Donnerstag, 20. April 2017

[Rezi] Marienkäfertage

~Inhalt~
Endlose helle Tage, Sonnenlicht, das flirrend durch Baumkronen fällt, kaltes Seewasser und frische Zimtbrötchen – so war ihr Sommer, jedes Jahr. Jetzt sind das alles nur noch Erinnerungen an eine Zeit, als sie Elin und noch nicht Lykke war. Doch was heißt das überhaupt – Lykke sein? Und wie passt dieser fremde Junge in ihr neues Leben, Rasmus, der ihr Angst macht, den sie aber auch ein kleines bisschen mag? Während sie sich vorsichtig an ihre neuen Gewissheiten herantastet, erkennt sie eines: Das Glück ist vielleicht ein scheuer Gast, aber es liegt an uns, ob wir ihm die Tür öffnen. (Quelle: Amazon)

~Meine Meinung~
Der Magellan-Verlag ist für besondere Jugendbücher bekannt, die mir bisher immer gut gefallen haben. Sie greifen häufig ungewöhnliche, ernste Themen auf, in denen die Liebe manches Mal nur eine Nebenrolle spielt.
Die Inhaltsangabe lässt vermuten, worum es in "Marienkäfertage" geht - ein Thema, welches ebenfalls selten thematisiert wird. Dennoch möchte ich nicht zu viel verraten, da Elin selbst erst nach und nach davon spricht und sich die Geschichte um diese Sache herum aufbaut.

Die Handlung verläuft dadurch etwas zäh. Der Leser weiß recht schnell, was los ist, Elin redet jedoch lange drum herum und schafft es auch später kaum, einen vernünftigen, klaren Gedanken dazu zu fassen. Ich kann verstehen, dass Elin anfangs erschrocken und verunsichert ist, aber sie soll 16 Jahre alt sein. Durch ihre unreifen Gedanken (oder Nicht-Gedanken) wirkt sie jedoch eher wie 12. Ich war jedenfalls sehr verwundert, als erwähnt wurde, wie alt Elin ist. (Und hatte mich vorher schon gewundert, wieso sie bereits Alkohol trinkt und mit Freunden die Nacht durchfeiert.) Sie reflektiert kaum und verkriecht sich in ihrer "Marienkäferwelt". Obwohl sie so schockiert und verletzt ist, dass sie von Zuhause abhaut, um in Ruhe nachdenken zu können, weigert sie sich, irgendwen auf die Sache anzusprechen. Irgendwie passte das alles nicht für mich zusammen, denn gleichzeitig sehnt Elin sich nach der Vergangenheit und nach Antworten, die sie teilweise auch sehr aktiv im Laufe der Handlung sucht. Ihr ständiger Wechsel zwischen "Ich will Antworten" und "Das ist mir alles zu viel, lasst mich bloß in Ruhe" war anstrengend. Auch die Art, wie sie andere vor den Kopf stößt und kaum ein Wort sagt, machte sie nicht sympathisch. Leider wurde ich durch Elins kindisches Verhalten auch zum Ende nicht mit ihr warm.
Die weitere Charaktere bleiben ebenfalls eher blass und auch zu ihnen konnte ich keine Verbindung aufbauen.

Am Ende werden die meisten Fragen noch aufgelöst, jedoch fand ich ein paar Punkte nicht logisch genug, auf die ich wegen Spoilergefahr nicht eingehen werde. 
Dabei regt das Thema von "Marienkäfertage" durchaus zum Nachdenken an und es wird öfter die Frage gestellt, was eine Person ausmacht, woran man erkennt, wer man wirklich ist. Das sind definitiv interessante, spannende Fragen.

Positiv zu nennen ist zudem das Setting. Sommer in Dänemark, mit Wald und See in der Nähe. Ich hatte beim Lesen oft den Duft von Nadelwäldern und Sonnenschein in der Nase. Da bekommt man richtig Lust, mal wieder den Sommer dort zu verbringen. 
Auch der Schreibstil ist schön zu lesen. Sehr melancholisch, lyrisch und zum Nachdenken anregend.

Fazit: An sich interessanter, eher selten thematisierter Inhalt, aber leider mit einer kindischen, unsympathischen Protagonistin, in die ich mich kaum hineindenken konnte, und einer zähen Erzählweise. Dank des Settings und des Schreibstils hatte ich dennoch Spaß beim Lesen. Das Thema regt zudem zum Nachdenken an.



Kommentare:

  1. Hallo :)

    Ach schade. Erst fand ich es sehr interessant. Für außergewöhnliche Themen bin ich immer offen. Aber wenn ich was nicht mag, sind das unreife Charaktere. Das geht mir schnell auf den Keks.

    Danke für die Rezi.
    Liebe Grüße
    Lilly

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    1. Ja, ich fand das auch schade... :/ Und es gibt genug Bücher mit außergewöhnlichen Themen, wo die Charaktere reifer und weniger nervig sind.

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  2. Hallo Alica,

    jetzt wird das Buch durch deine Rezension nur um so interessanter :) Klingt auch ein bisschen nach "Alles, was ich von mir weiß". Da war die Protagonistin auch etwas anstrengend.
    Liebe Grüße Cindy

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    1. Besitzt du "Marienkäfertage"? Mir ist aufgefallen, dass es vielen Magellan-Lesern eher unbekannter ist, weil es verhältnismäßig alt ist. :)

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