Donnerstag, 9. April 2015

[Rezi] Die Unsterbliche

© Coverrechte: Heyne




Titel: Die Unsterbliche
Autor: Kai Meyer
Verlag: Heyne
Formate:
~Hardcover, 2001 erschienen
~Taschenbuch, neue und überarbeitete Auflage von 2011, 464 S.






Anmerkung: Kai Meyer hat „Die Alchimistin“ und „Die Unsterbliche“ 2011 überarbeitet und neu herausgebracht. Ich habe allerdings die alte Ausgabe von 2001 gelesen und kann daher nicht sagen, inwieweit sie sich von der Überarbeiteten unterscheidet. :)

~Inhalt~
1914 - 10 Jahre nach den Ereignissen aus „Die Alchimistin“ - sitzt Aura alleine in Paris auf der Suche nach dem „Verbum dimissum“ - dem Wort der Schöpfung. Vor acht Jahren hat sie Gillian gegen dessen Willen ebenfalls unsterblich gemacht und ihre Beziehung damit zerstört. Seitdem zieht Aura sich in ihre alchimistischen Studien zurück und vernachlässigt ihren Sohn Gian und den Rest ihrer Familie. Ein blutiger, sechsfingriger Handabdruck auf ihrem Bett reißt sie jedoch unvermittelt aus ihrer Letargie und Aura begibt sich auf eine Reise quer durch Europa auf der Suche nach Antworten.

~Eigene Meinung~
Der erste Band der Reihe „Die Alchimistin“ hatte mich vor einigen Jahren sehr begeistert und zählt seitdem zu meinen Lieblingsbüchern. Allerdings habe ich es erst jetzt geschafft, auch den zweiten Teil zu lesen und musste doch feststellen, dass ich vieles aus dem ersten Band nicht mehr wirklich im Kopf hatte. Das ist allerdings nicht schlimm – man versteht „Die Unsterbliche“ auch ohne Vorkenntnisse.
Inhaltlich teilt sich der Band in drei Erzählstränge auf: Auras Suche nach dem Täter hinter der sechsfingrigen Hand, Tess' und Gians (Auras Nichte und Sohn) Aufenthalt in Uruk, der ein jähes Ende findet, und Gillians Reise vom Templum Novum (einem Überrest der alten Tempelritter) nach Spanien, auf der Suche nach dem großen Templerschatz. Lange Zeit ist sehr unklar, worauf diese Erzählstränge hinauslaufen und genau das macht die Spannung des Buches aus. Der Leser tappt genauso im Dunkeln wie die Charaktere des Buches und es werfen sich mehr Fragen als Antworten auf. Alles wird mit einer Menge historischen Hintergründen rund um die Templer und die Assassinen des Alten vom Berg geschmückt. Größtenteils beruhen diese Berichte auf realen Überliefern, teilweise hat Kai Meyer aber auch recht frei die fehlenden Hintergründe selbst verknüpft und ausgelegt. Daraus ergibt sich eine interessante Mischung aus Geschichtsunterricht, Mythen und Fantasy. Das Thema der Unsterblichkeit war dabei sehr schön umgesetzt. Wer unsterblich ist, empfindet es als Fluch und Last, wer aber sterblich ist, sehnt sich nach der Unsterblichkeit. Gerade der Schmerz und der Verlust, den Unsterbliche immer wieder ertragen müssen, wenn sie liebgewonnene Menschen sterben sehen, waren in den Charakteren verankert und teilweise sehr greifbar.
Die Charaktere waren mir dabei alle sehr sympathisch, vor allem Aura und Tess, die beide recht starke, selbstbewusste Frauen sind. Auras innere Unruhe und die Unsicherheit, die sie aufgrund ihrer Unsterblichkeit und der Distanz zu ihrer Familie empfindet, fand ich nachvollziehbar. Allerdings blieben viele der neuen Charaktere etwas blass und kamen mir eher vor wie etwas wichtigere Statisten. Zwar diente das wohl auch dazu, nicht zu früh zu viel zu verraten, aber etwas schade war es dennoch. Und z.B. Gillian hatte ich aus dem ersten Band noch etwas „bunter“ in Erinnerung.
Am Ende laufen die Erzählstränge dann zusammen, was mir allerdings etwas konstruiert vorkam. Es war recht plötzlich so, dass in einem Kapitel auf einmal alle am selben Ort waren. Und dann stellte sich der „Feind“ auch noch als jemand heraus, mit dem zumindest ich nicht gerechnet hätte. Da bin ich mir aber recht unsicher, ob das ein genialer Schachzug von Kai Meyer war oder doch eher einfallslos. ;)

Insgesamt ist „Die Unsterbliche“ aber ein wirklich spannender Roman und eine gelungene Fortsetzung, die sich wie schon der erste Band eher an erwachsene Leser richtet. Den eher einfachen Schreibstil aus anderen Werken Kai Meyers wie z.B. der „Arkadien“-Reihe sollte man hier nicht erwarten. Gerade die historischen Erzählungen und die Landschaftsbeschreibungen sind recht ausführlich, aber keineswegs langweilig.


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