Dienstag, 26. Juli 2016

[Rezi] Die Träume des Jonathan Jabbok

~Inhalt~

Der 13-jährige Jonathan Jabbok ist an den Rollstuhl gefesselt. Nur in seinen Träumen geht er auf  Wanderschaft. Dort ist er der springlebendige Yonathan, der eines Tages den geheimnisvollen Stab Haschevet findet. Nur wenn dieser Stab vor den Mächten des Bösen bewahrt und in den fernen Garten der Weisheit gebracht werden kann, wird der siebte Richter von Neschan mit ihm zur Rettung der Welt antreten können. Weil kein anderer als Yonathan den Stab berühren kann, ohne sofort zu Asche zu zerfallen, muss er die weite und gefahrvolle Reise selbst antreten. Der schottische Knabe Jonathan Jabbok taucht immer tiefer in die Welt seiner Träume ein, bis er sich fragt, welches die wirkliche Welt für ihn ist: jene, die ihn nur im Rollstuhl kennt oder die andere, wo alles von ihm abhängt... (Quelle: Isau.de)

~Eigene Meinung~

Wie auch "Das Museum der gestohlenen Erinnerungen" gehört die "Neschan"-Trilogie zu den bekanntesten Werken Ralf Isaus und ist ein Klassiker unter den Jugend-Fantasy-Büchern. Irgendwann musste also die Zeit kommen, zu der ich das Werk lese. ;)

Wieder einmal gelingt es Ralf Isau, eine fantastische Welt zu schaffen und den Leser immer wieder mit wunderbar einfallsreichen Wesen, Landschaften und Ereignissen zu konfrontieren. Man taucht richtig ein in die Welt Neschan und ist jedes Mal leicht enttäuscht, wenn es zurück in die "Realität" geht. Denn das Buch wird abwechselnd aus der Sicht von Jonathan und Yonathan erzählt.

Jonathan muss seit einer Krankheit im Rollstuhl sitzen und ist dadurch körperlich eher schwach und kränklich. Dafür hat er einen wachen Geist und immer eine schlaue Antwort auf den Lippen. Er ist zudem ein richtiges wandelndes Lexikon, das Wissen nur so in sich aufsaugt und alles und jeden hinterfragt. Gelegentlich wirkt er dadurch besserwisserisch. Dass er sich damit kaum Freunde macht, tut sein übriges dazu, dass ich Jonathan ab und an unsympathisch fand. Nun ist er ja noch jung und hat offenbar noch nicht gelernt, wann man lieber den Mund hält.

Yonathan hingegen ist ein kräftiger Junge, der sich aufopferungsvoll seiner neuen Rolle als Träger des Stabs Haschevet auf die gefährliche Reise macht. Er kam mir dabei oft naiv vor, wie er voll blindem Vertrauen seinem Weg folgt. Dass der Stab ihm neue, übermenschliche Möglichkeiten bietet, lernt er schnell zu nutzen und befreit sich und seine Gefährten immer schnell aus den Gefahren. Das ging mir oftmals viel zu einfach! Auch dass Yonathan dabei Instinkten/Eingebungen folgt und damit immer richtig liegt, war zu leicht gelöst. Wirklich gefährliche Situationen gab es dadurch kaum - und wenn es mal gefährlich wurde, wusste man als Leser schnell, ach, der Stab wird das schon richten. Mitfiebern war daher schwierig.

Zudem wird verdammt viel erklärt und es bleibt kaum Interpretationsspielraum. Da merkt man umso deutlicher, dass das Buch für jüngere Leser gedacht ist, die sich noch nicht so viel selbst denken können. Als Erwachsener fragt man sich da allerdings öfter, warum dies oder jenes jetzt nochmal so ausführlich besprochen wurde, wo es doch eigentlich offensichtlich war, was gemeint ist. Dadurch ziehen sich manche Szenen extrem in die Länge.

Der große Pluspunkt des Buches ist somit die scheinbar unbegrenzte Fantasie und ich habe wirklich gerne Zeit in Neschan verbracht. Ralf Isau gelingt es hervorragend, fremde Welten lebendig zu machen und eine witzige, interessante oder einfach nur liebenswerte Kreatur nach der anderen zu erschaffen. Ich wette, wenn ich es vor 15 Jahren gelesen hätte, hätte ich mich vollends für das Buch begeistern können. Noch bin ich auch etwas unsicher, ob ich die ganze Trilogie lesen werde... Denn mir ist schon relativ klar, wie die Handlung weiterlaufen wird. Andererseits bin ich sehr gespannt, wohin Yonathan seine Reise noch führt und welche Welten er noch erkunden wird.


~Und sonst so?~

Mehr Infos zur Trilogie mit interessanten Hintergrundinformationen gibt es auf der Seite des Autors.

Kommentare:

  1. Hallo Alica,

    schade, dass die Neschan Welt nicht zu 100ig überzeugt hat, ich hab es damals in meiner Kindheit sehr geliebt und auch meine Mama fand die 3 Bücher gelungen. Mal schauen was da noch kommt.
    Liebe Grüße Cindy

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    1. Ich denke, ich lese die Reihe auch irgendwann weiter. Jedenfalls habe ich Band 1 erstmal behalten. ;) Irgendwie hat es schon einen bleibenden Eindruck hinterlassen, auch wenn ich über manches etwas gestolpert bin.

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