Mittwoch, 22. Juni 2016

[Rezi] Dark Wonderland - Herzkönigin

~Inhalt~

Alyssa kann Blumen und Insekten flüstern hören, eine Gabe, die schon ihre Mutter um den Verstand brachte. Denn sie sind die Nachfahrinnen von Alice Liddell – besser bekannt als Alice im Wunderland. Als sich der Zustand ihrer Mutter verschlechtert, kann Alyssa ihr Erbe nicht mehr leugnen, sie muss jenen Fluch brechen, den Alice damals verschuldet hat. Durch einen Riss im Spiegel gelangt sie in das Reich, das so viel finsterer ist, als sie es aus den Büchern kennt, und zieht dabei ihren besten Freund und geheime Liebe Jeb mit sich. Auf der anderen Seite erwartet sie jedoch schon der zwielichtige und verführerische Morpheus, der sie auf ihrer Suche leitet. Aber wem kann sie wirklich trauen? (Quelle: Amazon)

~Aufmachung~

Das Cover gefällt mir sehr gut. Es passt perfekt zu einer Alice im Wunderland-Geschichte. Der Ausdruck des Mädchens, das Alyssa darstellt, ist leicht geheimnisvoll und durchdringend, die Pflanzen tragen gut zu dem Eindruck bei.

~Eigene Meinung~

Meine Einstellung zu "Alice im Wunderland" war früher immer sehr... negativ, das gebe ich zu. In der Grundschule musste ich ständig Witze diesbezüglich über mich ergehen lassen, da ich mit Vornamen Alica heiße. Das hatte damals einen richtigen Hass auf das Buch und den Disney-Film bewirkt.
Erst als ich meine Mutter beim Spielen des Alice-Horror-Games "American McGee's Alice" beobachtete, konnte ich der Handlung wieder mehr abgewinnen. Denn solche düsteren, verrückten Geschichten haben mich schon immer fasziniert. Und wenn man ehrlich ist, bietet "Alice im Wunderland" eine wunderbar verrückt-kranke Grundlage für allerhand Horrorszenarien.

Und so habe ich mich jetzt endlich dazu entschlossen, doch mal ein Buch über Alice in die Hand zu nehmen. Denn "Dark Wonderland" klingt schon recht gut, oder nicht? ;-)

Die ersten 100 Seiten spielen in der realen Welt und zeigen Alyssas Leben mit ihrer verrückten Mutter, die sie regelmäßig in der Irrenanstalt besuchen geht, und ihrem Vater, der noch immer an eine Heilung seiner Frau glaubt. Alyssa selbst hört Insekten und Blumen sprechen, versucht aber, es zu ignorieren, weil es bedeuten würde, dass sie genauso verrückt wie ihre Mutter ist. Auch sonst versucht sie mit allen Mitteln, sich von ihrer Mutter abzuheben - bunte Strähnen in den blonden Haaren, ausgefallene Kleidung, buntes Make-Up. In ihrer Freizeit tötet Alyssa Insekten und bastelt Kunstwerke aus ihnen - nur dann sind sie endlich still. Zudem skatet Alyssa gerne. Alles in allem war Alyssa sofort eine Person, die mir mit ihren "Macken" sympathisch war.
Man lernt auch Jeb, ihren Jugendfreund und heimlichen Schwarm kennen, der stets zu Alyssa hält, aber nichts von der Erkrankung ihrer Mutter weiß, denn das versucht Alyssa geheim zu halten und behauptet, ein Autounfall wäre für den gesundheitlichen Missstand ihrer Mutter verantwortlich. Alyssa hat ohnehin genug mit ihrer Verwandtschaft zu Alice Lidell zu kämpfen, mit der sie auch in der Schule oft aufgezogen wird.
Auf diesen ersten 100 Seiten bekommt man einen guten ersten Einblick in Alyssas Leben und ihre Gefühle zu der ganzen Alice-Geschichte. Ich hatte sofort Mitgefühl für sie und konnte verstehen, dass sie den Zustand ihrer Mutter endlich verbessern will.

Und dazu muss sie ins Wunderland und den Fluch aufheben, der auf ihrer Familie lastet.

Das Wunderland fing wie erwartet gruselig-eklig an, mit Rabbit, dem halb Skelett-Zwergen-Opa (nein, hier war das Weiße Kaninchen kein Kaninchen...) und fleischfressenden Blumen, die genüsslich Blattläuse zerkauen. Doch danach wurde das Wunderland für meinen Geschmack zu harmlos und fast schon normal. Ich hatte mir deutlich mehr Ekel-Wesen gewünscht. ;) Auch verläuft Alyssas Reise durch das Wunderland im späteren Verlauf immer entspannter (also natürlich nicht wirklich, aber im Vergleich zu den ersten Abschnitten schon). Spannend fand ich es dennoch und es gab ein paar unerwartete Auflösungen. Dass Alyssa fast nebenbei ihre Aufgaben bewältigt, störte mich auch nicht, da es nun mal das Wunderland ist - da wäre es unlogisch, wenn alles erst gesucht und logisch entschlüsselt werden müsste.

Etwas nervig war die Dreiecks-Beziehungs-Kiste mit Jeb, Morpheus und Alyssa. Ich an Alyssas Stelle hätte Morpheus von Anfang an weniger vertraut, aber sie fällt immer wieder in das "damals war alles so schön" zurück und lässt sich dadurch blenden. Mich nervt es ja immer, wenn eine Protagonistin sich nicht entscheiden kann, für wen ihr Herz schlägt und selbst bei mieser Behandlung durch eine der Personen keine Einsicht zeigt... Aber zum Glück wird diese Tour nicht das ganze Buch durchgezogen.

Der Schreibstil war überwiegend flüssig und hat mir meistens gut gefallen. Stellenweise hatte ich jedoch das Gefühl, es würde etwas fehlen. Zum Beispiel hat Alyssa gleich zu Beginn plötzlich Krücken in der Hand und ich konnte nicht herausfinden, wo die aufeinmal herkamen. Solche Stellen gab es öfter mal, was negativ auffiel, da sie mit einem kleinen Nebensatz geklärt werden könnten.

Fazit: Guter Auftakt einer Trilogie im "Alice im Wunderland"-Universum, die für meinen Geschmack zu harmlos ausgefallen ist und zu sehr auf die Dreiecksbeziehung setzt. Dennoch freue ich mich auf die weiteren Bände.

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