Donnerstag, 23. April 2020

[Rez] "Sturmherz" von Britta Strauss

(c) Bildrechte: Drachenmond Verlag
"Sturmherz"
von Britta Strauss
Verlag: Drachenmond, 2012
Einzelband | 352
[TB] ISBN: 978-3-931989-77-4

~Klappentext~
Maris Sehnsucht nach dem Meer wächst von Tag zu Tag. Immer wieder träumt sie sich in eine Welt voller Wunder und Freiheit, bis sie in einer eisigen Winternacht erkennt, welche Geheimnisse der Ozean tatsächlich verbirgt.
Man sagt, es gäbe Seehunde, die ihre Tiergestalt ablegen und zu Menschen werden.
Man sagt, sie seien ebenso kaltherzig wie verführerisch.
Nur ein Märchen für kalte Winterabende?
Während Mari die Wahrheit hinter einer uralten Legende aufdeckt, entspinnt sich eine Liebesgeschichte, wie sie magischer nicht sein könnte. Doch die Gier eines gnadenlosen Feindes droht alles zu zerstören.
~Meine Meinung~

Mein erstes Buch mit Selkies als Haupthandlung. Wer mich kennt, weiß, dass ich ein unglaublicher Robben-Fan bin und entsprechend natürlich auch Selkies unglaublich toll finde. Ich war also mehr als gespannt, wie diese Fabelwesen in dem Roman eingearbeitet waren.

Protagonistin ist Mari, die am Strand einen verletzten Seehund findet und mich zu sich nach Hause nimmt, damit ihr Vater diesen behandeln kann. Sie leben in einem kleinen Fischerdorf und betreiben eine Gärtnerei, aber Maris Vater ist vielseitig bewandert. Als es schon scheint, als würde der Seehund sterben, sitzt plötzlich ein nackter Junge vor Mari... Aber Selkies gibt es doch gar nicht, oder?

Die Handlung dreht sich natürlich um diesen Selkie, dessen Existenz nach diesem Ereignis nicht mehr lange geheim bleibt. Und schon sehnt sich nicht nur Mari nach einem Wiedersehen, sondern es suchen auch skrupelose Wissenschaftler nach ihm... Die Handlung beginnt spannend und endet spannend - dazwischen spielt aber v.a. die Liebesgeschichte die größte Rolle und diese konnte mich leider nicht überzeugen. Direkt nach dem ersten Treffen sehnt sich Mari nach ihrem Selkie, Louan, was anfangs noch als Sehnsucht nach dem Meer und dem Unbekannten laufen kann. Denn Mari fühlt sich sehr mit dem Meer verbunden und erträgt das triste Alltagsleben kaum. Doch diese eher allgemeine Sehnsucht schwenkt relativ plötzlich in Liebe um und ich wurde das Gefühl nie los, dass  Louan Mari entgegen aller Behauptungen eben doch mit seiner Selkie-Magie bezaubert... Echte Liebe habe ich da keine gefühlt, so Leid es mir auch tut. Und deshalb war der Mittelteil für mich sehr zäh zu lesen. Wer gegen "Insta-Love" nichts einzuwenden hat, findet aber durchaus einige romantische Szenen, die wirklich schön geschrieben sind und bei denen Louans tierische Seite immer wieder hervorblitzt, was ich nachvollziehbar fand. Denn natürlich ist er trotz allem ein Seehund, der fast sein gesamtes Dasein im Meer verbracht hat.

Die weitere Handlung, abseits der Liebesgeschichte, konnte mich insgesamt überzeugen. Der wissenschaftliche Wert, den sich die beiden Forscher erhoffen, war verständlich, ihre Methoden weniger. Der Konflikt diesbezüglich (wie weit darf man für Wissenschaft gehen?) wird angeschnitten. Das Ende war dann auch ein spannender Wettlauf gegen die Zeit und ein paar actionreichere Szenen weist der Roman auch auf.
Besonders gelungen fand ich allerdings die Beschreibungen des manchmal rauen, manchmal ruhigen Meeres und seiner Bewohner. Man begleitet Louan mehrmals bei seinen Tauchgängen, die faszinierend zu lesen waren. Da hat Britta Strauss definitiv ein Händchen für szenische Darstellungen erwiesen und dass sie sich in ein Dasein als Tier nachvollziehbar reindenken kann. Für mich waren diese Szenen das absolute Highlight! Zudem wurden Mythen rund um Selkies gut recherchiert und die Selkies innerhalb der Romanwelt aus einer passenden Mischung davon zusammengesetzt und weitere Legenden auch in Gesprächen erwähnt.

Die Charaktere sind auch allesamt individuell und detailreich beschrieben, sodass man sie gut auseinanderhalten und mit ihnen mitfühlen kann (abseits der Lovestory). Mir gefiel hier insbesondere auch, dass Maris Vater eine tragende Rolle spielt und endlich mal wieder ein verständnisvoller Vater ist. Das liest man in Jugendbüchern auch selten.

Störend waren widerum ein paar kleine Logikfehler. Beispielsweise gibt es einmal einen Zeitsprung von mehreren Monaten und gleich darauf heißt es plötzlich "vorgestern", was sich aber auf die Zeit vor dem Zeitsprung bezieht. Oder Mari reagiert beim ersten Treffen überhaupt nicht auf Louans Nacktheit nach der Verwandlung, beim nächsten Mal ist ihr das aber dann doch unangenehm und lenkt ihre Gedanken total ab... Und übrigens ist das Tier auf der Cover-Rückseite ein Seelöwe, kein Seehund...

Insgesamt wurde ich von "Sturmherz" nicht wirklich enttäuscht, es hat mich aber auch nicht umhauen können.

Kommentare:

  1. Hey Alica,

    die Idee klingt gar nicht mal so schlecht, ich glaube, ich habe bisher noch kein Buch über Selkies gelesen (ich habe überhaupt erschreckend wenige Bücher gelesen, in denen das Meer eine große Rolle einnimmt), aber Insta Love und Logikfehler schrecken mich eher ab, sodass das wohl kein Buch für mich ist. :x Gerade ersteres nervt mich momentan viel zu sehr ...

    Liebste Grüße ♥♥♥

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    1. "Insta-Love" ist auch echt anstrengend. XD Und hier besonders schade, weil die Autorin das Meer sooo schön beschreiben konnte. :3 Und wie gesagt, wäre es damit erklärt worden, dass Mari dem Selkie-Zauber erlegen ist, wäre es okay gewesen - aber es sollte tatsächlich "wahre Liebe" sein... >.>

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