Samstag, 17. Oktober 2015

[Rezi] Felidae



~Inhalt~

Francis, der samtpfotige Klugscheißer, ist neu im Revier. Als er bei seinem ersten Erkundungsspaziergang auf einen grausam zugerichteten toten Artgenossen stößt, ist ihm klar, daß hier sein Intelligenzquotient gefordert ist. So rollt sich vor dem Leser mit katzenartiger Geschwindigkeit eine Geschichte von serienmäßigen Morden und religiösen Sekten, von Computern und rolligen Katzen, von Wahnideen und Ommipotenzphantasien... Eine Tierfabel, die in einem spannenden und furiosen Finale menschlich-moralische Abgründe enthüllt.

~Herkunft und Aufmachung~

Das Buch steht schon seit Erscheinen im Regal meiner Mutter und nachdem eine Freundin von mir das Buch einmal zu oft in den Himmel gelobt hat, habe ich es mir geschnappt. ;)

Optisch ist es der Zeit, in der es erschienen ist, entsprechend gestaltet. Der Schutzumschlag zeigt ein Katzengesicht, darunter ist das Buch schlicht orange. Finde ich ja etwas langweilig, aber wie gesagt, es ist alt. Die Seiten sind auch recht voll geschrieben mit Text, was ich auf den ersten Blick immer abschreckend finde. Aber man liest sich schnell rein.

~Eigene Meinung~

Ich hatte bisher nicht mit vielen Tier-Krimis das Vergnügen. Vor ein paar Jahren hatte ich das Hörbuch zu "Glenkill" gehört, aber das war es auch schon mit Tieren und Mordfällen. "Felidae" war also eine richtige Abwechslung, von dem, was ich sonst so lese. Auch weil es mal keine Fantasy war (wobei das ja Auslegungssache ist - immerhin agieren die Katzen hier sehr menschlich).

Ich hielt es, nach dem was ich so gehört hatte (was nicht allzu viel war, außer dass die Verfilmung gruselig und das Buch toll sein sollten), für einen netten kleinen Krimi, wo halt Katzen den Fall lösen und nicht Menschen. Ich dachte auch, Menschen würden insgesamt eine größere Rolle spielen.

Tja, ich lag ziemlich mit meinen Erwartungen daneben.

>>Es ist wie die Geschichte von der fleischfressenden Pflanze, die man sich als Sämling ins Haus holt, hegt und pflegt, bis sie eines schönen Tages, hochgewachsen und stark, die gesamte Familie verschlingt!<< S. 173

"Felidae" ist nichts für schwache Nerven. Man sollte sich nicht von der Bezeichnung "Katzen-Krimi" täuschen lassen, denn es geht alles andere als süß und flauschig zu.

Die Beschreibungen der toten Katzen sind blutig, die Taten, die dargestellt werden, grausam. Francis wird immer wieder von abartigen Albträumen geplagt, die ihm sein Unterbewusstsein sendet. Würde er sie richtig lesen, würden darin wichtige Hinweise enthalten sein, doch ebenso wie der Leser lässt er sich von der Grausamkeit und dem Schrecken, die sie enthalten, von der Botschaft ablenken.

Ich hatte "Standard-Mordfälle" erwartet, doch was zwischen den Buchcovern wartete, waren Themen wie Tierversuche, Tierquälerei, Religion und Sekten und der Versuch, eine "Überrasse" zu schaffen, ganz nach nationalsozialistischem Vorbild.

Ich war des Öfteren beim Lesen schokiert über die harten, abstoßenden Taten, die sich mir und Francis offenbahrten. Und bei allem wird niemals übermäßig deutlich der "Moral-Finger" erhoben. Die Handlung wird beschrieben, die Grausamkeiten an den Katzen dargestellt, Francis und seine Kameraden machen sich Gedanken, doch der Leser wird an keiner Stelle allzu deutlich darauf gestoßen, dass die Taten unmoralisch sind. Es wird nicht versucht, zu belehren, es wird aufgezeigt. Das macht die Geschichte unheimlich realistisch und jeder, der sich mal etwas mit Tierversuchen beschäftigt hat, weiß, dass leider tatsächlich die Realität beschrieben wird. Doch auch die andere Seite - die "böse" - wird beschrieben und ist zu einem gewissen Grad nachvollziehbar und verständlich (jedoch nicht vertretbar). Es gibt kein schwarz und weiß.

Die Charaktere sind alle sehr eigen und individuell. Francis, der Klugscheißer, Blaubart, das Rauhbein, Pascal, der Intelligente, und viele mehr. Ich konnte jeden sofort ins Herz schließen, auch diejenigen, die Francis weniger wohl gesonnen waren. Ein jeder hatte seine besonderen kleinen Macken, die sie liebenswert machten. Die Katzen wirkten damit menschenähnlich und verhielten sich oftmals auch ähnlich.

>>Das Ende einer Geschichte ist immer traurig. Das liegt zum einen dran, weil wir am Ende einer Geschichte wieder in die meist langweilige Realität entlassen werden, und zum anderen, weil im Grunde alle wahren Geschichtem traurig enden.<< S. 249

Der Schreibstil war ebenfalls großartig. Der Autor mischt gekonnt humorvolle Passagen (z.B. wenn Francis über seinen "Dosenöffner" Gustav nachdenkt) mit ernsten Tönen und erhält durchgehend die Spannung aufrecht. Ich hatte nie das Gefühl, die Handlung würde langatmig werden. Es hat richtig Spaß gemacht, Francis auf seinem Weg durch all das Übel zu begleiten und gemeinsam mit ihm so einige Irrungen und Wirrungen zu enträtseln.

Einzig gestört hat mich der Punkt, wo der Kater Pascal auftauchte und mit einem PC umgehen konnte, in dem er "zufällig" eine Liste aller Katzen im Revier erstellt hatte. Das war ein Punkt wo ich dachte "Ach bitte nicht" und mit den Augen rollen musste. Das war ein echter Dämpfer im Lesevergnügen. Ich wäre daher auch fast versucht, nur 4 Sterne zu vergeben, aber im Nachhinein kann ich darüber hinweg sehen und das Buch insgesamt als großartig bewerten. Und es war eindeutig besser als manche meiner anderen 4-Sterne-Bücher.


Fazit: Großartig geschriebener Krimi mit (leider) sehr realistischen Gräueltaten. Absolut empfehlenswert für alle, die keine allzu schwachen Nerven haben.


Bewertung:
★★★★★

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