Mittwoch, 1. Juni 2016

[Rezi] Mit anderen Worten: ich

~Inhalt~

Worte sind nicht Samanthas Freunde. Im Gegenteil: In endlosen Gedankenschleifen verfolgen sie Sam und hindern sie daran, ein normales, unbeschwertes Leben zu führen. Aus Angst, als verrückt abgestempelt zu werden, verheimlicht Sam ihren täglichen Kampf sogar vor ihren Freundinnen.
Nur die unkonventionelle Caroline sieht hinter Sams Fassade und lädt sie ein, sich einem geheimen Dichterklub anzuschließen. Hier erlebt Sam zum ersten Mal die befreiende Kraft von Worten und kommt sich seit langer Zeit selbst wieder nahe. Als sie sich in den klugen, zurückhaltenden AJ verliebt und gerade beginnt, vorsichtig auf ihr neues Glück zu vertrauen, stellt eine unerwartete Entdeckung alles infrage. (Quelle: Magellan-Verlag)

~Aufmachung~

Das Cover ist eher schlicht, aber der Blauton ist schön und das Motiv passt zum Inhalt. Ohne Schutzumschlag sieht das Buch richtig toll altmodisch aus, mit der Schreibmaschine auf dem Cover. Mit dem Äußeren gibt sich der Magellan-Verlag echt Mühe!

~Eigene Meinung~

"Mit anderen Worten: ich" handelt von einem Mädchen mit einer Zwangsstörung. Irgendwie habe ich das Gefühl, ich hätte diesen Monat zu viele Bücher mit kranken und/oder zwangsgestörten Menschen gelesen. XD Diesmal geht es um Gedanken, die Samantha einfach nicht abschalten kann und die sie des Öfteren wortwörtlich in den Wahnsinn treiben. Es kennt sicher jeder, dass man sich ab und an zu sehr in bestimmte Gedankengänge verstrickt - und Sam hat das in einer vielfach schlimmeren Form.
Worte sind somit eigentlich nicht ihre Stärke, rufen sie doch viel zu oft diese endlosen Gedankenstrudel hervor.

Das Buch behandelt neben Sams Zwangsstörung auch wichtige Themen wie Freundschaft, Liebe, Vertrauen, Mobbing, Depressionen und allen voran: Die Macht von Worten.
Im Laufe des Buches tritt Sam - mit einigen Hürden, die sie meistern muss - in einen Dichterclub der Schule ein. Dort geht es nicht darum, gut zu sein, sondern sich einfach Worte von der Seele zu schreiben und sie vorzutragen. Niemand wird dort für seine Gedichte ausgelacht oder schief angeguckt. Und genau das bewegt Sam dazu, etwas an ihrem Leben zu ändern. Denn bisher hat sie sich immer nur angepasst, krampfhaft an Freundschaften festgehalten, die eigentlich keine mehr sind, nur, um dazuzugehören und sich normal zu fühlen.
Der Verlauf des Buches ist dabei gekonnt und absolut nachvollziehbar umgesetzt. Wie Sam langsam wieder mehr Freude am Leben findet, selbstbewusster wird, lernt, mit ihrer Zwangstörung zu leben, statt sie zwanghaft geheim zu halten.

Auch die weiteren Charaktere im Buch sind sehr unterschiedlich und jeder im Dichterclub hat so sein Päckchen zu tragen. Das kam überhaupt nicht überzogen rüber, sondern passend. Ganz besonders fand ich auch Sams Beziehung zu ihrer Mutter und zu ihrer Therapeutin. Beide stehen Sam mit Rat und Tat und vollem Einsatz zur Seite. Das war mal etwas ganz anderes, als die desinteressierten, nebensächlichen Mütter, die man sonst so in Büchern liest. Da bekommt man ja oft das Gefühl, alle Mütter müssten keinerlei Interesse an ihren Kindern zeigen, sonst wären sie keine Mutter. :'D

Das Ende des Buches war dann nochmal ein richtiger Knaller, den ich erst zu überzogen fand. Aber es passt, nach genauer Überlegung, doch in die Geschichte und war eigentlich logisch. (So ganz zufrieden bin ich damit aber nicht.)
Die kleine Liebesgeschichte im Buch hat mir auch sehr gut gefallen. Sie war nicht aufdringlich und hat einen wichtigen Beitrag zu Sams Entwicklung beigetragen. Denn wie soll man schon einen Teil von sich selbst in einer ernsten Beziehung geheim halten?

Fazit: Sehr gelungene, authentische Umsetzung einer Geschichte rund um eine Zwangsstörung. Sam ist eine tolle Protagonistin und ich habe ihrem Weg zu einem glücklicheren, selbstbewussteren Menschen gerne beigewohnt. In einigen Passagen findet sich sicherlich jeder irgendwie wieder. Absolute Leseempfehlung!

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