Montag, 22. Februar 2016

[Rezi] Roter Drache

~Inhalt~

Ein Killer verbreitet Angst in Florida. Er hat schon zehn Menschen umgebracht. Und die Mordserie reißt nicht ab. Der Täter, ein von seinen Obsessionen gequälter, missgestalteter Mann, identifiziert sich immer mehr mit dem Roten Drachen nach William Blakes Gemälde...

~Aufmachung~

Meine Ausgabe ist relativ alt, aber ich mag das Cover mit dem Schmetterling und dem gräulichen Gesicht (sieht schon leicht tot aus... :-P).

~Eigene Meinung~

Bekannt ist die Reihe von Thomas Harris vor allem wegen dem Charakter Hannibal Lecter und der Verfilmung von "Das Schweigen der Lämmer". "Roter Drache" ist der erste Band den Harris aus dieser Reihe geschrieben hat - Hannibal Lecter ist hier jedoch nur eine Nebenfigur mit wenig Präsenz. Es geht vorrangig um Will Graham, der die Gabe besitzt, sich sehr detailliert in andere Menschen einzufühlen und ist damit dem FBI oftmals eine große Hilfe. Nachdem er bei seinem letzten Fall durch Hannibal Lecter schwer verletzt wurde, zog Will sich jedoch aus den Ermittlungen zurück und führt ein beschauliches Leben mit seiner Frau Molly und deren Sohn aus erster Ehe Willy.
Bis eine neue Mordserie Wills Hilfe verlangt...

Inhaltlich ist es durchweg spannend, auch wenn es kein Thriller im modernen Sinne ist. Während anfangs noch das "Im-Dunkeln-Tappen" des FBI und die rätselhaften, grausamen Morde an zwei Familien im Vordergrund stehen, nimmt im Laufe der Handlung der Mörder immer mehr diesen Vorrangplatz ein. Es wird beschrieben, wie er aufgewachsen ist, um darauf aufbauend sein Trauma zu erklären, aus dessen Grund heraus er diese Morde begeht. Man kann "Roter Drache" viel mehr als eine Charakterstudie eines Psychopathen beschreiben. Ich fand diese Entwicklung interessant zu verfolgen und überwiegend nachvollziehbar. Zum Ende hin wurde es dann jedoch ein wenig abstrus (ohne zu spoilern kann ich dazu jedoch nicht mehr sagen).

Da der Mörder wirklich vorsichtig vorgegangen ist, fällt es dem FBI und sogar Will schwer, Anhaltspunkte zu finden, wo sie weiter suchen sollen. Das gefiel mir gut, auch wenn es schon witzig ist, wie veraltet die Methoden im Vergleich zum heutigen Stand sind. Das es noch keine Handys gab ist da das kleinste Hindernis. Die Suche nach dem Mörder gestaltet sich somit kompliziert, sodass die Lösung erst kurz vor dem Ende kommt. Dass man als Leser schon sehr früh weiß, wer der Mörder ist, nimmt von der Spannung jedoch nichts.

Der Schreibstil kommt ohne große Ausschmückungen aus und auch medizinische oder kriminologische Dinge sind verständlich beschrieben.

Fazit: Mehr Charakterstudie als Thriller, aber dennoch spannend bis Schluss!


Bewertung
★★★★☆ 

Der Titel basiert auf dem Aquarell von William Blake "Der Rote Drache und die Frau, mit der Sonne bekleidet". Blake zeichnete zwischen 1805 und 1810 noch weitere Gemälde mit dem "Roten Drachen" als Illustrationen der Bibel (Kapitel: Offenbarung, 12).


Und es erschien ein großes Zeichen im Himmel: ein Weib, mit der Sonne bekleidet, und der Mond unter ihren Füßen und auf ihrem Haupt eine Krone mit zwölf goldenen Sternen. Und sie war schwanger und schrie in Kindesnöten und hatte große Qual zur Geburt.
Und es erschien ein anderes Zeichen im Himmel, und siehe, ein großer, roter Drache, der hatte sieben Häupter und zehn Hörner und auf seinen Häuptern sieben Kronen; und sein Schwanz zog den dritten Teil der Sterne des Himmels hinweg und warf sie auf die Erde. Und der Drache trat vor das Weib, die gebären sollte, auf daß, wenn sie geboren hätte, er ihr Kind fräße.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Die Kommentarfunktion beißt nicht. ;-)