautor*innen gehört. Sie kann einfach erzählen und lebendige Charaktere erschaffen. In ihre Bücher kann ich richtig eintauchen und die Welt um mich herum vergessen. Das gelingt bei meiner schlechten Konzentrationsfähigkeit nur wenigen.
Und da ich mich an Emma und Jules mittlerweile auch irgendwie gewöhnt hatte, störte mich tatsächlich nur das zu einfache und zu un-epische Ende sowie Annabells geringe Bedeutung.
"The Dark Artifices"-Trilogie
    Band 1 - Lady Midnight [meine Rezension]
    Band 2 - Lord of Shadows [meine Rezension]
    Band 3 - Queen of Air and Darkness

Montag, 11. Mai 2020

[Rez] "Clans von Cavallon. Im Bann des Einhorns" von Kim Forester

(c) Bildrechte: Arena
"Clans von Cavallon. Im Bann des Einhorns"
von Kim Forester
Verlag: Arena, 2020
Band 3 von 4 | 352 Seiten
[HC] ISBN: 978-3401604695

~Klappentext~
Sam und sein Einhorn-Freund Tordred sind den gefährlichen Pranken des Minotaurus knapp entkommen. Aber sie zahlten einen hohen Preis: Durch einen grausamen Zauber wird Sam dem Minotaurus für immer ausgeliefert sein. Sam droht, von ihm vernichtet zu werden! Die beiden Freunde müssen neue Verbündete finden und wandern tief in die unerforschten Schwarzhornwälder, wo kriegerische Einhörner Menschen als Sklaven halten.
Doch auch ihr Erzfeind Dromego, der düstere Herrscher über unzählige Mutantenwesen, ist ihnen auf der Spur. Und er wird nicht von seinem Plan der Unterwerfung von ganz Cavallon abrücken. Dazu jedoch muss er sich die Verbindung zwischen Sam und Tordred zunutze machen - denn dann hält er das Schicksal von ganz Cavallon in den Händen …
~Meine Meinung~
Die Reihe begeistert mich schon seit Band 1 und lässt tatsächlich auch kaum nach. Band 3 empfand ich als ein klein wenig langatmiger als die Vorgänger, aber dennoch richtig toll!

Nachdem sich die einzelnen Charaktere am Ende von Band 2 kurz getroffen haben, trennen sich ihre Wege wieder und jeder geht seinen eigenen Zielen nach.
Die Handlung baut dabei diesmal vor allem den Konflikt mit den Einhörnern weiter aus, während die Geheimnisse der Zentauren etwas kürzer kommen. Dafür gibt es in Band 3 gleich zwei große Kämpfe, die die Weichen für den 4. Band legen. Ich bin schon extrem gespannt, welche Parteien am Ende als Sieger hervorgehen und wie die Welt von Cavallon umgestaltet werden wird.

Besonders interessant war in diesem Band auch, dass die Menschen eine größere Bedeutung bekommen. Hier gefiel mir das Zusammenspiel zwischen ihnen und Lysander und Alexos richtig gut. Überhaupt ist die Entwicklung von Lysander über die Reihe hinweg nachvollziehbar und gelungen. Während ich ihn anfangs nicht so mochte, wächst er mir zunehmend mit seinem wachsenden Mut ans Herz.

Froh war ich auch über die Entwicklung der anderen Hauptcharaktere. Sam und Tordred machen ein paar interessante Entdeckungen, während Nixi endlich ihre Lektion lernt und hoffentlich fortan die richtigen Entscheidungen trifft. Wie immer mochte ich aber den Handlungsstrang der Pegasus am liebsten. Aquilla ist einfach klasse und beweist erneut Stärke! Auch hier gefielen mir die Vorurteile, die gegenüber den Menschen langsam abgelegt werden, sehr!

Insgesamt wieder ein gelungener Band der Reihe. Es ist selten, dass eine Reihe mit jedem Band ungefähr gleich gut bleibt, aber hier schafft Kim Forester das hervorragend! Es gibt neue Entwicklungen der Handlung, die für ein Jugend-/Kinderbuch überraschend gesellschaftskritisch sind, und die Charaktere sich nachvollziehbar entwickeln lassen.
Clans von Cavallon
    Band 1 - Der Zorn des Pegasus [meine Rezension]
    Band 2 - Der Fluch des Ozeans [meine Rezension]
    Band 3 - Im Bann des Einhorns
    Band 4 - folgt

Samstag, 25. April 2020

[Rez] "Im Schatten des Schwertes" von Julie Kagawa

(c) Bildrechte: Heyne fliegt
"Im Schatten des Schwertes"
von Julie Kagawa
Originaltitel: Soul of the Sword
Verlag: Heyne fliegt, 2019
Band 2 von 3 | 496 Seiten
[HC] ISBN: 978-3453272064

~Klappentext~
Der Gestaltwandlerin Yumeko bleibt nicht mehr viel Zeit, ihre Mission zu erfüllen: Sie muss eine geheime Pergamentrolle in Sicherheit bringen, ehe sie in die falschen Hände gerät. In dem tapferen Samurei Tatsumi hat sie einen treuen Weggefährten gefunden. Doch nun hat der Dämon Hakaimono von ihm Besitz ergriffen. Und er will mithilfe der Rolle das ganze Reich ins Verderben stürzen. Yumeko muss ihn um jeden Preis daran hindern. Auch wenn das bedeutet, dass sie Tatsumi dadurch vernichten könnte, den Samurei, an den sie ihr Herz verloren hat...
~Meine Meinung~
Im zweiten Band der Trilogie geht die Handlung nahtlos am Ende von Band 1 weiter. Tatsumi ist von Hakaimono besessen und Yumeko beschließt, ihn retten zu wollen - auch wenn sie noch nicht genau weiß, wie. Zeitgleich muss sie aber auch die Schriftrolle weiterhin in Sicherheit bringen. Ihre Gruppe unterstützt sie dabei, was ich richtig schön fand, denn alle wissen, dass viel auf dem Spiel steht und dass sie ihr Leben riskieren - trotzdem halten sie zusammen!

Die Handlung empfand ich dieses Mal als konsequenter auf das Ziel ausgerichtet. In Band 1 waren noch oft kleine Nebenhandlungen eingebaut, die mehr wie eine Aneinanderreihung von Quests wirkte. Dadurch geriet die eigentliche Handlung immer wieder leicht in den Hintergrund. Band 2 hingegen ist sehr zielorientiert und alles, was passiert, bringt Yumeko und ihre Freunde näher an den Schrein der Stille.

Als neue Erzählstimme ist diesmal Hakaimono dabei, was ich ziemlich cool fand. Denn man bekommt so einen Einblick von seiner Boshaftigkeit und seinen Zielen. Ein Wettlauf beginnt. Da Hakaimonos Ziele trotz seiner Sichtweise nur langsam ans Licht kommen, blieb es dennoch spannend, ob Yumeko und Co. ihm zuvor kommen würden oder ob letztlich er gewinnt und Chaos über die Welt bringt.

Trotz dem konsequenten roten Faden war der Band ein recht typischer Zwischenband, in dem über lange Strecken viel geredet und geplant wurde. Das wurde stellenweise leicht langatmig, da aber alles in Vorbereitung auf das Finale des Bandes lief, störte es mich kaum. Ich fand es sogar schön, die Charaktere besser kennenzulernen, denn dadurch, dass die Action etwas in den Hintergrund rückt, bekommen die einzelnen Personen mehr Aufmerksamkeit.
Yumeko entwickelt sich, wie ich finde, nachvollziehbar weiter, behält aber gleichzeitig auch einen Teil ihrer Naivität bei. Sie ist hilfbereit und freundlich, aber auch sehr dickköpfig. Sie lernt, mehr Verantwortung zu übernehmen und ihre Fuchs-Seite zu akzeptieren. Dadurch wird sie zunehmend mächtiger, was mir in der Kombination mit ihren oftmals unbedarften Aussagen total gefallen hat.
Daneben gab es bei zwei anderen Charakteren eine Entwicklung, die ich nicht erwartet hatte, die mir aber sehr gefiel und die auch stimmig eingebaut wurde.
Generell bleibt das Zusammenspiel der Charaktere, besonders die Dialoge, unterhaltsam. Ich finde die ungleiche Truppe richtig toll!

Das Finale des Bandes ist dann - wie schon in Band 1 - richtig krass und spannend. Die letzten rd. 100 Seiten konnte ich wirklich nicht aus der Hand legen! Und der Epilog macht dann noch zusätzlich neugierig, was im Abschlussband auf die Helden noch zukommen wird...
Die Trilogie:
    Band 1 - Im Schatten des Fuchses [meine Rezension]
    Band 2 - Im Schatten des Schwertes
    Band 3 - Im Schatten des Drachen [meine Rezension]

Donnerstag, 9. April 2020

[Rez] "Die Stille meiner Worte" von Ava Reed

(c) Bildrechte: ueberreuter
"Die Stille meiner Worte"
von Ava Reed
Verlag: ueberreuter, 2018
Einzelband | 320 Seiten
[HC] ISBN: 978-3764170790 | [TB] ISBN: 978-3841505941

~Klappentext~
Hannah hat ihre Worte verloren. In der Nacht, als ihre Zwillingsschwester Izzy ums Leben kam. Wer soll nun ihre Gedanken weiterdenken, ihre Sätze beenden und ihr Lachen vervollständigen? Niemand kann das. Egal, was Hannahs Eltern versuchen, sie schweigt.
Um Izzy nicht loslassen zu müssen, schreibt sie ihr Briefe. Schreibt und verbrennt sie. Immer wieder.
Hannah kann der Stille ihrer Worte nicht entkommen. Bis sie Levi trifft, der mit aller Macht versucht herauszufinden, wer sie wirklich ist…
~Meine Meinung~
Bisher haben mich Ava Reeds Bücher nur mäßig begeistert, daher hatte ich an "Die Stille meiner Worte" keine allzu großen Erwartungen. Doch ich wurde diesmal wirklich positiv überrascht!

Hannah hat ihre Zwillingsschwester Izzy verloren und damit auch ihre Sprache. Sie schweigt, ist in ihren Gedanken quasi gefangen. Ich habe schon öfter davon gehört, dass so etwas nach einem schlimmen Ereignis möglich ist, es aber nie so richtig verstehen können. Und Ava Reed gelingt es, Hannahs Stille so einzufangen, dass man begreifen kann, wieso ihr die Worte fehlen. Und je länger sie schweigt, umso schwerer fällt es ihr, da herauszukommen.
Ihre Eltern sind mit der Situation überfordert und schicken Hannah in ein Camp für "kaputte Jugendliche". Natürlich ist Hannah davon alles andere als begeistert und sieht den Sinn dahinter nicht. Doch in den drei Wochen Camp ändert sich dann einiges für sie...

Wie gesagt fand ich es toll, wie Hannahs Stille beschrieben wird. Was anfangs noch schwer nachzuvollziehen war, wurde immer besser verständlich. Ich habe richtig mit Hannah mitgefühlt und am Ende auch irgendwo verstanden, wieso sie nicht spricht, obwohl sie so gerne würde. Entsprechend ist der Roman sehr ruhig, aber auch sehr intensiv. Man steckt als Leser direkt in Hannahs Gedanken- und Gefühlswelt.
Im Camp trifft sie auf andere Jugendliche in ihrem Alter, die auch alle ihr Päckchen zu tragen haben. Das gibt Hannah das Gefühl, nicht ganz alleine zu sein, und so wird sie wieder etwas offener anderen Menschen gegenüber. Eine besondere Bindung baut sie dabei zu Levi auf, aus dessen Sicht auch einige Kapitel erzählt werden. Doch - was ich diesmal wirklich gut fand - nur weil ein Junge auf ein Mädchen trifft, wird nicht gleich die ganze Welt wieder toll und alle Probleme vergessen. Hannahs Fortschritte sind zögerlich, sie lässt ihren Schmerz nicht "einfach so" hinter sich, wie man es aus vielen anderen Jugendbüchern kennt, bei denen die Liebe alles heilt. Und eigentlich ist es auch gar eine richtige Liebesgeschichte, sondern eher eine wachsende Freundschaft, was ich auch erfrischend fand.

Heimlicher Star ist übrigens Mo, der Kater von Izzy, den Hannah mit ins Camp schmuggelt. Ich fand, durch Mo wurde schön dargestellt, dass Tiere gerade in schwierigen Zeiten Trost spenden und ein Lächeln herbeizaubern könnten. ♥

Auch wenn ich wirklich positiv überrascht wurde, war mir die Entwicklung fast schon zu schnell, also das Buch zu schnell zuende. Und man erfährt leider nur wenig über Levi, obwohl er ja sogar eine eigene Erzählstimme hat. Daher leider kein perfektes Jugendbuch, aber dennoch wirklich gelungen und einfühlsam umgesetzt! Eine Leseempfehlung für jeden, der besondere Jugendbücher mag.

Montag, 30. März 2020

[Rez] "Wicker King" von Kayla Ancrum

(c) Bildrechte: dtv
"Wicker King"
von Kayla Ancrum
Originaltitel: The Wicker King
Verlag: dtv, 2018
Einzelband | 320 Seiten
[HC] ISBN: 978-3423762335

~Klappentext~
Ein Brand in einer alten Lagerhalle. Am Tatort zwei Siebzehnjährige, einer davon (der vermutliche Brandstifter) mit Verbrennungen, die beide in die Psychiatrie eingeliefert werden. Einige Monate zuvor: In der Schule hängen August und Jack mit völlig verschiedenen Typen rum, privat verbindet die beiden aber seit Langem eine intensive Freundschaft. Doch Jack, Vorzeigeschüler, Spitzensportler, Mädchenschwarm, entwickelt immer stärkere Halluzinationen und driftet mehr und mehr in eine Fantasiewelt ab. In dieser ist er der König, der »Wicker King«, und August ist sein Ritter. Um Jack nah zu bleiben und zu verhindern, dass dieser sich endgültig in seiner Scheinwelt verliert, lässt sich August auf das Spiel ein: Er begibt sich gemeinsam mit Jack in dessen Fantasiewelt hinein und steuert sie beide damit genau auf die Katastrophe zu, die er verhindern wollte.
~Meine Meinung~
Zu allererst muss ich die tolle Aufmachung des Buches loben! Besonders auffällig ist der Farbverlauf von hell nach dunkel auf den Seiten, passend zu Jacks schlechter werdender Psyche. Hinzu kommen Skizzen und Fotos, die zur jeweiligen Handlung passen. Optisch also absolut genial gemacht!

Die Handlung ist in sehr kurze (oft nur 1 bis 2 Seiten lange) Kapitel unterteilt, also vermutlich nicht für jeden was. Zu Beginn fand ich es auch gewöhnungsbedürftig, aber schnell musste ich feststellen, dass trotzdem alles gesagt wird, was es zu erzählen gibt. Die einzelnen Szenen aus dem Leben von August und Jack übten sogar einen richtigen Sog auf mich auf, sodass ich das Buch quasi inhaliert habe. Man muss sich aber natürlich auf die episodenartige Erzählweise einlassen können und sich auch oft einen eigenen Anteil denken.

Inhaltlich geht es um die Freundschaft zwischen den beiden Jungen, die sich seit der Kindheit kennen. Sie sind unzertrennlich, wobei Jack den Ton angibt und August ihm folgt. Irgendwann fängt Jack an, Halluzinationen zu haben und statt zum Arzt zu gehen, bittet er August um Unterstützung bei einem verrückten Vorhaben...
Was anfangs wie eine enge Freundschaft wirkt, entwickelt sich nach und nach, wirklich schleichend, in eine toxische Richtung. Und genau dieser langsame Wandel ist perfekt gelungen, sodass man sich als Leser am Ende selbst fragt, wie genau es jemals so weit kommen konnte. 

Großer Bestandteil der Geschichte ich natürlich Jacks Erkrankung, die ihn immer heftigere, realere Halluzinationen sehen lässt, und wie sich diese auf die Realität von Jack und August auswirken. Mir war vorher tatsächlich nicht bewusst, dass eine so ausgeprägte Halluzination möglich ist - also auch noch was gelernt. Wie sich diese Erkrankung auf den Handlungsverlauf auswirkt, fand ich ziemlich cool und bezogen auf Jack und August auch nachvollziehbar. Was ich allerdings nicht ganz verstehen konnte, war, dass keiner der weiteren eingeweihten Personen zeitig auf die Idee kommt, mal Erwachsene oder gar einen Arzt zu informieren. Daher gibt es ein bisschen Punktabzug. Das Nachwort der Autorin erklärt das und ein Stück weit habe ich es beim Lesen auch nachvollziehen können - wäre aber selbst nie so verantwortungslos gewesen.

Sonntag, 22. März 2020

[Rez] "Die Amtrak-Kriege. Wolkenkrieger" von Patrick A. Tilley

(c) Bildrechte: Heyne
"Die Amtrak-Kriege. Wolkenkrieger"
von Patrick A. Tilley
Originaltitel: Cloud Warrier - The Amtrak Wars
Verlag: Heyne | Neuauflage 2019
Band 1 von 6 | 480 Seiten
[TB] ISBN: 978-3453320499

~Klappentext~
Vor Tausenden von Jahren endete das Leben auf der Erde, wie wir es kennen, in einem gewaltigen Atomkrieg. Nun ist die Menschheit in zwei verfeindete Parteien geteilt: Die Amtrak-Föderation ist eine hochtechnisierte, hochzivilisierte Kultur, die in unterirdischen Metropolen lebt – geschützt vor der tödlichen Strahlung. Und dann gibt es da noch die sogenannten »Stummen« – jene, die sich an die lebensfeindlichen Umweltbedingungen an der Erdoberfläche angepasst haben und die in den Augen der Amtraks keine Menschen mehr sind. So denkt auch der junge Pilot Steve Brickman, der bei seinem ersten Einsatz an der Oberfläche von den »Stummen« entführt wird...
~Meine Meinung~
"Wolkenkriger", der erste Band der Amtrak-Kriege, erschien ursprünglich schon 1983, nun wird die Reihe von Heyne neu aufgelegt. 

Die Welt der Reihe ist unsere in einer fernen Zukunft. Nach einem Atomkrieg ist die Erdoberfläche verstrahlt und die Menschen leben in riesigen, modernen Städten unter der Oberfläche, geführt von der Ersten Familie. Einziges Ziel ist die Rückeroberung der Erde von den dort nomadisch lebenden Mutanten, die sich an die radioaktive Umgebung angepasst haben. Zu diesem Zweck werden die meisten jungen Menschen zu Soldaten ausgebildet. Einer dieser frischen Soldaten ist Steve Brickman, Jahrgangsbester. Bei seiner ersten Mission auf der Oberfläche wird seine Einheit vernichtend geschlagen und Steve von den Mutanten gefangen genommen...

Zu Beginn wird man mit technischen Details und Zahlen fast schon erschlagen, denn die unterirdischen Städte und die Wagner genannten Soldaten funktionieren durch klare Strukturen, nichts wird hinterfragt, es gibt keine eigene Meinung, keine Individualität. Doch von dem ganzen Technischen sollte man sich auf keinen Fall abschrecken lassen! Denn sobald es an die Erdoberfläche geht und Steve von den Mutanten gefangen genommen wird, geht die eigentliche Handlung erst richtig los.

Neben Steves Erzählperspektive gibt es noch die von Cadillac, einem der Mutanten. Und so erfährt man beide Sichtweisen - die der sich überlegen fühlenden Wagner und die der von ihnen erbarmungslos gejagten Mutanten. Und so wird dem Leser schnell klar, dass die Mutanten keine stumpfen, niederen Wesen sind wie es Steve stets gelehrt wurde... 
Wie Steve allmählich seine eigenen Vorurteile und sein fest verankertes Weltbild hinterfragt, ist der Hauptbestandteil des Bandes und las sich total fesselnd, spannend und gesellschaftskritisch. So empfand ich den Band als gelungenes Statement gegen Rassismus und Vorurteile.

Nebenbei werden einige Punkte bezüglich der Ersten Familie angedeutet, die darauf hindeuten, dass in den Folgebänden noch einige Geheimnisse und Intrigen, vielleicht sogar eine große Verschwörung hinter allem, aufgedeckt werden wird.
Ansonsten sei noch erwähnt, dass es recht blutig und gewalttätig zugeht und sich neben dem Sci-Fi-/Dystopie-Anteil auch ein wenig Fantasy einmischt. Also durchaus eine interessante Genrekombination, die sich in die Welt aber nahtlos einfügt.

Der Schreibstil ist leicht verständlich und stets mit einer gewissen Ironie, besonders wenn der stumpfsinnige Gehorsam der Soldaten beschrieben wird. Allerdings bleibt durch die Erzählperspektive aus der 3. Person auch stets eine gewisse Distanz zu den Charakteren bestehen, was ich allerdings auch weitgehend passend fand.

Insgesamt war ich von dem Auftaktband sehr positiv überrascht und kann die Fortsetzung kaum erwarten!
Die Amtrak-Kriege:
    Band 1 - Wolkenkrieger
    Band 2 - Erste Familie [meine Rezension]
    Band 3 - Eisenmeister
    Band 4 - Blutiger Fluss
    Band 5 - Todbringer
    Band 6 - Erdendonner

Freitag, 31. Januar 2020

[Rez] "X. Es zerstört dich" von A. L. Kahnau

Den folgenden Beitrag kennzeichne ich gemäß § 2 Nr. 5 TMG als Werbung [da Rezensionsexemplar].
(c) Bildrechte: A. L. Kahnau
"X. Es zerstört dich"
von A. L. Kahnau
Selfpublishing, 2016
Band 3 von bisher 9 | 288 Seiten
[TB] ISBN: 978-3741236730

~Klappentext~
Die Menschheit steht vor ihrem Untergang und die Einzige, die sie davor bewahren kann, ist eine pubertierende Jugendliche.
Aber die Hoffnungsträgerin wird immer wieder ausgebremst.
Geht es Dante und seiner ominösen Regierung eventuell gar nicht um die Rettung der Menschheit?
Doch was ist dann sein Ziel?
~Meine Meinung~
Auch der 3. Band schließt nahtlos an die Ereignisse von Band 2 an. Mila erwacht in einer Art Krankenhaus und muss allerhand Untersuchungen über sich ergehen lassen, ohne dass ihr jemand sagt, was genau los ist. Außer, dass sie die Trägerin des Antivirus ist. Doch offenbar ist sie trotzdem nicht gut genug für die Zwecke der unbekannten Organisation, die sie gefangen hält - denn man trachtet ihr schon bald nach dem Leben...

Die ersten beiden Bände der Reihe hatten mich noch mit gemischten Gefühlen zurückgelassen, doch das ändert sich mit Band 3 quasi schlagartig. Denn es wird mit den neuen Geheimnissen und Feinden unerwartet spannend und deutlich vielschichtiger! Zwar störte es mich ebenso wie Mila, dass man lange Zeit gar nicht erfährt, was los ist und was man von Mila möchte bzw. erwartet, doch insgesamt war der Handlungsaufbau unglaublich fesselnd! Ich konnte meinen Kindle jedenfalls kaum aus der Hand legen und hatte den Band innerhalb von 2 Tagen ausgelesen.
Um nicht zu spoilern, kann ich leider nicht groß auf die eigentliche Handlung eingehen, doch die Ereignisse nehmen eine rasante Wendung und auch mit Mila gehen seltsame Dinge vor, die sie mir charakterlich viel näher gebracht haben und sie sympathischer werden lassen. Und auch der Rote Faden, den ich bisher etwas vermisst habe, offenbahrt sich endlich! Dadurch wirkt das Handeln der Charaktere nicht mehr so stark ziellos und unvorbereitet.

Auch Dante spielt weiter eine wichtige Rolle und wuchs mir in diesem Band auch deutlich ans Herz. Er ist gar nicht so kalt und abweisend, wie man ihn bisher kennengelernt hat. Und welches Geheimnis ihn umgibt, erfährt man nun auch endlich. Und so viel sei gesagt: Damit hatte ich nicht unbedingt gerechnet und noch bin ich unsicher, wie ich die Entwicklung finde. Ich denke, es kommt da sehr stark darauf an, was die Autorin im weiteren Verlauf daraus macht. Ich bin jedenfalls unglaublich gespannt!

Übrigens sollte man sich an keinen Charakter allzu sehr gewöhnen, denn passend zum postapokalyptischen Setting sterben regelmäßig neu auftauchende Charaktere, was mir manchmal zu schnell bzw. leicht ging (viele Personen sind schon krass unvorsichtig...), aber die Spannung zusätzlich anheizt.

Insgesamt war ich mehr als positiv von diesem Band überrascht und meine Kritikpunkte fallen im Großen und Ganzen kaum ins Gewicht, weil ich wirklich kurzweilige Lesestunden verbracht habe.
Vielen Dank an die Autorin für die Bereitstellung eines Rezensionexemplars! 
Meine Meinung wurde dadurch nicht beeinflusst. 

Die "X"-Reihe:
    Band 1 - Es beginnt [meine Rezension]
    Band 2 - Es breitet sich aus [meine Rezension]
    Band 3 - Es zerstört dich
    Band 4 - Es bringt den Tod [meine Rezension]
    Band 5 - In dunklen Zeiten
    Band 6 - In fremden Körpern
    Band 7 - In größter Not
    Band 8 - In tiefer Nacht
    Band 9 - Am Anfang
weitere in Planung

Sonntag, 19. Januar 2020

[Rez] "Vampire Academy. Schicksalsbande" von Richelle Mead

(c) Bildrechte: LYX
"Schicksalsbande" (Vampire Academy #6)
von Richelle Mead
Originaltitel: Last Sacrifice
Verlag: LYX, 2011
Band 6 von 6 | 528 Seiten
[TB] ISBN: 978-3802583476

~Klappentext~
Rose Hathaway glaubte, alles würde endlich gut werden, wenn sie nur ihren Geliebten Dimitri von der Seite der Strigoi zurückholen könnte. Doch nachdem ihr dies gelungen ist, bricht ihre Welt von Neuem zusammen. Die Königin der Moroi-Vampire wurde ermordet und Rose ist die Hauptverdächtige. Nun droht ihr die Todesstrafe, wenn sie nicht beweisen kann, dass sie unschuldig ist. Dabei bräuchte ihre Freundin Lissa sie jetzt mehr denn je, denn man versucht ihr den Anspruch auf den Thron streitig zu machen. Und Dimitri, traumatisiert durch die Zurückverwandlung in einen Dhampir, will nichts mehr von Rose wissen. Kann Rose ihre Leben und ihre Liebe retten?
~Meine Meinung~
Der 6. und letzte Band der "Vampire Academy"-Reihe fängt da an, wo Band 5 endete und schließt auf den knapp 500 Seiten die Reihe schlüssig ab. 

Ohne zu viel verraten zu wollen: Es sieht erstmal nicht gut aus für Rose. Doch ihre Freunde lassen sie nicht im Stich und so gelingt Rose die Flucht aus dem Gefängnis, mit dem Ziel, ihre Unschuld zu beweisen... Wie man es aus der Reihe kennt, geht Rose dabei eher nach dem Motto "Mit dem Kopf durch die Wand" vor, sodass es auch im 6. Band nicht langweilig wird und Rose stets für Action sorgt.
Dabei tauchen die meisten Charaktere der Reihe nochmals auf, sodass auch wirklich alle offenen Fragen geklärt werden können. Jedenfalls hatte ich nach dem Ende des Bandes nicht das Gefühl, dass noch etwas fehlen würde. Und das muss eine Reihe erstmal schaffen! Da merkt man, dass Richelle Mead die Handlung gut durchdacht und niemals den Faden verloren hat.

Besonders gefreut haben mich die Entwicklungen rund um Lissa, die zu einer mehr als verdienten Rolle gelangt. Ich finde ihre Entwicklung über die Reihe mit am herausragendsten. Wirkte sie in Band 1 doch noch überwiegend naiv und hilfsbedürftig, kann sie am Ende von Band 6 für sich selbst einstehen, wichtige Entscheidungen treffen und Mut beweisen. Und das muss sie auch, denn ihr steht eine große Aufgabe bevor... Auch ihre Familiengeschichte wird in dem Band nochmal aufgearbeitet, was für einige Überraschungen sorgt und mir nicht nur Lissa, sondern in dem Zuge auch die ganze Romanwelt nochmal näher gebracht hat.
Ebenfalls schön fand ich, dass Ms. Karp nochmal auftreten durfte und so auch ihr Handlungsstrang abgeschlossen werden konnte.

Zudem erfährt man noch etwas neues aus der Romanwelt, denn es leben tatsächlich doch nicht alle Moroi, Dhampire und Menschen so strikt getrennt wie Rose und Co. es bisher kennen... Den Einblick fand ich zum Abschluss nochmal gelungen und passend. 

Insgesamt ein perfekter Abschluss der Reihe, der keine Fragen unbeantwortet lässt, gewohnt spannend ist und dazu noch einige Überraschungen parat hat! Ich finde sogar, es war der beste Band der Reihe und einen winzigen Abzug gibt es von mir nur, weil ich Rose' Art immer noch zu unüberlegt finde. ;-)
Die "Vampire Academy"-Reihe:
    Band 1 - Blutsschwestern [meine Rezension]
    Band 2 - Blaues Blut [meine Rezension]
    Band 3 - Schattenträume [meine Rezension]
    Band 4 - Blutschwur [meine Rezension]
    Band 5 - Seelenruf [meine Rezension]
    Band 6 - Schicksalsbande

Dienstag, 30. Juli 2019

[Rezi] "Clans von Cavallon. Der Zorn des Pegasus" von Kim Forester

(c) Bildrechte:Arena Verlag
"Clans von Cavallon. Der Zorn des Pegasus"
von Kim Forester
Verlag: Arena, 2019
Band 1 von bisher 2 | 320 Seiten
[HC] ISBN: 978-3401603117

~Klappentext~
Die erbitterten Feindschaften zwischen den Clans von Cavallon kennt Sam Quicksilver nur aus alten Legenden. Mit seinen Einhorn- und Zentaurenfreunden lebt er friedlich in der Freien Stadt. Kriegerische Einhornherden oder gar einen blutrünstigen Pegasus hat er noch nie gesehen. Unvorstellbar, dass sich die Einhörner der Schwarzhornwälder Menschen als Sklaven halten! Doch am Jubiläumstag des Friedenspakts kommt es zur Katastrophe: Albtraumhafte Kreaturen attackieren die Stadt! Sie sehen aus wie Pegasus - dabei gelten diese als ausgestorben! Sam bleibt nur die Flucht und er muss erkennen, dass all die Gefahren und düsteren Legenden über Cavallon wahr sind…
~Meine Meinung~
Auf die Reihe "Clans von Cavallon" vom Kim Forester bin ich durch das Cover aufmerksam geworden. Pegasus' gehörten schon immer zu meinen liebsten Fantasy-Wesen! Als mir der Klappentext dann verriet, dass auch Einhörner und Zentauren (und sogar Kelpies) in der Welt Cavallon vertreten sind, musste ich es einfach lesen! Die Idee, so viele verschiedene Pferde-Wesen in einer Welt unterzubringen, ist einfach cool. Und dann auch noch auf eine ganz untypische Art. Denn die Einhörner sind nicht die Guten, die Zentauren nicht die Krieger und überhaupt passieren in "Der Zorn des Pegasus" für ein Jugendbuch eher untypische Ereignisse. Themen wie Verrat und Loyalität, Freundschaft, Rassismus und Toleranz spielen eine Rolle.

Dabei wird die Handlung abwechselnd aus der Sicht verschiedener Charaktere erzählt, wodurch sich ein gelungenes Gesamtbild ergibt. Zwar bleiben die Charaktere durch die häufigen Wechsel etwas blass, aber mir haben gerade die verschiedenen Sichtweisen auf alle Clans richtig gut gefallen. Die Charaktere müssen eingeprägte Vorurteile anderen Clans gegenüber hinterfragen, lernen, dass nicht alles schwarz und weiß ist. Für ein Jugendbuch vermittelt "Clans von Cavallon" viele wichtige Botschaften!

Zeitgleich blieb es durchgehend spannend. Jeder erzählende Charakter hatte eigene Aufgaben zu bewältigen, wobei die einzelnen Handlungsstränge nach und nach zusammenliefen. Einzelne Fragen wurden im Laufe des Bandes geklärt, neue tauchten auf. Ein Cliffhanger am Ende sorgt dann zusätzlich für Spannung auf den Folgeband.
Für mich ein (fast) perfektes Jugend-Fantasy-Buch!
Clans von Cavallon
    Band 1 - Der Zorn des Pegasus
    Band 2 - Der Fluch des Ozeans [meine Rezension]
    Band 3 folgt

Freitag, 5. Juli 2019

[Rezi] "Der Report der Magd" von Margaret Atwood

(c) Bildrechte: Piper
"Der Report der Magd"
von Margaret Atwood
Originaltitel: The Handmaid's Tale
Verlag: Claasen, 1987 (Erstveröffentlichung) | Piper, 2017 (aktuelle Neuauflage)
Einzelband | 416 Seiten
[HC, Berlin Verlag] ISBN: 978-3827013842 | [TB, Piper Verlag] ISBN: 978-3492311168

~Klappentext~
Die provozierende Vision eines totalitären Staats, in dem Frauen keine Rechte haben: Die Magd Desfred besitzt etwas, was ihr alle Machthaber, Wächter und Spione nicht nehmen können, nämlich ihre Hoffnung auf ein Entkommen, auf Liebe, auf Leben ... 
~Meine Meinung~
Mit "Der Report der Magd" hat Margaret Atwood eine äußerst bedrückende Dystopie erschaffen, in der Frauen keine Rechte mehr haben. 

Erzählt wird aus der Sicht von "Desfred" - so ihr neuer Name als Magd. Berichtet wird abwechselnd aus ihrer Gegenwart und in Rückblenden, wie alles soweit kommen konnte. Denn Desfred ist eine Magd, d.h. sie wird zu höhergestellten Ehepaaren gereicht, um dort vom Hausherren in einer höchst unerotischen Paarung zu Dritt (mit der unfruchtbaren Ehefrau) geschwängert zu werden. Denn nach einer nuklearen Katastrophe ist der Großteil der Frauen unfruchtbar geworden, die wenigen, die noch gebärfähig sind, werden von Haushalt zu Haushalt gereicht und haben dort keinerlei Rechte. Sie müssen tagtäglich in ihrer Kammer sitzen, dürfen nur gelegentlich Einkaufen gehen, dürfen mit niemandem im Haushalt über das notwendigste hiaus sprechen. Sie sind nur noch Gebärmaschinen. Wenn sie sich weigern oder zu oft Fehlgeburten erleiden, werden sie entweder gehängt oder in die Kolonien zum langsamen Sterben geschickt. Und so erlebt der Leser Desfreds Gedanken zwischen Hoffnungslosigkeit und Hoffnung kennen.
Andere Frauenrollen sind die der "Marthas" - Haushaltshilfen - oder der "Tanten", die die Mägde ausbilden. Einzig die Ehefrauen der Hausherren können sich relativ frei bewegen und noch Hobbys nachgehen.

Margaret Atwood gelingt es, aus Desfreds Sicht heraus eine bedrückende und verstörende Welt zu schaffen, die jedoch gar nicht so abwägig ist. Schließlich beruhen die Unterdrückung der Frau und das Herrschaftsverhalten der Männer auf wahren Ereignissen. Nur, dass es in einem Land wie den USA heutzutage nochmal so weit kommen kann, daran glaubt der Leser erstmal nicht. Doch der Prozess, mit dem die Republik Gilead auf dem Boden der USA entsteht, ist auch schleichend und beginnt mit fast schon harmlosen Ereignissen, bei denen auch Desfred nie erwartet hätte, dass sie bald alles verliert und ihr Lebenssinn auf ihre Gebärmutter reduziert wird. Und so bleibt beim Leser das dumpfe Gefühl, dass die Entwicklungen vielleicht doch nicht so unrealistisch sind...

Mich hat "Der Report der Magd" in seinen Bann ziehen können. Die dichte Atmosphäre bleibt das ganze Buch über greifbar, man bangt mit Desfred mit - Wird sie überleben? Wird sich das System ändern? Oder muss sie für den Rest ihres Lebens dieses triste Dasein fristen? Das sind die Fragen, die Spannung erzeugen und mich das Buch trotz einiger Längen nicht aus der Hand legen ließen. Entsprechend ernüchternd war dann leider das offene Ende...
Ich empfehle "Der Report der Magd" dennoch definitiv jedem weiter. Der Roman behandelt auf eindrückliche Art die Unterdrückung von Frauen, in einer Zukunft, die niemand ehrlich wollen kann.

Dienstag, 21. Mai 2019

[Rezi] "Hardliner" (Carter-Akten #7) von Felix A. Münter

Den folgenden Beitrag kennzeichne ich gemäß § 2 Nr. 5 TMG als Werbung [da Rezensionsexemplar].
(c) Bildrechte: Papierverzierer Verlag
"Hardliner" (Carter-Akten #7)
von Felix A. Münter
Verlag: Papierverzierer, 2019
Band 7 von bisher 7 | 180 Seiten

~Klappentext~
Nach seinem Rachefeldzug in der Schweiz ist Carter abgetaucht. Es hat ihn zurück an den Ort gezogen, an dem er aufgewachsen ist: Tel Aviv, Israel. Eigentlich wollte der Söldner für einige Monate den Kopf einziehen und warten, bis Gras über die Vorfälle in der Schweiz gewachsen ist. Doch es kommt anders als erwartet. Als Aschkelon an der Grenze zu Gaza Ziel eines Raketenangriffs der Hamas wird, kann Carter sich dem Strudel der Ereignisse nicht entziehen. Terroristen, Waffenschieber, der Geheimdienst und auch das israelische Militär spielen ein gefährliches Spiel auf einem Pulverfass, das vermutlich jeden Moment explodieren wird ...
~Meine Meinung~
Im 7. Band der Reihe lernt der Leser endlich mehr über Carters wahre Identität kennen. Denn zurück in Israel, wo Carter geboren und aufgewachsenen ist, trifft er natürlich auch seine Mutter und alte Bekannte wieder. Wir erfahren also so einiges Privates von Carter, was meiner Meinung nach auch langsam überfällig war. ;-) Es rundet ihn als Charakter noch weiter ab, lässt ihn authentischer wirken.

Der Fall selbst ist wieder mit einem Haufen Action geschmückt und verläuft wie gewohnt blutig ab. Beste Carter-Stimmung also, die zu einem kurzweiligen Leseerlebnis einlädt. Mir hat der Band insgesamt daher wieder gut gefallen. Auch, dass Carter trotz der Ereignisse in der Schweiz das mit dem "Kopf einziehen" nicht wirklich hinbekommt, passt einfach perfekt zu ihm. Still sitzen ist nicht seine Stärke.

Den Schauplatz Israel mit dem Gaza-Konflikt fand ich recht gewagt und war von Beginn an skeptisch, ob Münter die dortigen Entwicklungen differenziert genug darstellen kann. Klar, in erster Linie soll "Carter" kurzweilige Action liefern, aber dennoch sollte gerade in einem solchen Krisenfeld eine ordentliche Recherche ein Muss sein. Zwar bin ich keine Expertin in dem Konflikt, aber mit dem weiteren Verlauf der Handlung wurde die Absurdität des Ganzen meiner Meinung nach nachvollziehbar eingebaut. Carter ist ein intelligenter Mensch und so hätte es mich gewundert, wenn er einzig aufgrund seiner Herkunft vollständig auf Seiten Israels gestanden hätte.

Mein einziger kleiner Kritikpunkt ist allerdings, dass es Carter und seinem Kumpel diesmal etwas zu einfach gelingt, sämtliche Militärs an der Nase herumzuführen und sich überall reinzuschleusen.
Vielen Dank an den Papierverzierer Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars!

Die Carter-Akten:
    Band 1 - Mercenary [meine Rezension]
    Band 2 - Hunter [meine Rezension]
    Band 3 - Hijacker [meine Rezension]
    Band 4 - Bloodhound [meine Rezension]
    Band 5 - Hitman [meine Rezension]
    Band 6 - Lone Wolf [meine Rezension]
    Band 7 - Hardliner

Donnerstag, 11. April 2019

[Rezi] "Fangirl" von Rainbow Rowell

(c) Bildrechte: Macmillan Children's Books
"Fangirl"
von Rainbow Rowell
Verlag: Macmillan Children's Books, 2014
Einzelband | 480 Seiten 
im Deutschen im Carl Hanser Verlag (2017) erschienen: [HC] ISBN: 978-3446257009

~Klappentext~
Cath and Wren are identical twins, and until recently they did absolutely everything together. Now they're off to university and Wren's decided she doesn't want to be one half of a pair any more – she wants to dance, meet boys, go to parties and let loose. It's not so easy for Cath. She's horribly shy and has always buried herself in the fan fiction she writes, where she always knows exactly what to say and can write a romance far more intense than anything she's experienced in real life.
Without Wren Cath is completely on her own and totally outside her comfort zone. She's got a surly room-mate with a charming, always-around boyfriend, a fiction-writing professor who thinks fan fiction is the end of the civilized world, a handsome classmate who only wants to talk about words . . . And she can't stop worrying about her dad, who's loving and fragile and has never really been alone.
Now Cath has to decide whether she's ready to open her heart to new people and new experiences, and she's realizing that there's more to learn about love than she ever thought possible . . .

~Meine Meinung~
Auf "Fangirl" war ich schon länger neugierig, da ich früher auch sehr viele Fanarts gezeichnet habe. Mit Fanfictions konnte ich zwar nie viel anfangen, aber das Gefühl, zu einem Fandom etwas eigenes beizutragen, ist wohl bei beidem ähnlich. Und tatsächlich fängt "Fangirl" dieses "Feeling" sehr gut ein.

Der Roman wird vor allem durch die Charaktere getragen, denn die Handlung an sich ist nicht unbedingt besonders oder spannend, sondern wäre - ohne Cath als Protagonistin - eine ganz normale College-Lovestory. 
Cath ist schüchtern, verkriecht sich lieber in der Welt von Simon Snow, ihrem liebsten Fandom, und schreibt ihre Fanfictions dazu. Ihr zurückhaltendes Verhalten nimmt dabei schon leicht krankhafte Züge an, denn sie traut sich z.B. anfangs nicht, alleine in die Cafeteria zu gehen, weil sie nicht weiß, wie sie sich dort verhalten muss. Stattdessen ernährt sie sich einige Tage lang nur von Eiweißriegeln, bis ihre Mitbewohnerin sie mitnimmt. Es fällt Cath auch sehr schwer einzusehen, dass ihre Zwillingsschwester Wren - die beiden waren immer unzertrennlich - am College ihren eigenen Weg gehen will. Sie feiert Partys, ist ständig betrunken und macht sich plötzlich über Caths Fangirl-Dasein lustig. Cath ist daher auf sich alleine gestellt, was ihr das Collegeleben zusätzlich erschwert. Doch empfand ich Cath gerade aufgrund ihrer Macken als unglaublich sympathisch. Ihre Begeisterung für ihr Lieblings-Fandom war immer wieder greifbar, ihre Schwierigkeiten mit ihren Mitmenschen und die Art, wie sie Probleme ganz allmählich zu meistern beginnt, waren unterhaltsam und authentisch zu verfolgen. Cath entwickelt sich weiter, findet im Laufe der Handung einen Ausgleich zwischen realem Leben und ihren Fandoms. Ich konnte mich richtig gut in sie einfühlen - vielleicht aber auch, weil ich eine ähnliche Entwicklung während des Studiums durchgemacht habe. Irgendwann wird man erwachsener, aber das bedeutet nicht, dass man kein Fangirl mehr sein kann. ;-)

Auch die anderen Charaktere waren authentisch und sehr individuell gestaltet. Sie wuchsen mir alle ans Herz und waren mir sympathisch. Vor allem Caths taffe Mitbewohnerin Reagan mochte ich gerne. Aber auch Levi, Wren und sogar Nick empfand ich als passenden Beitrag zur Handlung und sie alle tragen zu Caths Entwicklung bei, geben sie nicht auf, obwohl sie sie öfter vor den Kopf stößt und eine Weile braucht, um eigenes Fehlverhalten einzusehen.

Dramatisiert wird die Handlung durch die Familiengeschichte von Cath und Wren, die immer wieder für Probleme sorgt und leider am Ende relativ offen gelassen wird. Hier hätte ich es schön gefunden, mehr darüber zu erfahren, v.a. wie es mit der Mutter der beiden weiter geht. Allerdings fügten sich diese Probleme nahtlos in die Handlung ein und wirkten nicht erzwungen - sie sorgten viel mehr für einen weiteren interessanten Punkt im Leben von Cath.

Ein netter Bonus, der das Buch abrundet, sind die eingestreuten Passagen aus Caths Fanfictions sowie aus dem fiktiven Originalbuch zu Simon Snow (welches ebenfalls als Roman erschienen ist). Zwar war ich nie ein Fan von der Art wie Cath die Originalcharaktere nach ihren Wünschen abändert (also grundsätzlich bei allen Fandoms), aber es gehört bei vielen Fandoms einfach dazu.

Insgesamt konnte mich "Fangirl" begeistern und emotional in meine eigene Jugend zurückversetzen. Nur das Ende hätte etwas weniger offen sein dürfen.
Weitere Meinungen