Samstag, 30. Januar 2016

[Rezi] Märchenmond

~Inhalt~

Seit Tagen liegt Kims Schwester Rebekka bewusstlos im Krankenhaus. Die Ärzte sind ratlos. Da erscheint Kim der alte Magier Themistokles, der ihm sagt, dass nur er seiner Schwester helfen kann. Dazu muss er ins Land Märchenmond reisen, wo Boraas, der Herr des Schattenreiches, die Seele Rebekkas gefangen hält. Auf seinem gefährlichen Weg gewinnt Kim viele Freunde, die ihm beistehen. Dennoch scheint der Sieg der schwarzen Ritter, Boraas’ Kriegern, unabwendbar. Doch als Kim dem schwarzen Lord gegenübersteht und in dessen Gesicht blickt, wendet sich das Schicksal. (Quelle: Klappentext)

~Aufmachung~

Ich besitze die Ausgabe der "Bild"-Reihe, in der einige bekannte Fantasy-Romane erschienen waren. Die Cover gefallen mir sehr gut, mit schwarz und gold-silbernen Verzierungen sowie den verschnörkelten Buchstaben. Im Innern sind einige wenige Zeichnungen enthalten, die wohl Szenen aus der Handlung darstellen sollten, die ich aber nicht immer genau zuordnen konnte.

~Eigene Meinung~

"Märchenmond" gehört zu den Klassikern von Wolfgang Hohlbein und da ich seine Werke früher wirklich gerne gelesen habe ("Elfentanz" ist eines meiner liebsten Bücher und auch "Midgard" und "Die Bedrohung" konnten mich begeistern), wollte ich mir "Märchenmond" nicht entgehen lassen.

An sich erinnert "Märchenmond" sehr an ein Märchen, wie der Titel vielleicht vermuten lässt. ;) Es gibt viele fantastische, durchaus einfallsreiche Wesen, die sehr märchenhaft oftmals plötzlich auftauchen und dabei erstmal keine größere Bedeutung für die Geschichte zu haben scheinen. So zum Beispiel die Dachsfamilie, bei der Kim für eine Weile unterkommt, um sich zu erholen und die danach keine Rolle mehr spielen. Dadurch fehlt es "Märchenmond" an Tiefe.
Zudem merkt man schnell, dass es für jüngere Leser geschrieben wurde. Einfache Erzählweise, eher oberflächliche Charaktere. Besonders Kim als Prota konnte mich nicht überzeugen. Er geht in die 7. Klasse, liest gerne Sci-Fi-Romane und landet plötzlich in Märchenmond, um seine Schwester zu retten. Und innerhalb weniger Seiten entwickelt er sich zum mutigen, kräftigen, allen Gefahren trotzenden Krieger. Dabei redet er so erwachsen daher, dass er auch locker 30 Jahre alt hätte sein können. Das war unrealistisch und nicht nachvollziehbar. Gegen charakterliche Entwicklungen habe ich nichts einzuwenden, aber sie sollten doch in einer angemessenen Zeit erfolgen.

Auch gab es einige Logikfehler, denen junge Leser sicherlich keine Aufmerksamkeit schenken würden, aber bei mir doch das Lesevergnügen geschmälert haben. Wie passt Kim in einen Dachsbau? Wie können die schwarzen Reiter so schnell von A nach B kommen und dabei auch samt Pferde jede noch so beschwerliche Hürde überwinden, recht zu Beginn Kim samt Pferd aber nicht über eine Schlucht folgen?

Was wirklich begeistern kann, sind tatsächlich all die Wesen, denen Kim begegnet. Da hat sich Wolfgang Hohlbein wirklich ins Zeug gelegt und viele interessante Wesen in die Geschichte eingebunden, die das Lesen letztlich auch unterhaltsam halten. Ich zumindest war stets gespannt, was als nächstes Kims Weg kreuzt.

Zudem weist die Geschichte schöne Hintergrundbotschaften auf: Es gibt kein reines Gut und Böse, sondern jeder trägt beides in sich. Oder auch: Man ist erst tot, wenn sich keiner mehr an einen erinnert.


Bewertung

★★★☆☆

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