Donnerstag, 13. Februar 2020

[Rez] "Der nächstferne Ort" von Hayley Long

(c) Bildrechte: Königskinder Verlag
 "Der nächstferne Ort"
von Hayley Long
Originaltitel: The Nearest Faraway Place
Verlag: Königskinder, 2018
Einzelband | 336 Seiten
[HC] ISBN: 978-3551560407

~Klappentext~
Ein schrecklicher Autounfall und von einer Sekunde auf die andere ist im Leben der beiden Brüder Griff und Dylan nichts mehr, wie es war. Während der 13-jährige Griff verzweifelt versucht, sich von der Trauer um den Verlust seiner Familie nicht überwältigen zu lassen, lässt Dylan nichts unversucht, seinen jüngeren Bruder zu schützen und ihm dennoch langsam zurück ins Leben zu helfen. Tatsächlich gelingt es den beiden auch ganz allmählich, ihren Platz wieder zu finden – jeder für sich und trotzdem gemeinsam.
~Meine Meinung~
Der Klappentext ließ eine sehr emotionale Geschichte vermuten und das stimmt grundsätzlich auch. Direkt zu Beginn wird der tragische Autounfall beschrieben, was aufgrund der zuvor lockeren Familienstimmung umso dramatischer wirkt. Danach beschreibt die Handlung wie sich Dylan und Griff als Waisen zurechtfinden müssen, wobei sie allerhand Hilfe und Zuneigung erhalten. Wie sehr sich um die beiden gekümmert wird, wie wirklich jeder versucht, sie aufzuheitern und ihnen Geborgenheit zu geben, war wirklich toll zu lesen. Und jeder von ihnen geht mit dem Verlust anders um und verarbeitet das Geschehene unterschiedlich schnell.

Doch von der grundlegenden Handlung abgesehen konnte mich "Der nächstferne Ort" zunächst eher weniger mitreißen. Am meisten gestört hat mich die unterschiedliche Schriftgröße wenn jemand sehr laut oder sehr leise sprach. Das regte mich irgendwann richtig auf! Außerdem fand ich zu den Charakteren keinen richtigen Zugang. Griff zieht sich nahezu komplett in sich selbst zurück, sodass man eigentlich gar nichts über ihn erfährt. Denn erzählt wird ausschließlich aus Dylans Sicht und er kann nur wiedergeben, was er selbst sieht oder erlebt. Und seit dem Unfall sprechen Griff und Dylan nicht wirklich miteinander, weil Griff zu sehr in seiner Trauer gefangen ist und Dylan nicht weiß, was er sagen soll, um es besser zu machen.
Daher leben die beiden nebeneinander her, während sie erst in New York bei ihrer Schulleiterin unterkommen und schließlich zurück nach Wales müssen, zur Schwester der Mutter.
Und erst dort taut Griff langsam wieder auf und die Handlung nimmt eine neue Form an, steht nicht länger still... bis zu einem Punkt, der alles vorherige in ein ganz neues Licht rückt. Und das war der Punkt, an dem mich der Roman doch noch eingefangen und mit einem wahnsinnig traurigen, aber auch Hoffnung gebenden Ende belohnt hat.

Trauerbewältigung ist neben Familie, Heimat und Freundschaft das große Thema in dem Roman, der definitiv nichts für Personen ist, die keine traurigen Geschichten mögen. Leider fand ich die meiste Zeit keinen richtigen Zugang zu den Charakteren, sodass mich erst das Ende wirklich umhauen konnte, der Rest aber eher langatmig bis teilweise nervig war.

Kommentare:

  1. Hallo liebe Alica,

    unterschiedliche Schriftgrößen klingt wirklich sehr anstrengend. o.O Das hätte mih vermutlich auch aufgeregt. xD Leises bzw. lautes Sprechen kann man ja eigentlich auch anders ausdrücken. o.O
    Schade, dass dich das Buch erst zum Ende hin richtig überzeugen konnte. :x

    Liebe Grüße ♥

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    1. Ja, genau, einfaches "sagte er laut/leise" hätte auch gereicht. :'D

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  2. Hallo liebe Alica,
    ich habe aus dem KöKiVerlag leider bislang noch nicht viele Bücher gelesen. Umso neugieriger war ich auf deine Rezension, zumal die Bücher ja in der Bloggerszene schon als kleine Buchperlen gehyped werden.

    Das mit der Schriftgröße ist natürlich ärgerlich. Ich denke die Autorin wollte hier einen Kunstgriff wagen. Sowas kann richtig gut funktionieren oder aber auch total nach hinten losgehen. Ich kann verstehen, dass dich die verschieden Größen beim Lesen eher abgelenkt haben.

    Auch finde ich es schade, dass du über die Seiten hinweg Schwierigkeiten hattest eine Charakternähe aufzubauen.

    Die Themen, die das Buch aufgreift, klingen allerdings sehr interessant.

    Vielen Dank für diese ehrliche und interessante Rezension.

    Ganz liebe Grüße
    Tanja

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    1. Hallo Tanja,

      ich habe inzwischen 5 Bücher aus dem KöKi-Verlag gelesen und drei davon fand ich richtig gut (Der Koffer, Löffelglück und Der Gesang der Nachtigall). Sie hatten auf jeden Fall einige besondere Bücher im Programm - vielleicht kommst du irgendwann noch dazu, mehr von ihnen zu lesen (bevor sie nirgends mehr erhältlich sind ;)).

      Liebe Grüße
      Alica

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