Montag, 16. November 2015

[Rezi] Schmetterlinge im Eis

~Inhalt~

In einem Forschungslabor in Spitzbergen muss der Doktorant Kimi Hoorn überraschend das wichtigste Experiment zur Klimabeobachtung allein beenden: Sein Professor ist plötzlich spurlos verschwunden. Als dann auch noch Umweltverbände versuchen, die Forschungen für sich zu vereinnahmen, wird Kimi klar, dass mehr hinter den Experimenten steckt. Die Spur führt nach Russland... (Quelle: Amazon.de)

~Herkunft und Aufmachung~

Das Buch gab es bei Hugendubel letztes Jahr im Angebot (auf einem dieser "Grabbeltische") und ich habe es beim Stöbern entdeckt. Das Cover gefiel mir sehr gut, mit den im Eis eingeschlossenen Pflanzenteilen. Und "Ökothriller" als Genre klang auch interessant und mal nach was anderem. Also hab ich es mitgenommen.

~Eigene Meinung~

Wie gesagt dachte ich, ein Ökothriller könnte mal genau das sein, was mich interessieren könnte (bin ja so ein Umweltmensch :P). Es geht um das hoch klimagefährdene Gas Fluormethan. Wer sich schonmal mit Treibhausgasen und dem Kyoto-Protokoll beschäftigt hat, weiß, dass Fluorkohlenwasserstoffe zu den Gasen gehören, die möglichst vermieden werden sollen, da sie 100 bis 15.000 mal klimawirksamer sind als Kohlenstoffdioxid. Kommt jedoch auf die genaue Verbindung an. Und hier ist es halt das Fluormethan, welches laut Buch bei der Aluminiumherstellung frei wird. Dazu kann ich nicht viel sagen, Wikipedia sagt dazu auch nichts (und ich wollte jetzt nicht ewig nachforschen).

Soweit so gut. Weiter geht es um den Assistenten - Kimi Hoorn - des berühmten Professors Emil Planck, der nach Plancks Verschwinden dessen Versuch am Nordpol/Spitzbergen zu dem besagten Gas durchführen soll. Doch Kimi ist kaum eingeweiht, muss sich alles selbst zurecht denken. Das erschien mir schonmal eine nette Ausrede zu sein, um nicht allzu sehr ins Detail zu gehen, was den technischen Kram angeht. Denn es wird in dem Buch ja sonst schon genug mit Fachwissen um sich geworfen. Dauernd gehen die Charaktere das Problem mit dem Fluormethan durch, reden über den Versuch, über die Aluminiumherstellung usw. Das mag zwar auf der einen Seite interessant sein, auf der anderen ist es jedoch viel zu öde, dieselben Ausführungen immer und immer wieder zu lesen. Ganz so als würde der Leser es erst beim 10. Mal verstehen können.

Neben dem ganzen Fachwissen bleiben die Charaktere auch sehr flach.
Kimi, der eigentlich ganz anders heißt, aber das wäre nicht cool, also hat er sich umbenannt, war mal Model, bis er sich mal vergessen hat, rechtzeitig zu rasieren. Danach war er raus aus dem Business und musste stattdessen in die Forschung gehen. Doch alle beurteilen ihn nur nach seinem Äußeren, alle Frauen fliegen auf ihn und ja, er selbst findet sich auch ganz super. Und das schon im 1. Kapitel. Kimi kam damit einfach mega unsympathisch rüber. Ich mein, wer jammert denn bitte dauernd darüber, wie toll er ist? Das nervt! Zudem kann er mit seinem Zahnpastalächeln leider keine Freunde für sich gewinnen, also muss er einsam und alleine den Versuch durchführen.

Die weiteren Charaktere sind auch eher lahm. Ulrika, Kimis Frau, kommt nur ab und an am Telefon vor. Diana, die Umweltaktivistin von Serve Earth (sowas wie Greenpeace) wickelt Kimi natürlich um den Finger (oder so). Alle anderen waren nur Randfiguren ohne nennswerte Merkmale. Oh, doch, Karen, auch eine "Ökotussi" ganz nach Klischee - benutzt keine Cremes, kämmt sich zu selten die Haare, hat immer "Ökoklamotten" an - ist eine von den Lauten. Sie sagt immer ihre Meinung ohne Blatt vor dem Mund. Sie war mir noch am ehesten sympathisch, auch weil sie nicht sofort mit Kimi ins Bett wollte, obwohl er natürlich davon ausging, dass auch sie nur darauf aus ist.

Die Suche nach dem Fluormethan und dessen Hauptquelle am Nordpol ist der Inhalt des Buches. Und das Ganze zieht sich wie Kaugummi dahin. Einfach nur zäh und ohne Höhepunkte.
Wenn es zumindest eine bildene Wirkung hätte, okay, aber dazu fehlen ein paar Quellenangaben zum Nachlesen für Interessierte. Das hätte ich am Ende des Buches oder mal zwischendurch ganz nett gefunden. Denn ausdenken kann sich jeder allen möglichen Kram zu Treibhausgasen, doch ob das auch alles stimmt, bleibt ungewiss.

Ein bisschen was Positives zum Ende: Das Buch versucht immerhin, auf die Schädlichkeit des eher unbekannten Gases hinzuweisen und wie vertrackt der ganze "Klimaschutz" mit seinem Emissionshandel wirklich ist. Dass sich die Welt nicht von heute auf morgen retten lässt, dürfte jedem klar sein, doch dass von Seiten der Wirtschaft vieles daran gesetzt wird, auch die kleinsten Hoffnungsschimmer zu unterbinden, ist sicherlich nicht jedem so geläufig. Zumindest in der Hinsucht bringt "Schmetterlinge im Eis" die Realität doch recht nahe. Geld und Macht bleiben eben doch die treibenden Kräfte.

Fazit: Langatmig, flache Charaktere mit Klischees und ein Haufen Fachwissen, dessen Richtigkeit ich nichtmal bestätigen kann, nachdem ich das Buch gelesen habe. 


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