Freitag, 25. November 2016

[Rezi] Dear Sister 1 - Schattenerwachen

~Inhalt~

Vor sechs Monaten verschwand Winters Schwester Eliza spurlos. Doch entgegen der Befürchtung anderer, glaubt Winter nicht an ein Verbrechen. Sie ist überzeugt davon, dass Eliza freiwillig die Stadt verlassen hat und plötzlich steht sie da…

Winter traut ihren Augen nicht und beginnt mit ihrer Freundin Dairine Nachforschungen anzustellen, dabei gerät ihr neuer Musiklehrer in Verdacht. Plötzlich ereignen sich grausame Ritualmorde in der Gegend und Eliza wird damit in Verbindung gebracht. Winter macht eine Beobachtung, die sie daran zweifeln lässt, dass ihre Schwester noch die ist, die sie einmal war. Magie? Übernatürliches? Was ist bloß mit ihrer Schwester passiert? (Quelle: Amazon)

~Eigene Meinung~

"Dear Sister" ist, wie der Titel vielleicht vermuten lässt, hauptsächlich eine Schwesterngeschichte. Es geht vorrangig um das Verhältnis zwischen Winter und Eliza. Während Winter die brave Mustertochter ist, die immer alles richtig macht, ist Eliza das "schwarze Schaf" der Familie - Diebstahl, Drogen, Schuleschwänzen, (bezahlten) Sex mit so ziemlich jedem Jungen der Schule. Trotzdem sehen die Eltern der beiden Schwestern immer Eliza als die "bessere" an, loben sie mehr, stehen immer zu ihr. Winter entwickelt dadurch im Laufe der Jahre einen richtigen Hass auf ihre Schwester und ist heilfroh, als diese endlich verschwindet. Ich konnte Winters Hass auf ihre Schwester nachvollziehen, auch wenn er ein gutes Maß weit eingeredet ist, was immer wieder durchschimmert. Man muss Familienmitglieder nicht mögen, nur weil man verwandt ist. Auch die eigene Schwester kann einem unsympathisch sein. In vielen anderen Rezensionen zu diesem Buch habe ich gerade das als Kritikpunkt gelesen. Also dass man seine Schwester doch mögen MUSS, dass es unmenschlich ist, sie so zu hassen. Doch was hat Eliza schon getan, um von Winter gemocht zu werden? Wären sie nicht verwandt, wären sie sicher keine Freundinnen geworden.

Inhaltlich war es durchweg spannend. Was anfangs als normale Geschichte einer Schwester beginnt, die abgehauen ist und nach einem halben Jahr offenbar wieder auftaucht, entwickelt sich dank einer eingeflochtenen Fantasy-Handlung in eine etwas andere Richtung als erwartet. Zwar wird hier das Rad nicht neu erfunden, die Geschichte ist aber durchaus kurzweilig und weiß zu unterhalten. Ich habe sie gerne gelesen und wollte stets wissen, wie es ausgeht.
Bestandteil der Spannung sind neben Elizas undurchschaubarem Charakter auch die Geheimniskrämerein der anderen Charaktere. Zwar wird vieles recht schnell offensichtlich - mir war jedenfalls sehr schnell klar, was Eliza Liam angetan haben muss - aber nie so viel auf einmal, dass es langweilig werden würde. Das Fantasy-Element war mir in diesem ersten Teil noch etwas knapp enthalten, aber das wird sich in den Folgebänden bestimmt ändern.

Was mir leider etwas weniger gefallen hat, waren die Charaktere an sich.
Winter war häufig anstrengend mit ihrer übertriebenen Eifersucht und ihrer Sturheit. Zuhören würde ihr ab und an echt gut tun. Aber nein, bloß immer alles falsch verstehen und beleidigt abhauen. Wie sie so überhaupt auf die Idee kommt, jemals eine langfristige Beziehung führen zu können, ist mir ein Rätsel. Auch ihr hin und her mit Eliza war auf Dauer nervig - "Ich hasse sie, aber eigentlich liebe ich sie. Obwol, nein, eigentlich hasse ich sie doch. Ich suche sie auch nur, damit ich sie wegschicken kann und sie mich für immer in Ruhe lässt. Aber hoffentlich passiert ihr nichts." Entscheide dich doch mal!
Eliza war anfangs undurchsichtig. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass Winters abgrundtief schlechtes Bild von ihr real ist. Doch gehandelt hat Eliza die meiste Zeit tatsächlich nicht sehr nett. Erst als Kapitel aus ihrer Sicht erzählt wurden, bekam man mehr Klarheit. Dennoch kam es mir oft so vor, als würde Eliza nicht viel nachdenken, sondern einfach erstmal handeln, egal was die Folgen sind. Und hinterher tut ihr dann alles furchtbar leid.
Übertreffen in Sachen "nervig" konnte die beiden jedoch Lucas. Ich habe noch nie einen so langweiligen, überkorrekten Charakter in einem Buch gesehen. Was findet Winter an ihm? Er hat ständig Eliza im Kopf gehabt und Winter, mit der er eigentlich zusammen war, war ihm recht egal. Er kommt einfach nicht aus seiner Haut raus und ich hatte das ganze Buch über gehofft, dass er endlich mal betrunken wird und das ganze überkorrekte vergisst. Aber nein, er bleibt der Langweiler, der Eliza auf Schritt und Tritt folgt.
Und dann war da noch Liam. Der Bad Boy der Story. Natürlich mit allen möglichen Klischees - geheimnisvoll, düster, aber mit einem weichen Kern. Es war erfrischend, dass er keinen solchen Stock im A**** hatte wie Lucas und dass Winter in seiner Gegenwart erträglicher wurde, aber davon abgesehen war er viel zu oft nervig mit seiner Geheimniskrämerei. Außerdem war er 100%ig unvertrauenswürdig. Und klar, er hatte seine Gründe, um die sich letztlich sehr viel der Handlung gedreht hat, aber das hat ihn auch komplett geblendet in seinem Denken. Ich wusste bis zum Schluss nicht, was er ehrlich gemeint hat und was gelogen war.

Fazit: Inhaltlich spannend und kurzweilig, jedoch mit sehr ausbaufähigen Charakteren. Ich bin gespannt auf die Folgebände und ob mir die Charaktere dann sympathischer werden. Auch wünsche ich mir von dem Fantasy-Element, das mir sehr gut gefallen hat.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Die Kommentarfunktion beißt nicht. ;-)