Mittwoch, 11. Januar 2017

[Rezi] Divinitas

~Inhalt~

„Eine Halbelfe!“, ruft der Ritter angewidert und spuckt auf den Boden neben mir aus. „Ich dachte, diese Missgeburten hätte man ausgerottet!“

„Sie haben sie gesehen! Sie haben meine Ohren gesehen! Sie wissen, was ich bin!“

Von den Elfen verachtet und den Menschen gefürchtet hat sich die Halbelfe Fye in die Abgeschiedenheit zurückgezogen. Doch sie wird enttarnt und gefangen genommen und an der Schwelle von Leben und Tod gerät sie in eine uralte Fehde. Wer meint es ehrlich mit ihr – der verfluchte Prinz oder der strahlende Ritter? (Quelle: Drachenmond Verlag)

~Eigene Meinung~

"Divinitas" ist der Debüt-Roman von Asuka Lionera und ich kann vorweg sagen, dass man das leider merkt.

Inhaltlich war es ein bekanntes Thema, das jedoch stets Potential zu einer guten Geschichte aufweist. Mir hat gefallen, dass Fye eigentlich eine starkte Protagonistin ist (auf das "eigentlich" gehe ich gleich noch ein), die sich zu wehren weiß und sich trotz all dem Hass, der ihr entgegen gebracht wird, nicht einschüchtern lässt. Sie führt ein bescheidendes, einsames Leben im Wald, bevor sie gefangen genommen wird und sich alles ändert. Einige Überraschungen erwarten den Leser, auch wenn diese nicht immer im Nachhinein ausreichend erklärt wurden.

Der Handlungsverlauf ist nachvollziehbar, wenn auch zu oft sprunghaft. Manches Mal kam es mir vor, als wäre etwas gelöscht worden, ohne zu schauen, ob der Übergang zwischen den Texten noch sauber ist, so abrupt waren manche Szenenwechsel oder Zeitsprünge. 
Auch die Wechsel der Erzählperspektive zwischen Fye und Vaan gefielen mir nicht immer. Manchmal wurde dabei auch Handlung nur noch einmal aus der Sicht des anderen gekürzt wiederholt. Das hätte man sich meiner Meinung nach oftmals sparen können. Die Gefühle des jeweils anderen lassen sich doch auch anders darstellen, als durch schlichte Nacherzählung der Handlung mit anderen Gedankengängen.

Positiv sind die vielen verschiedenen Charaktere zu nennen, die ihre eigenen Ziele und Motive verfolgen (auch wenn diese nicht immer ausführlich genug dargestellt waren). Wer zuvor "Falkenmädchen" gelesen hat wird sich über ein Wiedersehen mit alten Bekannten freuen können. Ich hatte nach "Falkenmädchen" aber ehrlich gesagt etwas mehr Auftritte erwartet und der König kam mir im Vergleich zu "Falkenmädchen" irgendwie netter/harmloser vor...

Nun noch einmal zu Fye. Grundsätzlich war sie ein starkes, unerschrockenes Mädchen. Doch es gab Momente, wo sie aus ihrer Rolle fiel und sich viel zu viele ängstliche Gedanke machte. Zum Beispiel direkt zu Beginn, als sie beschließt, ins Dorf zu gehen, um einzukaufen. Sie hat das schon sehr oft gemacht und weiß eigentlich, worauf sie achten muss. Dass trotzdem eine kleine Besorgnis vorhanden ist, kann ich noch verstehen. Aber ihre Gedanken und Gefühle fahren deswegen regelrecht Achterbahn. Sie schwankt die ganze Zeit zwischen "Ich hab das schon so oft gemacht, das ist kein Problem" und "Oh mein Gott, wenn ich entdeckt werde, bin ich geliefert". Das wirkte einfach unnatürlich und Fye fällt noch häufiger so aus ihrem Charakter heraus. Das hat sie für mich leider sehr unsympathisch gemacht.

Die Gefühle, die sich zwischen Fye und Vaan entwickeln, fand ich hingegen gut beschrieben und nachvollziehbar. Es passiert nicht zu überstürzt.
Dass nach etwa 1/3 des Buches eine weitere Person auftaucht, die Fye den Kopf verdreht, fand ich wiederum überflüssig und unlogisch. Vor allem da diese Person zum Ende des Buches einfach keine wirklich wichtige Rolle mehr spielt.

Auch bleiben viele Fragen am Ende offen, die immerhin teilweise in "Falkenmädchen" erklärt werden. Wer das Buch jedoch nicht zuvor gelesen hat, wird sich sicherlich über die vielen Ungereimtheiten und offenen Fragen ärgern.

Insgesamt leider ein sehr mittelmäßiges Buch mit zu vielen störenden Zeitsprüngen, unausgereiften Charakteren und zu vielen offenen Fragen. Auch waren die Entscheidungen mancher Charaktere nicht immer logisch, was auf fehlende Erklärungen der Motive zurückzuführen ist. 
Wenn man davon jedoch absieht, ist das Buch kurzweilig und der Schreibstil überwiegend angenehm zu lesen. "Falkenmädchen" hat mir etwas besser gefallen.
Sehr knappe 3 Flämmchen.

Die "Divinitas"-Reihe:

Kommentare:

  1. Hey Alica,

    eine sehr ehrliche, interessante Rezi. Da hattest du wohl das gleiche Problem wie ich mit der "Mondprinzessin". ;) Ich kenne das Buch nicht, aber es steht auf meiner WuLi. Jetzt bin ich allerdings mehr als unsicher. :D

    Liebe Grüße
    Lena ♥

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    1. Danke! :3
      Ich kann das Buch auch nicht unbedingt weiter empfehlen. Wenn du mal in die Autorin reinschnuppern möchtest, würde ich eher "Falkenmädchen" empfehlen, was ja die Vorgeschichte zu "Divinitas" ist. Dann siehst du, wie Asuka Lionera ihre Geschichten aufbaut. Ich finde vor allem die teilweise sehr großen, plötzlichen Zeitsprünge merkwürdig. :D

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