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Mittwoch, 28. Juli 2021

[Rez] "Die Chroniken von Peter Pan. Albtraum im Nimmerland" von Christina Henry

Den folgenden Beitrag kennzeichne ich gemäß § 2 Nr. 5 TMG als Werbung [da Rezensionsexemplar].
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(c) Bildrechte: penhaligon
"Die Chroniken von Peter Pan. Albtraum im Nimmerland"
von Christina Henry
Originaltitel: Lost Boy: The True Story of Captain Hook
Verlag: penhaligon, 2021
Einzelband | 368 Seiten
[HC] ISBN: 978-3-7645-3236-9
 
~Klappentext~
Du glaubst, meine Geschichte zu kennen. Natürlich, jeder kennt meine Geschichte, sie wird wieder und wieder erzählt. Aber sie entspricht nicht der Wahrheit. Denn Peter Pan lügt. Peter wird euch erzählen, dass ich der Bösewicht in seiner Geschichte bin, dass ich ihm Unrecht getan habe, dass ich niemals sein Freund war. Aber wie ich schon sagte, Peter lügt. Dies ist, was wirklich geschehen ist: Ich bin Peter Pan auf seine Insel gefolgt, weil er mir ewige Kindheit und unendlichen Spaß versprochen hat. Ich war sein erster und bester Freund auf der ganzen Welt und seine rechte Hand. Aber Peters Verständnis von Spaß ist so gefährlich wie ein Piratensäbel, und als ich das erkannte, wurde Nimmerland für mich zum Albtraum.
~Meine Meinung~
Düstere Nacherzählung von Peter Pan? Das klang richtig vielversprechend und so habe ich mich sehr auf das Buch gefreut und etwas im Stil von "Der Kinderdieb" von Brom erwartet. Leider wurden meine Erwartungen nicht erfüllt...

Zuerst einmal finde ich die Idee, die Vorgeschichte von Captain Hook und Peter Pan zu erzählen, ziemlich cool. Wie wurden die beiden zu Erzfeinden? Dabei hat Christina Henry sich nicht in allen Punkten an die Vorlage gehalten, sondern etwas eigenes geschaffen. Nimmerland heißt hier noch nicht so, sondern ist einfach eine Insel, die Peter Pan als sein Eigentum betrachtet. Er teilt sie sich mit Piraten, die versuchen, hinter sein Geheimnis der ewigen Jugend zu kommen, Vielfraßen (eine Art großes haariges Monster), Meerjungfrauen und natürlich den Jungen, die er aus Andernsorts holt, um ihm Gesellschaft zu leisten.
Die Handlung setzt viele Jahrzehnte nach Jamies Ankunft auf der Insel ein. Er ist der erste Junge, den Peter Pan zu sich geholt hat und besitzt damit eine Sonderstellung. Bisher kam er mit Peter Pan gut aus und hat seine Ideen mitgemacht. Doch dann holt Peter den viel zu jungen Charlie auf die Insel und alles ändert sich...
 
Inhaltlich dreht es sich darum, wie Jamie anfängt an Peter zu zweifeln bis es schließlich zum finalen Bruch zwischen den beiden kommt. Das ist kein Spoiler, denn genau das wird zu Beginn auch angekündigt. Jamie wird zu Captain Hook und der Roman erzählt, wie es dazu kam.

Erzählt wird aus Sicht von Jamie. Er kümmert sich wie ein großer Bruder um die Jungen, die Peter auf die Insel holt. Bereitet sie auf alles vor, was sie dort erwartet und sorgt dafür, dass sie möglichst lange am Leben bleiben. Denn die Insel und Peters Ideen von Spaß sind gefährlich und üblicherweise sterben die Jungen wie die Fliegen. Was für Peter auch kein Problem darstellt: er kann sich ja jederzeit neue Jungen holen.
Überhaupt ist Peter hier die spannendste Person. Er ist ein Psychopath, dem es einzige um sich selbst geht. Er will Spaß, um jeden Preis. Alles, was ihn nervt oder stört, wird erbarmungslos ausgelöscht. Er selbst begibt sich dabei selten in Gefahr, sondern schickt seine Jungen, die ihm willig folgen, vor. Das alles gelingt ihm vor allem dadurch, dass er Jugend und Spaß verspricht und wie auf Knopfdruck von wütend zu charmant schwenken kann. Er wickelt die Kinder um den Finger, bis sie alles für ihn tun würden.
Leider bleibt Peter dadurch, dass aus Jamies Sicht erzählt wird, etwas im Hintergrund. Ich hätte mir mehr Szenen und tiefere Einblicke in seinen Charakter gewünscht und auch gerne mehr über seine Herkunft und seine Verbindung zur Insel erfahren.

Die anderen Charaktere bleiben im Vergeich zu Peter austauschbar. Leider konnte ich selbst zu Jamie als Erzähler keine tiefere Bindung aufbauen. Was eventuell mit daran liegt, dass die Jungen zwar alle Kinder sein sollen, sich aber tatsächlich oft wie Erwachsene verhalten. Dadurch fand ich viele Szenen nicht authentisch genug. Zudem prügeln sie sich regelmäßig relativ sinnfrei, was ich nur nervig fand. Überhaupt ist die Handlung vor allem brutal, was ich nur stumpf statt düster empfand.

Das Ende ist dann leider auch sehr abrupt, wodurch mir die abschließende Entwicklung hin zu Captain Hook viel zu kurz abgehandelt wurde.

Alles in Allem hatte ich mehr erwartet. Es ist kein schlechtes Buch und wer eine bedrohlichere Peter Pan Version als die von Disney lesen mag, ist hier sicherlich gut aufgehoben. Zudem liest es sich kurzweilig und ist für Zwischendurch eine nette Unterhaltung, die immerhin einige actionlastigere Szenen aufweist, die an die Seite fesseln können. Aber mehr gibt der Roman meiner Meinung nach nicht her und bleibt dadurch durchschnittlich.
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Vielen Dank an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars über das Bloggerportal. Meine Meinung wurde dadurch nicht beeinflusst!

Samstag, 15. Mai 2021

[Rez] "Die Chroniken von Alice. Dunkelheit im Spiegelland" von Christina Henry

Den folgenden Beitrag kennzeichne ich gemäß § 2 Nr. 5 TMG als Werbung [da Rezensionsexemplar].
(c) Bildrechte: penhaligon
"Die Chroniken von Alice. Dunkelheit im Spiegelland"
von Christina Henry
Originaltitel: Looking Glass
Verlag: penhaligon, 2021
Band 3 von 3 | 368 Seiten
[HC] ISBN: 978-3764532673

~Klappentext~
Alice und der Axtmörder Hatcher haben in Christina Henrys finsterem Wunderland schrecklichen Gefahren getrotzt – jetzt erfahren die Fans, wie es mit den beiden weitergeht, und sie dürfen zudem tief in das Innerste von Henrys beliebtesten Figuren blicken: In einer von vier Kurzgeschichten berichtet Hatcher aus der Zeit, als er selbst noch Nicholas hieß und der beste Kämpfer der Alten Stadt war. In zwei anderen erzählt Alice von einer gruseligen Nacht in einem Schloss sowie von einem dunklen Geheimnis, das sie sogar vor Hatcher geheimhält. Und der Leser lernt Alice' Schwester Elizabeth kennen, die sich vom Jabberwock finstere Gedanken einflüstern lässt...
~Meine Meinung~
Der Band "Dunkelheit im Spiegelland" enthält vier Kurzgeschichten, die zeitlich nach den ersten beiden Bänden der "Chroniken von Alice" spielen. Man sollte zum besseren Verständnis die ersten beiden Bände daher kennen, aber grundsätzlich lassen sie sich auch unabhängig davon lesen. Die vier Kurzgeschichten hängen dabei lose zusammen, da auch sie zeitlich nacheinander spielen.

In der ersten Geschichte lernen wir Elisabeth kennen, Alice jüngere Schwester, die bei einem Fest in der Neuen Stadt zu neugierig wird und einem geheimnisvollen Vogelmann folgt - und sich in der gefährlichen Alten Stadt wiederfindet.
Ähnlich wie auch Alice im ersten Band muss sich Elisabeth den Gefahren der Alten Stadt stellen und entdeckt dabei, dass sie nicht so hilflos ist wie gedacht. Ich fand es gut, dass man mehr über Alice' Familie lernt und auch ein bisschen was über die Neue Stadt. Allerdings ähnelt sie Geschichte vom Muster her sehr dem ersten Band der Reihe und war daher vorhersehbar und etwas langatmig. Auch stört es mich langsam, dass immer alle Männer pauschal als böse dargestellt werden.

Die zweite Geschichte wechselt wieder zu Alice und Hatcher, die auf der Suche nach einer neuen Heimat in einen Schneesturm geraten. Während sie getrennt nach einem Unterschlupf suchen, findet Alice sich in einem düsteren Haus wieder, das von gruseligen Kreaturen bewohnt ist...
Hier mochte ich die Wesen, denen Alice begegnet, da die schon recht eklig waren. Aber auch diese Geschichte ist länger als sie sein müsste, wodurch die Spannung etwas zu flach bleibt. Es geht hier auch darum, dass Alice einen Zugang zu ihrer Magie sucht.

Die dritte Geschichte befasst sich mit Hatchers Vergangenheit, an die er sich zurück erinnert. Man lernt darin mehr über sein altes Ich und wie er seine erste Frau kennenlernt. Auch die Geschichte fand ich grundsätzlich interessant, aber wie auch die vorherigen hält sie sich zu sehr mit Kleinigkeiten auf, sodass es nicht unbedingt spannend bleibt.

In der letzte Geschichte erreichen Alice und Hatcher auf ihrer Heimat-Suche ein Dorf in den Bergen, das seltsame Angewohnheiten pflegt, denen sie ein Ende setzen wollen. Daneben geht es um die mögliche Zukunft des Paares, was ich insgesamt ganz süß fand.  

Insgesamt ist der Kurzgeschichtenband eine schöne Ergänzung für alle, die schon die ersten beiden Bände mochten, und stellt einen runden Abschluss der Reihe dar. Allerdings waren sie mir alle vier etwas zu langatmig, wodurch mir die Spannung fehlte, die ich bisher von der Autorin kannte.

Vielen Dank an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars über das Bloggerportal. Meine Meinung wurde dadurch nicht beeinflusst!

"Die Chroniken von Alice"
    Band 1: Finsternis im Wunderland [meine Rezension]
    Band 2: Die schwarze Königin [meine Rezension]
    Band 3: Dunkelheit im Spiegelland

Donnerstag, 6. Mai 2021

[Rez] "Wir Gotteskinder" von Nana Oforiatta Ayim

Den folgenden Beitrag kennzeichne ich gemäß § 2 Nr. 5 TMG als Werbung [da Rezensionsexemplar].
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(c) Bildrechte: Penguin
"Wir Gotteskinder"
von Nana Oforiatta Ayim
Originaltitel: The Godchild
Verlag: Penguin, 2021
Einzelband | 272 Seiten
[HC] ISBN: 978-3-328-60146-3
 
~Klappentext~
Maya Mensah ist im deutschen Exil täglich damit konfrontiert, anders zu sein. Auch ihre Eltern sind anders. Ihr Vater ist ein scheuer Intellektueller, und ihre schöne Mutter liebt es, das Geld mit vollen Händen auszugeben und an ihre königliche Abkunft zu erinnern. Doch wenn Maya in der Schule von ihrer glanzvollen Familie erzählt, wird sie verspottet. Beistand leistet ihr einzig ihr Cousin Kojo. Maya ist fasziniert von seinen farbenprächtigen Erzählungen aus Ghana, an das sie sich kaum erinnern kann. Sie klingen für sie wie Märchen, die mythisch und wirklich zugleich scheinen, und öffnen ihr den Blick: für ein Land, das seine Seele nach all den Jahren der Kolonialzeit erst wiederfinden muss, für ihre entwurzelten Eltern — und endlich erkennt sich Maya als Teil dieser Geschichte.
~Meine Meinung~ 
"Wir Gotteskinder" handelt von Maya, die gemeinsam mit ihren Eltern in Deutschland aufwächst, später nach England umzieht und zum Ende hin Ghana besucht. Wer die Kurzbiografie der Autorin auf dem Schutzumschlag liest, wird hier schnell Parallelen entdecken, daher hat der Roman auf jeden Fall auch autobiografische Züge.
 
Maya muss früh lernen, dass ihr andere Menschen aufgrund ihrer Hautfarbe oft misstrauisch bis feindlich begegnen. Doch der Roman fokussiert weniger auf die negativen Erlebnisse und mehr auf das "große Ganze" von Mayas Leben und Abstammung. Zum Beispiel erfährt man, dass ihre Eltern in die Welt hinausgeschickt wurden, um zu studieren und mit mehr Wissen nach Ghana zurückzukehren. Doch während Mayas Vaters das Ziel aus den Augen verloren zu haben scheint oder sich zumindest nicht dazu fähig fühlt, seiner Heimat nützlich zu sein, beharrt Mayas Mutter, die königlicher Abstammung ist, darauf, eines Tages Königin in Ghana zu werden. Entsprechend verhält sie sich oft überschwenglich, fröhlich und gönnerhaft, obwohl die Familie nur ein durchschnittliches Einkommen hat. An diesem "Kaufrausch" zerbricht die Familie dann auch recht zu Beginn und Maya zieht mit ihrer Mutter nach England, wo Mayas Cousin Kojo zu ihnen zieht.
Über Kojo erfährt Maya mehr über die Kultur und den Glauben in Ghana und wird durch ihn für ein gemeinsames Ziel eingespannt. Zum Ende hin versuchen sie dieses in Ghana umzusetzen.

Der Roman behandelt neben dem Alltagsrassismus vor allem das Thema Selbstfindung und die Frage, ob man dem Land der Vorfahren etwas schuldig ist. Wie weit man sich dafür einsetzen sollte.
Was ich thematisch großartig fand, überzeugte leider nicht in der Umsetzung. Auf mindestens der Hälfte des Romans hatte ich keine Ahnung, worum es eigentlich geht. Was daran liegt, dass vieles nur angedeutet oder angeschnitten wird und man extrem viel zwischen den Zeilen lesen muss. Wäre mir vielleicht leichter gefallen, wenn ich mehr über Ghana gewusst hätte. So fühlte ich mich aber leider in der Handlung sehr verloren, die zudem auch immer wieder sehr sprunghaft ist. Plötzliche, größere Zeitsprünge, ohne das der vorherige Abschnitt sich abgeschlossen anfühlte, waren regelmäßig vorhanden. Zudem bleibt auch Kojo in seinen Erklärungen zum Leben in Ghana sehr rätselhaft und scheint Maya absichtlich nicht alles sagen zu wollen. Man bekommt immerhin das Gefühl, dass auch Maya nicht genau weiß, worum es Kojo eigentlich geht. Macht es aber nicht einfacher, den Inhalt zu verstehen.
 
Erst am Ende löst sich alles auf und ergibt plötzlich einen Sinn, aber bis dahin muss man erstmal durchhalten.

Insgesamt kann ich "Wir Gotteskinder" nur bedingt empfehlen. Es ist keine Lektüre für Zwischendurch und man muss aufmerksam lesen und wahrscheinlich hilft es auch, wenn ein wenig über das Leben in Ghana Bescheid weiß. Dennoch habe ich einiges aus dem Roman mitnehmen können, vor allem was den Lebensalltag von Maya angeht.
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Vielen Dank an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars über das Bloggerportal. Meine Meinung wurde dadurch nicht beeinflusst!

Samstag, 17. April 2021

[Rez] "Ready Player One" von Ernest Cline

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(c) Bildrechte: Fischer Tor
 "Ready Player One"
von Ernest Cline
Originaltitel: Ready Player One
Verlag: Fischer Tor, 2017 (Filmausgabe)
Erstauflage erschienen im Penhaligon Verlag (2012)
Band 1 von 2 | 544 Seiten
[TB Filmausgabe] ISBN: 978-3596296590
 
~Klappentext~
Im Jahr 2045 ist die Welt ein hässlicher Ort: Die Erdölvorräte sind aufgebraucht, ein Großteil der Bevölkerung lebt in Armut. Einziger Lichtblick ist die OASIS, eine virtuelle Ersatzwelt, in der man leben, arbeiten, zur Schule gehen und spielen kann. Die OASIS ist ein ganzes Universum, es gibt Tausende von Welten, von denen jede ebenso einzigartig wie phantasievoll ist. Und sie hat ein Geheimnis.
Der exzentrische Schöpfer der OASIS hat tief im virtuellen Code einen Schatz vergraben, und wer ihn findet, wird seinen gesamten Besitz erben – zweihundertvierzig Milliarden Dollar. Eine Reihe von Rätseln weist den Weg, doch der Haken ist: Niemand weiß, wo die Fährte beginnt. Bis Wade Watts, ein ganz normaler Junge, der am Stadtrand von Oklahoma City in einem Wohnwagen lebt, den ersten wirklich brauchbaren Hinweis findet. Die Jagd ist eröffnet ...
~Meine Meinung~
In "Ready Player One" dreht sich alles um die Jagd nach dem Easter Egg von OASIS-Schöpfer Halliday. Dieser war großer Fan der 1980er-Jahre, sodass alle Rätsel, die innerhalb der OASIS gelöst werden müssen, mit Videospielen, Filmen, Musik oder Büchern aus den 1980ern zusammenhängen. Und das macht, wie ich finde, den eigentlichen Reiz des Romans aus. Wer sich ein bisschen in den 80ern auskennt, wird allerhand an Quellen, Zitaten und Anspielungen wiedererkennen und entdeckt vielleicht auch noch ein paar Filme oder Games, die bisher unbekannt waren. Ich war jedenfalls überrascht, wie viele 80er-Filme ich kenne. Zudem wird man als Videospiel-Fan mit zahlreichen Erklärungen und Beschreibungen der Beginne des Videospiel-Zeitalters versorgt, was ich als Gamerin einfach mega cool fand! Also, wer 80er-Fan ist oder sich zu dem Jahrzehnt etwas "fortbilden" will, ist hier goldrichtig.
 
Die Handlung selbst wird aus Sicht von Wade erzählt, ein in der Realität unscheinbarer Junge, der in den Slums der Zukunft bei Verwandten lebt und dessen Eltern bereits verstorben sind. Er geht - wie fast alle Kinder auf der Erde - in der OASIS zu Schule, was zur Folge hat, dass er sich kaum bewegt und übergewichtig ist. Wenn er nicht in der Schule online ist, studiert er ausführlich alle Infos, die es zu Halliday und sämtlichen Medien aus den 80er-Jahren gibt, um die Jagd vielleicht irgendwann zu gewinnen. Das Klischee des Nerds wird also voll bedient.
Doch tatsächlich findet Wade eines Tages den entscheidenden Hinweis auf die Lösung des ersten Rätsels und wird damit recht schnell sehr bekannt... Eine wirklich wilde Jagd beginnt, denn auch das Unternehmen IOI ist mit mehr als unfairen Mitteln hinter Hallidays Vermächtnis her, um die Kontrolle über die OASIS zu erhalten...
 
Die Handlung ist überwiegend spannend und kurzweilig und ich hatte den Roman schnell weggelesen. Mir wurde es aber wie gesagt durch die vielen Videospiel-Referenzen auch einfach gemacht - ich liebe sowas! Auch macht Wade eine nachvollziehbare Entwicklung durch und lernt, Verantwortung zu übernehmen. Was ich leider etwas überflüssig und zu sehr ausgewalzt empfand, war die Lovestory. Die nimmt im Mittelteil recht viel Platz ein und Wade vergisst darüber sogar eine Weile, ernsthaft die Jagd - die ihm eigentlich alles bedeutet - weiterzuverfolgen. Auch nicht immer ganz realistisch war, dass Wade und nach ihm einige andere Spieler:innen, die Rätsel dann auch recht schnell lösen und die danach folgenden Aufgaben fast immer im ersten Versuch bestehen. Da wurde es den Charakteren - nachdem jahrelang niemand die Rätsel lösen konnte - viel zu einfach gemacht!
 
Was mich aber am meisten gestört hat, war das rundum Setting: die Erde in der nahen Zukunft hat angeblich eine krasse Energiekrise, weshalb so viele Menschen in starker Armut geendet sind. Aber wie zum Teufel betreibt man in einer krassen Energiekrise, die das Ende der Zivilisation bedeuten könnte, eine digitale zweite Realität mit mehreren Tausend virtuellen Planeten, zu der in jeder Minute mehrere Millionen Menschen zugreifen??? Das ist an so vielen Stellen unlogisch und wird leider null erklärt. Schade!
 
Insgesamt konnte mich "Ready Player One" durch die 80er-Jahre-Bezüge und die grundsätzlich spannende Handlung überzeugen, weist aber einfach viele Logikfehler und Szenen auf, die zu einfach gelöst wurden. Auch gab es ein paar Kleinigkeiten, die mich gestört haben, auf die ich aber aus Spoilergründen nicht eingehen kann.
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Mittwoch, 7. April 2021

[Rez] "Dragon Princess. Ozean aus Asche und Rubinen" von Teresa Sporrer

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(c) Bildrechte: Impress
 "Dragon Princess. Ozean aus Asche und Rubinen"
von Teresa Sporrer
Verlag: Impress, 2020
Band 1 von 2 | 314 Seiten
[TB] ISBN: 978-3551303165
 
~Klappentext~
Was, wenn die Prinzessin vergeblich darauf wartet, dass der Prinz sie aus dem Turm befreit? Wenn es der Drache ist, der sie rettet? Dann schwört die Prinzessin Rache an denen, die sie eingesperrt haben – ihrer königlichen Familie. Und dafür braucht sie die Hilfe eines ebenso draufgängerischen wie charismatischen Piratenkapitäns ... 
~Meine Meinung~ 
Wer mich kennt, weiß, dass ich Romantasy nicht unbedingt gerne lese. Jedenfalls dann nicht, wenn die Lovestory im Vordergrund steht. Daher mache ich üblicherweise einen Bogen um Impress-Bücher. "Dragon Princess" war allerdings in einer "Chest of Fandoms" dabei, die ich bestellt hatte, da das Thema cool klang. Und die Meinungen waren bzw. sind auch überwiegend positiv. Daher habe ich dem Roman eine Chance gegeben.
 
Und anfangs dachte ich auch, das könnte gut werden. Man lernt Ruby kennen, die offenbar mit einem Drachen in einer Höhle wohnt. Warum das so ist, erfährt man aus dem Klappentext, nicht aber aus dem Roman selbst, was ich schon mal merkwürdig fand. Dafür tritt Ruby anfangs als starke Persönlichkeit auf, die weiß, was sie will und wie sie es bekommen kann. Daher überredet sie den Piratenkapitän Fynn, mit ihr gemeinsam in den Palast einzubrechen, um etwas zu stehlen. Dieser Einbruch war ziemlich cool und Ruby konnte da als wehrhafte, freche Person überzeugen. Die Handlung warf zudem ein paar interessante Fragen auf, die eine spannende Handlung erwarten ließen.

Aber danach plätscherte die Handlung den überwiegenden Anteil der Seitenzahlen nur vor sich hin. Ruby wird gegen ihren Willen auf das Schiff von Fynn verschleppt und arrangiert sich nach anfänglichen Beschwerden damit. Macht aber auch an keiner Stelle wirklich klar, dass sie zurück nach Hause muss. Ich hätte von ihr mehr Widerstand erwartet, gerade angesichts des Charakters, den man von ihr zu Beginn kennengelernt hat. Auch fragte ich mich die ganze Zeit, was denn nun ihr neues Ziel ist? Das wird erst kurz vor dem Ende klar, als sie darüber nachdenkt, mit einem anderen Schiff zurückzufahren. Das hätte früher kommen müssen.

Stattdessen liegt der Fokus auf der Mannschaft von Fynn. Fynn selbst ist ein Schürzenjäger durch und durch und flirtet mehr als aufdringlich mit allem, was nicht bei drei auf den Bäumen ist. So auch mit Ruby, die damit nicht umgehen kann und sich das ganze Buch über ohne große Wehr sexuell belästigen lässt. Da das Genre Romantasy ist, könnt ihr euch selbst denken, worauf es dennoch hinausläuft... Setzt meiner Meinung nach ein völlig falsches Zeichen in Zeiten von #metoo. Fand ich mehr als anstrengend. Das einzig positive an Fynn ist, dass er Menschen nicht verurteilt oder in Schubladen steckt, sondern wirklich immer alle gleich behandelt. 

Der Rest der Crew ist ziemlich indivduell ausgearbeitet und jede:r hat eigene Macken und Fähigkeiten, sodass ich die anderen tatsächlich ins Herz schließen konnte und gerne von ihnen und weniger von Fynn gelesen hätte. Die "Handlung" besteht hier aus unterhaltsamen Dialogen und Szenen zwischen Ruby, Fynn und den anderen.

Erst kurz vor Ende geht die eigentlich Handlung wieder los und dann wurde es tatsächlich noch mal richtig spannend, ähnlich wie zu Beginn, und es werden einige neue Fragen aufgeworfen, sodass ich trotz aller Genervtheit von Fynn überlege, Band 2 auch zu lesen.

Insgesamt kann ich die Begeisterung für diesen Roman jedoch nicht teilen, da mir besonders Fynns ständige sexuelle Belästigung auf den Keks ging und man das ganze Buch locker um 100 Seiten im Mittelteil hätte kürzen können. Da Anfang und Ende aber dennoch spannend waren, gibt es knappe 3 Flämmchen.
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"Dragon Princess"-Dilogie
    Band 1: Ozean aus Asche und Rubinen
    Band 2: Inferno aus Staub und Saphiren

Montag, 29. März 2021

[Rez] "Das Lied der Kämpferin" von Lidia Yuknavitch

Den folgenden Beitrag kennzeichne ich gemäß § 2 Nr. 5 TMG als Werbung [da Rezensionsexemplar].
(c) Bildrechte: btb
"Das Lied der Kämpferin"
von Lidia Yuknavitch
Originaltitel: The Book of Joan
Verlag: btb, 2021
Einzelband | 345 Seiten
[TB] ISBN: 978-3-442-71739-2

~Klappentext~
Eine Gruppe von Rebellen hat sich zusammengetan, um die von mörderischen Kriegen und gewaltigen Naturkatastrophen zerstörte Erde zu retten. Die junge Kriegerin Joan ist ihre Anführerin, ihr Feind der Tyrann Jean de Men. Und die Zukunft der Menschheit wird neu geschrieben...
~Meine Meinung~
"Das Lied der Kämpferin" ist in drei "Bücher" eingeteilt. Im ersten Buch lernt man Christine kennen, die auf einer Art Raumstation - CIEL genannt - über der Erde lebt. Ein kleiner Teil der Menschheit ist dorthin geflohen, ihrem Anführer Jean de Men gefolgt. Die Menschen haben sich dort in den letzten Jahrzehnten zu geschlechtslosen, haarlosen, weißen Wesen entwickelt oder wurden dazu gemacht, das wurde mir nicht ganz klar. Um sich von anderen Menschen dort abzugrenzen, fügen sie sich sogenannte Hautveredelungen zu, was quasi Hautlappen und Verbrennungen sind, die je nach Komplexität den Status der Person darstellen. Christine sinniert hier vor allem über ihr vergangenes Leben auf der Erde und erinnert sich an Joan zurück, die damals die Welt zerstört hat.

Im zweiten Buch wechselt die Szene zu Joan, die gemeinsam mit ihrer Gefährtin Leone auf der Erde wandelt und die Versorgungsleitungen von CIEL zerstört. Man bekommt hier vor allem einen Einblick der Erde, wie sie nach der Zerstörung ist: ein Sandplanet, ohne Sonne, fast leblos. Nur in Höhlen besteht noch Wasser und Lebewesen. Auch erfährt man hier mehr über Joans Sonderstatus, da sie eine Art "magische Verbindung zur Erde" besitzt, die sich in einer Art Musik äußert (daher der Titel).

Im dritten Buch werden dann beide Stränge zusammengeführt.

Ich weiß ehrlich gesagt nicht genau, was ich über "Das Lied der Kämpferin" denken soll. Es ist derb, man muss sich auf eine grobe Wortwahl einstellen, und gewalttätig bis eklig. Manche Szenen haben mich sehr verstört, aber zeitgleich übt das Buch eine merkwürdige Faszination aus, sodass ich es fast in einem Rutsch gelesen habe. Der Schreibstil ist nachdenklich, teilweise fast poetisch und dann wieder so hart und schonungslos. Die Handlung dreht sich um die Frage, was das Menschsein ausmacht. Vor allem auf CIEL dreht es sich stark um den sexuellen Aspekt, da die Menschen dort sich nicht länger fortpflanzen können, sich aber nach der früheren körperlichen Nähe sehnen. Aber auch Liebe wird immer wieder zum Thema gemacht, egal in welcher Form. Zeitgleich wird das Bild der zerstörten Erde, der Machtgier und dem Egoismus der Menschen aufrecht erhalten und auch die Frage aufgeworfen, was das Leben wert ist. Der Ansatz des Romans ist daher sehr philosophischer Natur, ohne wirkliche Antworten zu liefern.

Es wird deutlich, dass Lidia Yuknavitch hier eine Vielzahl von Botschaften unterbringen wollte, die in der Umsetzung aber etwas zu verworren, zu gewollt und zu inkonsistent wirken. Mir waren auch das ständige sexuelle Begehren in einer eigentlich geschlechtslosen Welt zu viel des Guten. Obwohl Mann und Frau optisch nicht mehr unterscheidbar sind, werden ständig Assoziationen mit dem Geschlecht gesucht. Dazu der fantastische Aspekt von Joans Macht, der nicht wirklich erklärt wird und mir nicht greifbar wurde. Ich würde den Roman daher als Genremix aus Dystopie, Sci-Fi und Fantasy einordnen.

Alles in allem bleibe ich am Ende eher ratlos zurück. Wie gesagt ist der Roman auf jeden Fall besonders und hebt sich vom sonstigen "Einheitsbrei" ab, aber ob ich es nun mochte, kann ich nicht wirklich sagen. "Verstörend schön", wie hinten auf dem Buch angeworben, trifft es da am ehesten.

Vielen Dank an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars über das Bloggerportal. Meine Meinung wurde dadurch nicht beeinflusst!

Montag, 15. Februar 2021

[Rez] "Unser Platz in dieser Welt" von Luisa Strunk

(c) Luisa Strunk
"Unser Platz in dieser Welt"
von Luisa Strunk
Selfpublishing, 2018
Einzelband | 438 Seiten
[TB] ISBN: 978-3752836073

~Klappentext~
Was, wenn es ein Mädchen ist, das dein Herz höherschlagen lässt?
Freunde finden. Irgendwo dazugehören. Sich verlieben. Ganz normale Wünsche für ein 16-jähriges Mädchen. Aber nicht für Marie, die seit Jahren unter den Angriffen ihrer Mitschüler leidet und die Hoffnung, sich weniger einsam zu fühlen, längst aufgegeben hat. Stattdessen findet sie Zuflucht in ihren Büchern.
Als sie eines Abends jedoch ausgerechnet Gwen, das Mädchen mit den blonden Locken und den traurigen Augen, trifft, will sie sich nicht länger verstecken. Es dauert nicht lange, bis sich zwischen den beiden eine innige Freundschaft entwickelt.
Zum ersten Mal in ihrem Leben ist Marie glücklich. Alles scheint perfekt. Wäre da nicht ihr Herz, das jedes Mal verrücktspielt, wenn sie in Gwens Nähe ist. Überfordert von ihren Gefühlen, droht die Freundschaft zu zerbrechen.
Eine Geschichte über die erste große Liebe und die Suche nach sich selbst.
~Meine Meinung~
"Unser Platz in dieser Welt" wird aus der Sicht von Marie erzählt. Sie ist die klassische Außenseiterin und wird von ihren Mitschülerinnen gemobbt. Sie hat keine Freunde und verkriecht sich in Buchwelten. Dass sie jemals glücklich sein könnte, erscheint ihr unmöglich.
Dann freundet sie sich zufällig mit Gwen an, die eigentlich zu der Clique ihrer Mobberinnen gehört. Doch Gwen scheint ganz anders zu sein, als sie sich in der Schule gibt... Eine innige Freundschaft entwickelt sich.
 
Die Handlung dreht sich um die wachsende Freundschaft der beiden so unterschiedlichen Mädchen. Die Charaktere sind dabei leider, auch die Nebenfiguren, recht klischeehaft. 
Dennoch konnte ich Marie gut verstehen und v.a. auch ihren Wunsch, endlich dazuzugehören. Daher fand ich es auch nachvollziehbar, dass sie sich immer stärker an Gwen hängt. Die Gefühle, die sie dabei langsam entwickelt, gehen aber über normale Freundschaft hinaus. Als Leser:in wird das schnell klar, aber Marie, die keine "normale" Freundschaft kennt, kann die Gefühle nicht zuordnen. Ich mochte Marie gerne und habe mit ihr sehr gut mitfühlen können. Allerdings ist ihre Überzeugung, dass sie als Mädchen nicht in andere Mädchen verliebt sein KANN doch ungewöhnlich. Immerhin liest sie extrem viel und lebt wohl kaum hinterm Mond...
 
Gwen hingegen war mir lange Zeit - eigentlich bis zum Ende - suspekt. Auf der einen Seite betont sie immer wieder, wie wichtig Marie ihr ist, auf der anderen will sie in der Schule aber nichts mit ihr zu tun haben, weil sie dann auch Stress mit ihrer Clique bekäme. Zudem macht Gwen regelmäßig ein Drama daraus, was für ein schlechter Mensch sie sei, nur damit Marie ihr bestätigt, dass sie ein toller Mensch ist. Um dann bei der nächsten Gelegenheit wieder abweisend zu ihr zu sein. Ich fand Gwen leider sehr falsch und manipulativ und konnte nicht verstehen, warum sie so handelt. Daher hatte ich nach ca. 2/3 des Romans auch stark das Gefühl, dass sich die Handlung zu einer romantisierten toxischen Beziehung entwickelt, bei der Gwen Marie stets nur ausnutzt. Das wurde am Ende zwar noch kurz thematisiert, aber nicht geklärt. Ich konnte Gwens Charakter bis zum Ende nicht nachvollziehen und war daher leider vom Ende auch nicht überzeugt.

Der bei dem Roman so gelobte queere Aspekt taucht leider auch erst sehr spät auf, da Marie ihre Gefühle nicht versteht. Und der Roman daher fast vollständig eine "normale" Geschichte über Freundschaft ist. Dagegen ist an sich nichts einzuwenden, aber es zog sich etwas zu sehr. Und dass Marie Gwen bei jedem Sichtkontakt als wunderschön und engelsgleich beschreibt, wurde auch irgendwann nervig. Vor dem Hintergrund, wie Gwen sich verhält (in einer Hetero-Handlung wäre sie wohl der umwerfend gutaussehende Bad Boy), wirkt es leider als würde Marie sie vor allem wegen ihrem Aussehen mögen...

Zum Abschluss möchte ich den angenehmen Schreibstil und das tolle Design loben! Für ein Debüt im Selfpublishing auf jeden Fall herausragend.
Nur leider konnte mich der Inhalt nicht so sehr überzeugen wie erhofft...



Donnerstag, 7. Januar 2021

[Rez] "Nocturna. Das Spiel des Fuchses" von Maya Motayne

Den folgenden Beitrag kennzeichne ich gemäß § 2 Nr. 5 TMG als Werbung [da Rezensionsexemplar].
(c) Bildrechte: blanvalet
"Nocturna. Das Spiel des Fuchses"
von Maya Motayne
Originaltitel: Nocturna
Verlag: blanvalet, 2020
Band 1 von 3 | 506 Seiten
[TB] ISBN: 978-3734161889

~Kappentext~
Es ist Jahre her, dass Finn zuletzt ihr eigenes Gesicht erblickt hat. Denn die Gesichtsdiebin verfügt über Magie, die es ihr erlaubt, ihre Erscheinung beliebig zu verändern. Doch nicht nur sie weiß, wie nützlich dieses Talent ist: Ein finsterer Unterweltboss hat Finn in seiner Gewalt. Sollte die Gesichtsdiebin daran scheitern, einen Auftrag für ihn auszuführen, wird sie ihrer Kräfte für immer beraubt werden. Der gutmütige Prinz Alfehr, Thronfolger wider Willen, wendet ebenfalls zwielichtige Magie an: Er will seinen verschwundenen älteren Bruder, den Kronprinzen, finden, obwohl alle glauben, er sei tot. Als sich Finn und Alfehr gegenüberstehen, ist es, als würden Kräfte so unterschiedlich wie Tag und Nacht aufeinanderprallen. Und diese Wucht setzt eine ungeahnt böse Magie frei...
~Meine Meinung~
Auf das Buch aufmerksam wurde ich durch den Titel und den Klappentext, die ein ausgeklügeltes Spiel, mit Verrat oder Hinterlist vermuten ließen. Allerdings muss ich im Nachhinein sagen, dass beides irreführend ist. Denn das genannte "Spiel des Fuchses" kommt in der Form, die ich vermutet habe, überhaupt nicht vor und das Spiel, das vorkommt, ist ein winziger Teil des ganzen Romans und spielt keine übermäßig große Rolle. Es kommt mir vor als würden in letzter Zeit häufiger Klappentexte ausgewählt werden, die den Inhalt falsch oder mit dem falschen Fokus wiedergeben. Oder kommt das nur mir so vor? Finde ich jedenfalls schade, wenn falsche Erwartungen geweckt werden.

"Nocturna" spielt in einer fiktiven Welt, die jedoch scheinbar an Südamerika und England angelehnt ist. Prinz Alfehr - Alfie genannt - und Finn, die Diebin, leben in dem Land Castellan. Ich fand es schön, dass mal Latinx als Hauptcharaktere vorkommen und der Fokus auf einer lateinamerikanisch angehauchten Welt liegt. Das liest man definitiv selten. Aber die Umsetzung hat leider viel Potenzial verschenkt. Die Welt wirkt austauschbar. Die einzigen Hinweise auf die lateinamerikanische Inspiration sind die spanischen Wörter (btw wird die Magie durch spanische Befehlsformen ausgeführt, finde ich etwas irritierend, wo deren ganze Welt doch Spanisch sein soll) und die Gerichte/Getränke. Alles andere hätte genau so auch in jeder anderen beliebigen Welt angesiedelt sein können. Auch blieb das Worldbuilding oberflächlich. Castellan wurde in der Vergangenheit von Englass unterdrückt und seiner Kultur und Magie beraubt. Doch zum Zeitpunkt, in dem das Buch spielt, ist alles schon ein paar Generationen her und daher nicht wirklich relevant. Daraus hätte man so viel mehr machen können!
Auch das Magie-System fand ich leider zu willkürlich und schlecht erklärt. Es gibt "Schreibtischmagie", die jeder lernen kann, Elementarmagie, die nur manche beherrschen und dann auch nur in einem Element, und es gibt Propio, eine Art "Spezialmagie", die nur wenige Menschen besitzen und die immer individuell ist. Doch wieso das so ist oder wieso es "Schreibtischmagie" für quasi jede Anwendungsmöglichkeit gibt und sich das teilweise mit den anderen Magien zu überschneiden scheint, bleibt unklar. Mir kam jedenfalls jede Person der Handlung viel zu mächtig.

Über die oberflächlich ausgearbeiteten Hintergründe des Settings hätte ich jedoch noch hinwegsehen können, wenn denn die Handlung überzeugt hätte. Aber auch hier war kein richtiger roter Faden erkennbar. Die Handlung sprang hin und her und manche Andeutungen und Handlungsfäden wurden dann irrelevant. Dadurch kam keine richtige Spannung auf. Es war zwar insgesamt unterhaltsam, denn Alfehr, Finn und Luka (Alfehrs Cousin) sind witzige Charaktere, denen man grundsätzlich gerne folgt und die mir alle drei sympathisch waren, aber darüber hinaus wollte bei mir der Funken nicht überspringen. Ich empfand die Handlung leider als zu zäh und unstrukturiert. Und obwohl Alfehr und Co. so planlos und teilweise naiv vorgehen, gelingt ihnen einfach alles durch pures Glück am Ende doch. Daran konnte auch die einzelnen actionlastigen Kämpfe nichts mehr verbessern, die immerhin kurzweilig zu lesen waren und mit ein paar interessanten Ideen aufwarten konnten.

Insgesamt hatte ich höhere Erwartungen an den Roman, die nicht erfüllt wurden. Dabei ist "Nocturna" keinesfalls eine schlechte Geschichte. Maya Motayne schreibt für einen Debütroman sehr flüssig und kurzweilig, das Setting und die Handlung hatten viel Potenzial, aber es wird einfach nicht ausgeschöpft, kratzt zu sehr an der Oberfläche der Möglichkeiten. Daher alles in allem nur ein durchschnittlicher Fantasy-Roman, den ich für Zwischendurch aber durchaus empfehlen kann. Auch wirkt das Ende sehr abgeschlossen, sodass man nicht unbedingt auch den zweiten Band lesen muss.
Vielen Dank an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars über das Bloggerportal. Meine Meinung wurde dadurch nicht beeinflusst!

Mittwoch, 4. November 2020

[Reihen-Rez] "Die Farben des Blutes" von Victoria Aveyard

 
(c) Bildrechte: Carlsen

~Klappentext Band 1~
Rot oder Silber – Mares Welt wird von der Farbe des Blutes bestimmt. Sie selbst gehört zu den niederen Roten, deren Aufgabe es ist, der Silber-Elite zu dienen. Denn die – und nur die – besitzt übernatürliche Kräfte. Doch als Mare bei ihrer Arbeit in der Sommerresidenz des Königs in Gefahr gerät, geschieht das Unfassbare: Sie, eine Rote, rettet sich mit Hilfe besonderer Fähigkeiten! Um Aufruhr zu vermeiden, wird sie als verschollen geglaubte Silber-Adlige ausgegeben und mit dem jüngsten Prinzen verlobt. Dabei ist es dessen Bruder, der Thronfolger, der Mares Gefühle durcheinander bringt. Doch von jetzt an gelten die Regeln des Hofes, Mare darf sich keine Fehler erlauben. Trotzdem nutzt sie ihre Position, um die aufkeimende Rote Rebellion zu unterstützen. Sie riskiert dabei ihr Leben – und ihr Herz…

Band 1 - "Die Rote Königin"
Original: Red Queen | 2015 | 512 Seiten | [HC] ISBN: 978-3551583260
Der erste Band beginnt mit Mares Leben in Stilts, wo sie sich als Diebin durchschlägt, während ihre Schwester Gisa das Geld für die Familie durch ihre Stickerein einbringt. Mares drei Brüder wurden in den Krieg einbezogen und auch Mare droht dieses Schicksal bald, da sie ohne Arbeit mit 18 zur Soldatin ausgebildet werden wird. Ihrem besten Freund Kilorn droht dieses Schicksal schon früher als ihr, was Mare nicht hinnehmen will. Sie sucht nach einem Weg, Kilorn (und sich selbst) vor dem Kriegsdienst zu bewahren - und gerät darüber an die Untergrund-Rebellen-Bewegung "Scharlachrote Garde", die Mare in den Palast der Silbernen als Dienerin einschleusen. Doch bei der "Brautschau" für die Prinzen, die als Kampfwettbewerb abgehalten wird, gerät Mare zufällig in Lebensgefahr - und offenbart Kräfte, die sie als Rote nicht haben dürfte...

Im ersten Band wird der Leser vor allem in die Welt aus Roten - den Sklaven - und den Silbernen - die Herrscher - eingeführt. Die daraus resultierenden Ungerechtigkeiten werden aufgeführt und man steht fast von Beginn an auf Mares Seite und möchte, dass sie eine Veränderung in der Gesellschaft erreicht!
Da sie sich am Königshof in einer völlig unerwarteten und neuen Rolle einfinden muss, dreht sich natürlich auch ein Großteil des Buches darum, wie sie sich dort zurechtfindet und sich als etwas ausgeben muss, das sie nicht ist. Das bleibt durch zahlreiche Intrigen und Geheimnisse sowie der ständigen Gefahr, in der Mare sich befindet, aber durchgehend interessant und liest sich sehr kurzweilig und flüssig. Zwischendurch ereignen sich auch immer wieder actionlastigere Geschehnisse, die Mare an ihre Grenzen bringen...
Aber natürlich kommt sie gleich beiden Prinzen näher... Was für mich eigentlich der einzige Kritikpunkt ist: Die kurzzeitige Dreiecks-Lovestory war absolut unnötig und löst sich am Ende auch unerwartet auf (was ich wiederum gut fand, da es nicht so eine Standard-Lovestory blieb).
Die Charaktere sind meiner Meinung nach gut ausgearbeitet. Es gibt kein schwarz-weiß-Denken, sondern jeder besteht aus charakterlichen Graustufen und verfolgt eigene Ziele, die nicht immer auf Anhieb deutlich werden. So hat auch jeder seine sympathischen und seine unsympathischen Seiten, wobei mir Mare mit ihrer direkten, intelligenten, aber auch hitzköpfien Art besonders gefiel. Aber auch einige Nebencharaktere schließt man schnell ins Herz, z.B. Mares Schwester Gisa, die immer ein bisschen zickig wirkt, oder Julian, Mares neuer Lehrer mit seiner ruhigen Art.
Insgesamt konnte mich der erste Band mit einigen unerwarteten Wendungen, bei denen es besonders eine am Ende in sich hatte, positiv überraschen und fesseln!

- 4,5/5 Flämmchen -

Band 2 - "Gläsernes Schwert"
Original: Glass Sword | 2016 | 576 Seiten | [HC] ISBN: 978-3551583277
Der zweite Band setzt direkt am ereignisreichen Ende von Band 1 an - und wird ebenfalls direkt nicht ganz logisch. Mare und Co fliehen nach Naercey, wo sie fast sofort von den königlichen Truppen überrascht werden. Doch wie kamen die so schnell dorthin? Das wird ewig ein Rätsel bleiben.
Zudem macht Mare eine relativ plötzliche charakterliche Wandlung durch, die mir nicht gefiel. Sie wird zornig und brutal, hält sich selbst für die besonderste von allen und spielt sich als Anführerin auf, während sie zeitgleich ständig in Selbstmitleid versinkt, weil sie ja so einsam ist und so viel Verantwortung trägt und überhaupt ja so unfassbar arm dran ist, aber sie MUSS ja leider alleine die Welt retten usw usf... Im Vergleich zu Band 1 macht sie eine so krass negative Entwicklung durch, das geht echt gar nicht klar.
Die Handlung ist zudem sehr langatmig und eigentlich passiert auch kaum etwas. Mare und ihre wenigen Begleiter wollen die anderen "Neublüter" finden - und das ist der Inhalt.
Erst am Ende wird es kurz wieder abwechslungsreicher, aber das eigentliche Ende ließ mich "Dank" Mares wunderbarem Verhalten einfach kalt, obwohl die Autorin wohl wollte, das man Mitleid mit ihr hat. Tja. Der Band war enttäuschend.

- 2/5 Flämmchen -

Band 3 - "Goldener Käfig"
Original: King's Cage | 2017 | 640 Seiten | [HC] ISBN: 978-3551583284
Im dritten Band bessert sich die Handlung wieder etwas, was v.a. daran liegt, dass nicht mehr allein aus Mares Sicht erzählt wird. Es kommen insgesamt zwei weitere Sichtweisen hinzu, die ich aus Spoilergründen natürlich nicht nenne. Dadurch wechselt sich die Handlung mehr ab, was auch gut ist, denn Mare sitzt bei Maven fest und hat daher nicht viel zu tun. Spannend sind hier allerdings die kleinen Psychospielchen, die Maven treibt und überhaupt seine gestörte Psyche. Er ist schwer einzuschätzen, was es interessanter machte. Mare hingegen bleibt recht anstrengend und findet sich ein Stück weit mit ihrem Schicksal ab. Sie kam mir stellenweise etwas zu jämmerlich vor.
Die Story ist zwar weiterhin etwas zäh, geht aber immerhin voran. Es werden Intrigen gesponnen und Pläne geschmiedet, wie die Roten und die Neublüter vielleicht doch noch Freiheit und Gerechtigkeit erlangen können. Dabei bekommen auch die Nachbarländer zunehmend Bedeutung.
Ab ca. 2/3 des Buches wurde es dann nochmal spannender und sogar Mare wurde mir wieder etwas sympathischer. Richtig toll fand ich dann auch Evangelina, die man bisher einfach komplett falsch eingeschätzt hat. Ich hoffe, sie bekommt im letzten Band noch mehr Bedeutung!
Das Ende war dann auch so gestaltet, dass ich richtig neugierig bin, wie die Reihe ausgeht und vor allem, was aus dem Dreieck Mare - Cal - Maven am Ende wird.

- 3/5 Flämmchen - 

Band 4 - "Wütender Sturm"
Original: War Storm | 2018 | 784 Seiten | [HC] ISBN: 978-3551583819
Im Abschlussband gibt es ebenfalls mehrere Erzählsichtweisen, wodurch mehr Abwechslung in die Handlung kommt. Auch hier gefiel mir vor allem Evangelina immer besser, sie ist als Charakter in der Reihe mit am interessantesten!
Ansonsten war der Band insgesamt zwar spannend, da weiterhin viele Intrigen gesponnen werden, aber gleichzeitig auch sehr langatmig. Man wusste einfach nie, worauf es am Ende hinausläuft, was einerseits natürlich die Spannung hoch hält, gleichzeitig aber für einen Abschlussband auch zu wenig die Richtung vorgab. Leider war ich dann vom eigentlichen Ende auch etwas enttäuscht, da doch plötzlich alles sehr schnell vorbei war. Und es blieben für meinen Geschmack auch zu viele Fragen offen.

- 3/5 Flämmchen - 

Freitag, 9. Oktober 2020

[Rez] "Die Seelenspringerin. Abgründe" von Sandra Florean

(c) Bildrechte: Sandra Florean
"Die Seelenspringerin. Abgründe"
von Sandra Florean
Selfpublishing, 2018 (Neuauflage)  
Band 1 von 7 | 236 Seiten
[TB] ISBN: 978-3981962239

~Klappentext~
Tess verfügt über die unkontrollierbare Gabe, in das Bewusstsein übernatürlicher Wesen zu springen. Ein Albtraum für die junge Frau, da sie dabei Zeuge von Gewaltverbrechen wird, die sie jedoch nie verhindern kann. Mit einem Mal häufen sich die Sprünge und Tess ahnt, dass das kein Zufall sein kann. Sie vertraut sich dem Polizisten Jim an und hilft ihm schließlich bei der Aufklärung der Morde. Dadurch begibt sie sich so tief in die Welt der Übernatürlichen, dass sogar der Vampirgebieter Octavian auf sie und ihre Kräfte aufmerksam wird…
~Meine Meinung~
Ich habe das Buch im Rahmen einer Leserunde auf Instagram gemeinsam mit der Autorin gelesen, sodass ich einige Hintergrundinformationen erhalten habe, die das Lesen nochmal interessanter machten.

"Die Seelenspringerin" handelt von Tess, die seit ihrer Jugend ohne Vorwarnung in die Körper von "Andersartigen" (Vampire, Wertiere usw.) springen kann. Sie hasst diese Ereignisse, da sie meistens zu gewalttätigen oder gruseligen Szenen springt, die sie lange gedanklich und emotional verfolgen. Diesen Aspekt fand ich sehr gelungen umgesetzt und die Fähigkeit sehr spannend, besonders, da man nie weiß, was Tess als nächstes schlimmes erleben muss. Man leidet daher mit Tess mit, kann die emotionale Belastung nachvollziehen. Ebenso wie der Wunsch, eine Heilung oder Lösung für ihr Problem zu finden. Doch die Fähigkeit scheint einzigartig zu sein... Ich bin auf jeden Fall gespannt, ob Tess in den nächsten Bänden herausfinden kann, wieso sie so anders ist.

Ansonsten bin ich Tess gegenüber aber noch zwiegespalten. Auf der einen Seite kann ich verstehen, warum sie so verzweifelt ist, warum sie andere abweist und warum sie so unsicher ist. Aber auf der anderen Seite versinkt sie manchmal auch zu sehr in Selbstmitleid. Sie empfindet sich als unattraktiv und eher Typ Mauerblümchen, aber in den ersten Kapiteln machen ihr gleich mehrere Männer eindeutige Angebote. Zudem sieht sie sich selbst und die Andersartigen als Monster an, was ich vom Begriff her nicht okay fand. Immerhin fühlt Tess sich zu Vampiren hingezogen und geht mit ihnen ins Bett - redet aber zeitgleich ständig davon, was für kranke Monster das sind. Wenn sie sich selbst nicht akzeptieren kann ist das eine Sache, aber pauschal alle Andersartigen zu verurteilen fällt meiner Meinung nach klar unter Rassismus.

Dass passt zwar auch grundsätzlich zu dem Worldbuilding, in dem die Andersartigen erst vor Kurzem in die Öffentlichkeit getreten sind und Rechte bekommen haben, aber die Integration in die Gesellschaft ist noch nicht weit fortgeschritten. Sie werden von den Menschen noch sehr skeptisch beobachtet und Gewaltverbrechen sind an der Tagesordnung. Dass Rassismus da als Problem dazu gehört, kann ich nachvollziehen und zieht auch die Verbindung zu unserer realen Gesellschaft, was auch Sandra Floreans Intention war. Aber dass ausgerechnet die Protagonistin kein Deut besser ist? Finde ich ehrlich gesagt extrem schade. Vor allem weil dadurch das Gesellschaftskritische bei mir nicht konkret genug ankam. Ich hoffe sehr, dass Tess in der Hinsicht noch selbstreflektierter wird.

Von Tess' Einstellung abgesehen mag ich das Worldbuilding aber ganz gerne. Es gibt verschiedenste Andersartige, wobei in diesem Band der Fokus auf Vampiren und Werlöwen liegt. Es ist eine brutale, blutige Welt und es wäre schön, wenn es zu Beginn eine Triggerwarnung gäbe. In der Gesellschaft haben sich je nach Gruppe der Andersartige Subkulturen ausgebildet, die sich teilweise über das Gesetz hinwegsetzen, während andere Andersartige sich Mühe geben, mit Menschen gleichgestellt zu leben. Die darauf entstehenden Konflikte sind naheliegend und sorgen für eine düstere Grundspannung.

Die Handlung dreht sich vor allem um Tess und ihren mentalen Kampf mit ihrer Fähigkeit und den Problemen, die dadurch mit ihren Mit-"Menschen" entstehen. Besonders Tess' Liebesleben verbunden mit ihrem Vertrauensproblem wird thematisiert. Am Rande geht es um einen Kriminalfall, bei dessen Auflösung Tess hilft. Ich hätte es schöner gefunden, wenn der Fokus mehr auf der Polizeiarbeit und Tess' Hilfe bei den Ermittlungen gelegen hätte, aber vielleicht kommt auch das noch in den Folgebänden.

Alles in allem ein solider Auftakt, der mich mit dem Worldbuilding überzeugen konnte, mit dessen Protagonistin ich aber noch nicht wirklich warm geworden bin. Von der Handlung her hatte ich beim Klappentext einen anderen Fokus erwartet.

"Die Seelenspringerin"
    Band 1 - Abgründe
    Band 2 - Machtspiele
    Band 3 - Maskerade
    Band 4 - Familienbande
    Band 5 - Götterhauch
    Band 6 - Dämonenbrut
    Band 7 - Lichterben

Freitag, 18. September 2020

[Rez] "Instagirl" von Annette Mierswa

(c) Bildrechte: loewe
"Instagirl"
von Annette Mierswa
Verlag: loewe, 2018
Einzelband | 224 Seiten
[TB] ISBN: 978-3-7432-0121-7
 
~Klappentext~
Kaum postet Isi auf Instagram das erste Selfie, flattern die Herzen nur so herein.
Ohne Photoshop und Filter ist Isis Alltag bald viel zu langweilig und sie beginnt, immer mehr Zeit in ihren Kanal zu stecken – und in ihr Äußeres. Plötzlich interessiert sich sogar Kim, das It-Girl der Klasse, für Isi und lädt sie zu den viel cooleren Partys ein! Jetzt müssen natürlich richtig außergewöhnliche Selfies her – selbst, wenn sich Kim und Isi dadurch in Lebensgefahr bringen ...
~Meine Meinung~
Isis Eltern trennen sich plötzlich, quasi von einem Tag auf den anderen. Als wäre das nicht schlimm genug, zieht ihr Vater nach Tokio um und ihre Mutter schleppt direkt einen neuen an. Der dann auch noch Isis Kaninchen weglaufen lässt. Isi ist mit den Nerven am Ende, fühlt sich von allen allein gelassen und kann auch nicht mehr daran glauben, dass ihre Freunde wirklich für immer zu ihr halten werden.
Auf der Suche nach mehr Halt im Leben, lässt sie sich auf Kims Social-Media-Beratung ein, die beinhaltet, dass Isi ein optisch ganz neuer Mensch wird, einen neuen Instagram-Account eröffnet, auf dem sie zukünftig "Livestyle-Influencerin" sein soll und nur noch mit Kim und deren deutlich älteren Freunden abhängt.

Das Buch beschreibt zum einen sehr anschaulich, was passiert, wenn man an "die falschen" Leute gerät und zum anderen, was der Social-Media-Wahn mit (jungen) Menschen anstellen kann. Isi lässt sich von Kims Erfolgen bei Instagram einlullen, möchte ebenso anerkannt und beliebt sein. Dass sie dafür ihr Aussehen verändern und ihre Fotos stark bearbeiten muss, stört sie nur am Rande. Sie denkt, zu sein wie Kim, würde ihrem Leben mehr Bedeutung und Sicherheit geben. Doch auch Kims kühle, erwachsene Fassade ist nur Show...

Mir hat gefallen, wie Isi immer stärker in den Sog der vermeintlich "Beliebten/Erfolgreichen" gerät. Wie sie ihre eigenen Vorstellungen ihres bisherigen Lebens und alles, was ihr bisher wichtig war, nach und nach ablegt und sich nur noch auf Kim fixiert. Isi tauscht ihre langjährigen Freunde gegen Kims lockere Bekanntschaften aus, mit denen sie wilde Partys feiert und mehr als einmal in brenzlige Situationen gerät. Bis es eskaliert.
"Instagirl" ist entsprechend ein kurzer Roman über eine toxische Freundschaft, die Isi komplett verändert. Eine Triggerwarnung hätte ich gut gefunden, denn der Roman entwickelt sich doch ernster als ich im Vorfeld angesichts der Zielgruppe ab 12 Jahren angenommen hatte.
Magersucht und versuchte Vergewaltigung

Was mir allerdings nicht gefiel, waren Isis Gedanken. Es blieb für mich bis zum Ende nicht greifbar, warum sie sich auf Kim so sehr einlässt. Ja, ihr Leben läuft gerade unerfreulich und neben der Trennung ihrer Eltern gibt es noch die klassischen Klischee-Missverständnisse, aber besonders ihre beste Freundin hält die ganze Zeit weiter zu ihr. Immer wieder denkt Isi, dass sie zu weit geht, dass Kim nicht der richtige Umgang ist - und tut es dann doch mit einem "egal, jetzt bin schon dabei" ab.
Als Leser*in merkt man auch schnell, dass mit Kim etwas nicht stimmt, aber die Auflösung dazu am Ende ist unbefriedigend. Ich hätte mir eine psychologische Erklärung gewünscht, auch in Hinblick darauf, dass niemand ihr hilft bzw. es nicht erkannt wird, dass sie Hilfe braucht. So bleibt man am Ende etwas ratlos zurück und weiß nicht, wie man selbst in so einer Situation richtig handeln könnte.

Mittwoch, 16. September 2020

[Rez] "Die Chroniken von Alice. Die schwarze Königin" von Christina Henry

Den folgenden Beitrag kennzeichne ich gemäß § 2 Nr. 5 TMG als Werbung [da Rezensionsexemplar].  
(c) Bildrechte: penhaligon

 
 "Die Chroniken von Alice. Die schwarze Königin"
von Christina Henry
Originaltitel: Red Queen (Chronicles of Alice)
Verlag: penhaligon, 2020
Band 2 von 3 | 336 Seiten
[HC] ISBN: 978-3-7645-3235-2
 
~Klappentext~
Alice hat den Kampf gegen den Wahnsinn gewonnen – vorerst. Sie hat die Schandtaten des Kaninchens sowie den Blutdurst des Jabberwocks überlebt und will nun ein Versprechen einlösen: Jenny, die Tochter ihres Freundes Hatcher, zu finden. Doch Alice und Hatcher erwartet der nächste Albtraum. Sie müssen in das Reich der verrückten Weißen Königin vordringen, wo das wahre Spiel um das finstere Wunderland bereits begonnen hat. Jeder Zug führt Alice näher an ihre Bestimmung. Aber damit sie als Siegerin hervorgeht, muss sie nicht nur ihre neuen Kräfte zu beherrschen lernen, sondern herausfinden, was mit der rätselhaften Schwarzen Königin geschehen ist ...  
~Meine Meinung~
Nach dem recht brutalen und blutigen Band 1 hatte ich an Band 2 ähnliche Erwartungen. Die Reise führt Alice und Hatcher aus der Stadt hinaus auf die Ebene davor. Dort müssen sie direkt feststellen, dass nicht alles so ist wie erwartet... und schon bald müssen sie sich erneut fremder Magie entgegenstellen.

Der Band verläuft insgesamt ruhiger und weniger brutal als Band 1, was mich tatsächlich etwas enttäuscht hat. Der Fokus wird viel mehr auf Alice gelegt, sodass man mehr über sie und ihre Gedanken erfährt. Das tut der Charaktertiefe gut, bewirkt aber auch, dass man neben Alice' Gedanken nur wenig anderes erfährt. Hatcher z.B., von dem Alice in diesem Band die meiste Zeit getrennt ist, bekommt dadurch leider zu wenig Aufmerksamkeit wie ich finde. Dabei gefiel mir in Band 1 besonders die Interaktion und die spezielle Beziehung der beiden sehr. Hinzu kommt, dass sich Alice' Gedanken oft wiederholen.

Ein positiver Aspekt ist aber die gradlinigere Handlung. Band 1 empfand ich doch stellenweise als etwas wirr, als Alice und Hatcher von einem mächtigen Zauberer zum nächsten hetzen mussten. Band 2 hingegen folgt eher dem klassischen Muster von ersten merkwürdigen Ereignissen hin zum "Endboss". Dabei trifft der Leser wieder auf allerhand skurrile und zum Teil gruselige und bösartige Gestalten, die Alice das Leben schwer machen wollen. Angst ist daher auch wieder ein zentraler Aspekt der Handlung, aber auch, wie man seine Ängste überwinden bzw. den Umgang damit üben kann. Das gefiel mir wieder sehr! 

Leider verlief die Handlung zum Ende hin aber auch nicht ganz nachvollziehbar und es passierten Dinge, die mir zu plötzlich/unerwartet waren und dadurch zu gezwungen wirkten. Dadurch - und durch fehlende Erklärungen - fehlte mir am Ende das gewisse Etwas. Es wirkte unvollständig und abrupt. Wozu einen ganzen Band über auf etwas hinarbeiten, dass das komplett lasch abgehandelt wird? Leider müsste ich spoilern, um das näher zu beschreiben.

Insgesamt wieder eine düstere, verrückte und surreale Adaption von Alice im Wunderland, die mit dem Originalmärchen jedoch nur noch wenig gemeinsam hat. Dennoch eine kurzweilige und spannende Reise.
Vielen Dank an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars über das Bloggerportal. Meine Meinung wurde dadurch nicht beeinflusst!
 
Die Dunklen Chroniken
    Band 1 - Die Chroniken von Alice. Finsternis im Wunderland [meine Rezension]
    Band 2 - Die Chroniken von Alice. Die Schwarze Königin
    Band 3 - Die Chroniken von Alice. Dunkelheit im Spiegelland [meine Rezension]

Mittwoch, 9. September 2020

[Rez] "Brennende Spiegel" von Brent Weeks

Den folgenden Beitrag kennzeichne ich gemäß § 2 Nr. 5 TMG als Werbung [da Rezensionsexemplar].  
(c) Bildrechte: blanvalet
"Brennende Spiegel"
von Brent Weeks
Originaltitel: The Burning White Part 1
Verlag: blanvalet, 2020
Band 6 (eng. 5.1) von 7 (eng. 5.2) | 816 Seiten
[TB] ISBN: 978-3734162077
 
~Klappentext~
Zahlreiche Schlachten wurden geschlagen, unzählige Intrigen gesponnen. Doch die entscheidene Frage wurde noch nicht geklärt: Ist Kip Guile wirklich der prophezeite Lichtbringer, wie seine Freunde hoffen? Kip selbst ist sich nicht sicher, ob er ein Messias sein möchte. Denn der skrupellose Orden des gebrochenen Auges hat bereits Pläne für den wiedergeborenen Lichtbringer, und sollte Kip nicht seinen Befehlen gehorchen, muss er die Konsequenzen tragen. Denn ob Kip lebt oder stirbt, liegt im Ermessen des Ordens – und der Mann, der Kip ermorden soll, ist einer seiner engsten Vertrauten …
~Meine Meinung~
Es handelt sich bei "Brennende Spiegel" um den 1. Teil des englischen 5. und finalen Bandes der Reihe. Es wurde im Deutschen somit ein zweiter Originalband geteilt, wovon ich schon mal grundsätzlich wenig halte, da die Handlung dadurch oft zu abrupt endet und der Spannungsbogen unterbrochen wird.
 
Die Handlung setzt nahtlos am Ende von Band 5 an und führt damit leider auch die langatmigen Handlungsstränge ebenso langatmig fort. Besonders den Part von Kip finde ich zunehmend  ermüdend. Dafür, dass er als potenzieller Lichtbringer gehandelt wird, unternimmt er erstaunlich wenig. Schon in Band 5 verbrachte er die meiste Zeit im Blutwald, wo er sich mit Abwarten und Rätselraten beschäftigte, um Grünhafen vor dem Weißen König zu retten. Und damit geht es hier auch erstmal weiter. Die Dialoge bestehen dabei zu 50% aus pubertären Witzen - was einerseits nachvollziehbar ist, denn die Gruppe um Kip besteht nun einmal aus Jugendlichen, aber andererseits auch wirklich anstrengend, weil sich dieses Muster zu oft wiederholt und zu ausschweifend wird. Kip ist schon seit Beginn der Reihe im Mittelpunkt und hat stets Fortschritte gemacht. Jetzt scheint er aber seit Band 5 still zu stehen. Erst zum Ende des Bandes hin kommt in seinen Handlungsstrang wieder Bewegung und ich hoffe, dass der ganze Wirbel um den Lichtbringer im Abschlussband noch einen würdigen Auftritt bekommt.

Die Erzählperspektiven von Teia und Karris gefielen mir bisher immer mit am besten. Doch auch diese geraten hier leider etwas ins Stocken. Während Karris nur zögerlich neue Erkenntnisse als Weiße gewinnt, dreht sich bei Teia alles um den moralischen Aspekt ihrer Tätigkeit als Spionin und Mörderin. Das fand ich zwar wichtig unterzubringen, aber es wird zu viel Fokus auf die "kleinen Fische" gesetzt, die Teia töten muss, um neue Erkenntnisse zu erhalten. Das hätte man definitiv abkürzen können und Teia stattdessen früher näher an ihr Ziel bringen können.

Am spannendsten fand ich erneut Gavins Sicht, die aber leider in diesem Band nur selten vorkommt. Dabei ist die Reise, die er hier hinter sich bringen muss, wirklich interessant. Bei ihm bin ich am gespanntesten auf den letzten Band. Habe aber leider auch ein wenig die Befürchtung, dass es zu sehr ins Religiöse abdriftet und Orholam als Gott tatsächlichen noch auftreten wird... Schon die Hintergründe mit den "200" und den Parallelwelten fand ich... merkwürdig, käme damit aber noch klar, wenn diese einfach mächtige Fantasywesen bleiben würden.

Insgesamt halten sich die Erkenntnisse in diesem Band sehr zurück. Es kommt wenig neues hinzu. Vor allem die Pläne von Charakteren wie dem Weißen König, Zymun, Andross oder Liv geraten stark in den Hintergrund. In den früheren Bänden empfand ich deren Vorkommen als präsenter und dadurch die gesamte Handlung als ausgeglichener. Es scheint viel mehr, als wollte Brent Weeks in Vorbereitung auf das große Finale nochmal alle Hauptcharaktere tiefergehend beschreiben und ihre moralischen Sichtweisen auf die Probe stellen. Dadurch gibt es in diesem Band einige philosophische Dialoge und Überlegungen der Protagonist*innen. Was ich wie gesagt grundsätzlich toll finde - aber die Verknüpfung mit dem Fortschreiten der Handlung gelingt nicht wirklich. Dadurch wirkt der erste Teil des finalen Bandes wie ein typischer Mittelband einer Trilogie - was bei insgesamt 5 Bänden einfach zu spät kommt.

Dennoch ist und bleibt diese Reihe eine der besten High-Fantasy-Werke, die ich je gelesen habe, sodass das alles wirklich meckern auf hohem Niveau ist. Aber ich vermisse einfach den Mix aus Magie (denn das Magie-System ist in dieser Reihe einfach einzigartig und komplex), überraschenden Wendungen und intelligenten Dialogen, wie sie in den ersten vier Bänden noch so präsent waren. Nun hoffe ich auf einen grandiosen Abschluss der Reihe, der mich über die langatmigen Bände 5 und 6 hinweg trösten kann.
Vielen Dank an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars über das Bloggerportal. Meine Meinung wurde dadurch nicht beeinflusst!
Die Licht-Reihe:
    Band 1 - Schwarzes Prisma
    Band 2 - Die blendende Klinge [meine Rezension]
    Band 3.1 - Sphären der Macht [meine Rezension]
    Band 3.2 - Schattenblender [meine Rezension]
    Band 4 - Düsterer Ruhm [meine Rezension]
    Band 5.1 - Brennende Spiegel
    Band 5.2 - Lichtbringer [meine Rezension]

Montag, 10. August 2020

[Rez] "Düsterer Ruhm" von Brent Weeks

 (c) Bildrechte: blanvalet

"Düsterer Ruhm"
von Brent Weeks
Originaltitel: The Blood Mirror
Verlag: blanvalet, 2017
Band 5 (eng. 4) von 7 (eng. 5) | 850 Seiten
[TB] ISBN: 978-3734161018

~Klappentext~
Gavin Guile, der ehemalige Lord Prisma, sitzt in einem Kerker, in dem Albträume wahr werden – und den er selbst geschaffen hat. Sein Sohn Kip, der alles tun würde, um seinen Vater zu befreien, weiß nicht einmal, dass Gavin noch lebt. Stattdessen bricht Kip mit seinen Gefährten auf, um dem schrecklichen Farbprinzen gegenüberzutreten. In diesem Kampf wird sich herausstellen, ob Kip wirklich der prophezeite Lichtbringer ist. Doch ist der Farbprinz der wahre Feind? Denn der Orden des gebrochenen Auges bringt sich bereits in Stellung, um die Macht im Reich an sich zu reißen.
~Meine Meinung~
"Düsterer Ruhm" ist der deutsche 5. Band bzw. der englische 4. Band. Da ich ursprünglich angenommen habe, dies wäre nur die 1. Hälfte des englischen 4. Bandes (da Band 3 auch geteilt wurde), habe ich diesen Band erst jetzt gelesen. Entsprechend ist einiges an Zeit zwischen dem letzten Band und diesem vergangen und ich brauchte ein bisschen, um in die Handlung wieder reinzufinden. Zum Glück gab es zu Beginn eine Zusammenfassung der bisherigen Bände, das hat sehr geholfen!

Die Handlung wird abwechselnd aus den Sichtweisen von Kip, Gavin, Teia und Karris erzählt. Gelegentlich gibt es noch weitere "Zwischen-Stimmen", die aber vom Umfang her nachrangig sind, z.B. Liv und der Kanonier.

Inhaltlich verläuft es relativ ruhig, da es vor allem um die Positionierung der einzelnen Figuren geht, um die Suche nach Verbündeten im Krieg gegen den Weißen König. Jede*r der Charaktere geht dabei einen eigenen, steinigen Weg.

Kip und "die Mächtigen" bringen sich beispielsweise im Blutwald gegen den Weißen König in Stellung, finden dort unter den Einheimischen Verbündete und tragen kleine Schlachten aus, um die Armee des Feindes quasi Häppchen für Häppchen zu schwächen. Relevant ist dabei vor allem die Stellung von Kip, den immer noch viele als Lichtbringer sehen und entsprechend hohe Erwartungen an ihn stellen. Kip geht damit recht souverän um, was ich stellenweise unerwartet fand, ist er doch auch immer wieder unsicher und rutscht gelegentlich in das alte Selbstmitleid zurück. Überhaupt war es überraschend, dass er mit seinem pubertären Haufen Verbündeter so ernst genommen wird... Konnte ich leider nicht immer nachvollziehen.
Großes Thema ist hier auch Kips frische Ehe mit Tisis und ihre Stellung als einzige Frau in der Gruppe um Kip. Derbe, pubertäre Witze sind an der Tagesordnung, was ich authentisch, aber auch anstrengend fand. Positiv ist allerdings, dass Tisis sich das nicht bieten lässt und mit ebenso scharfen Sprüchen zurückschießt und sich dadurch ihre Stellung an Kips Seite mehr als verdient. Gerade zu Beginn, aber auch zwischendurch, ist das Sexleben der beiden von Bedeutung. Hier war ich sehr positiv überrascht, dass Brent Weeks die "Erkrankung" Vaginismus eingebaut hat und das auf eine - wie ich finde - für einen Mann sehr einfühlsame Art. Er macht damit auf ein kaum bekanntes Problem aufmerksam und schreibt auch extra ein Nachwort dazu. Sehr lobenswert!

Deutlich interessanter fand ich aber die Entwicklung von Karris als neue Weiße, die ebenfalls mit Vorurteilen zu kämpfen hat und mehrfach unterschätzt wird. Selbes geschieht auch Teia, die weiterhin ein risikoreiches Spiel als Doppelspionin spielt. Beide Charaktere finde ich schon von Beginn der Reihe an sehr interessant und ihre Entwicklung ist nachvollziehbar und zeigt auf, dass sich auch Frauen in dieser Welt behaupten können und es zu nutzen wissen, dass man sie leicht unterschätzt. Bei Teia musste ich auch zwangsläufig immer mit bangen, wenn sie auf Mörder Spitz traf - selten einen so gruseligen und unberechenbaren Charakter getroffen!
Den Part mit Gavin lese ich weiterhin aber am liebsten. Er ist einfach eine unfassbar spezielle Persönlichkeit und auch in diesem Band gab es wieder Erkenntnisse über ihn, die ich nicht erwartet hatte. Nicht wirklich klar wurde allerdings, warum sein Vater ihn so lange am Leben lässt. Andererseits ist Andross ebenfalls eine extrem spezielle Person, die kaum zu durchschauen ist. Da tun sich Vater und Sohn nicht viel. Ich hoffe, das wird im nächsten Band dann nochmal aufgegriffen. Jedenfalls wird auch Gavin endlich in Position gebracht, um wieder aktiver an der Handlung teilzunehmen.

Was mir irgendwie auch erst in diesem Band richtig bewusst wurde, ist die Bedeutung der Religion hinter dem Weltentwurf. Klar, dass Orholam als Gott in den Sieben Satrapien angebetet wird und der Weiße König die Armee der Heiden anführt, wurde auch vorher schon deutlich. Aber irgendwie wurde mir trotzdem erst jetzt vollends bewusst, dass das Ganze sehr an das Christentum erinnert - und die Handlung eigentlich aus streng Gläubigen besteht, die die Ungläubigen los werden wollen bzw. auch andersherum. Wobei ich es gut finde, dass die Protagonist*innen nicht alle gleich gläubig bzw. sogar ungläubig sind. Und das Ganze "göttliche" scheinbar auf eine weniger religiöse und mehr magische Art heruntergebrochen wird. Vermutlich macht das alles grad wenig Sinn, aber ohne groß zu spoilern, kann ich nicht näher ins Detail gehen. Ich hoffe jedenfalls, dass in den nächsten Bänden nicht herauskommt, dass es Orholam im Sinne eines allmächtigen, überirdischen Gott tatsächlich gibt, sondern der magische Ursprung "naturwissenschaftlicher" zu ende geführt wird.

Alles in allem fand ich den Band etwas schwächer als die vorherigen, da er doch recht langatmig ist und auf den 850 Seiten letztlich relativ wenig passiert. Man hätte das deutlich kürzen können. Zudem endet er sehr unspektakulär (was mich doch irritiert hatte, denn auch das wirkt, als handle es sich um einen geteilten Band, aber soll es nicht sein, puh...) Dennoch gab es auch viele interessante Entwicklungen, sodass ich sehr gespannt bin, wohin die Reise die einzelnen Protagonist*innen noch führt.
Die Licht-Reihe:

    Band 1 - Schwarzes Prisma
    Band 2 - Die blendende Klinge [meine Rezension]
    Band 3.1 - Sphären der Macht [meine Rezension]
    Band 3.2 - Schattenblender [meine Rezension]
    Band 4 - Düsterer Ruhm
    Band 5.1 - Brennende Spiegel
    Band 5.2 - Lichtbringer (November 2020)